Wenn Lieferanten aus China Waren nur gegen Vorkasse oder Anzahlung liefern, haben Importeure häufig Schwierigkeiten, eine Bankfinanzierung zu angemessenen Konditionen zu erhalten. Mit Finetrading steht ein ebenso effizientes wie einfach zu ­handhabendes Finanzierungsinstrument zur Verfügung, von dem Importeure bei der Abwicklung ihrer Geschäfte profitieren ­können. Wir erläutern anhand eines Beispiels, wie Finetrading in der Praxis ablaufen kann.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Finetrading AG

China ist nicht nur im Export-, sondern auch im Importgeschäft einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Allein im Jahr 2013 wurden aus China Waren im Wert von mehr als 73 Mrd EUR eingeführt. Damit haben sich die China-Importe innerhalb von zehn Jahren fast verdreifacht.

Gerade beim Import aus China stehen viele Unternehmen vor besonderen Herausforderungen, wenn es um die Finanzierung geht. Zum einen gilt es meist, größere Lieferungen vorzufinanzieren, die dann über einige Monate hinweg Umsatzerlöse generieren. Zum anderen verlangen chinesische Hersteller häufig die komplette oder teilweise Bezahlung als Vorkasse. Bei dieser Konstellation zeigen sich Banken oftmals zurückhaltend und gewähren eine Vorfinanzierung nur, wenn der Importeur zusätzliche Sicherheiten stellen kann.

Wer die Vorfinanzierung von Wareneinfuhren bankenunabhängig und flexibel gestalten will, sollte Finetrading als Finanzierungsalternative in Betracht ziehen. Der Finetrading-Anbieter tritt dabei als Zwischenhändler auf, indem er die Ware vom Lieferanten erwirbt und sie direkt an den Importeur weiterveräußert. Während die Rechnung des Lieferanten umgehend beglichen wird, erhält der Importeur vom Finetrader ein Zahlungsziel, das in der Regel 120 Tage beträgt. Mit dieser Finanzierungspartnerschaft kann der Importeur gegenüber dem Lieferanten als Sofortzahler auftreten und sich in der Konditionenverhandlung eine entsprechend günstige Position sichern.

Wie die Importfinanzierung mit Finetrading in der Praxis ablaufen kann, zeigt ein konkretes Projekt, das die DFT Deutsche Finetrading AG vor kurzem erfolgreich abgeschlossen hat. Finanzierungskunde war ein in Deutschland ansässiges Großhandelsunternehmen, das von einem chinesischen Hersteller Unterhaltungselek­­­-tr­onik und Computerzubehör im Wert von gut 100.000 EUR ordern wollte. Die Produkte sollten dann über Einzelhändler und Onlineshops in Großbritannien über einen Zeitraum von etwa drei bis sechs Monaten verkauft werden.

Im ersten Schritt leitete der Importeur das Angebot seines Lieferanten an die DFT AG weiter. Nach dem Klären der Rahmenbedingungen für die Finanzierung erhielt dann die DFT AG vom Importeur den Auftrag, das Importgeschäft abzuwickeln. Weil der Lieferant Vorkasse als Zahlungsziel vorgegeben hatte, enthielt die Vereinbarung eine Besonderheit: Um den Zeitraum zwischen der Zahlung und der Warenlieferung abzusichern, übernahm der Importeur bis zur Auslieferung gegenüber der DFT AG eine Bürgschaft in Höhe des vorab gezahlten Betrags.

Wichtig für den reibungslosen Ablauf einer Finetrading-Importfinanzierung ist die klare Vereinbarung der Lieferbedingungen zwischen dem Importeur und seinem Lieferanten. Üblicherweise wird gemäß Incoterms die Vereinbarung FOB (Free on Board) gewählt. Hierbei trägt der Lieferant die Kosten und Gefahren bis zur Beladung des Schiffs im Exporthafen. Der Kosten- und Gefahrenübergang auf den Importeur erfolgt in dem Moment, in dem sich die Waren an Bord des Schiffs befinden. Der Finetrader erhält dann die Bill of Lading – oder beim Transport per Luftfracht die Airway Bill –, mit der die ordnungsgemäße Übergabe an den Frachtführer bestätigt wird.

Dass im konkreten Fall die Ware nicht nach Deutschland, sondern direkt an eine Vertretung des Finetrading-Kunden in Großbritannien geliefert werden sollte, hatte auf das Finanzierungsgeschäft lediglich steuerliche Auswirkungen. Denn: Je nachdem, ob die Ware deutschen Boden berührt oder direkt an eine Auslandsniederlassung geht, kommen bei der Berechnung der Umsatzsteuer auf die Finetrading-Kosten unterschiedliche Regelungen zum Tragen. Die eigentliche Finanzierung kann jedoch problemlos auch dann unter Dach und Fach gebracht werden, wenn ein in Deutschland ansässiger Importeur die bestellten Waren direkt an eine Niederlassung im Ausland liefern lässt.

Als bedeutenden Vorteil stufte der Fine­trading-Kunde die einfache Abwicklung des Geschäfts ein. Die erforderlichen Formulare wurden von der DFT AG so weit vorbereitet, dass sie nach minimalem Bearbeitungsaufwand direkt an den chinesischen Lieferanten weitergeleitet werden konnten. Damit konnte die Abwicklung des Geschäfts im Vergleich zur Eröffnung eines Akkreditivs auf deutlich einfachere Weise gestaltet werden.

Darüber hinaus trat die DFT AG gegenüber dem Lieferanten nicht in Verhandlungen ein, so dass der Importeur beim Führen der Konditionengespräche jederzeit alle Fäden in der Hand behalten konnte. Der Lieferant musste lediglich bei der Auftragserteilung darüber informiert werden, dass die Rechnung an die DFT AG ausgestellt werden sollte. Diese Konstellation empfand der Importeur als sehr angenehm, da er die Verhandlungen auf gleiche Weise wie bei der Eigenfinanzierung des Geschäfts führen konnte und nicht Gefahr lief, durch die Einschaltung einer zweiten Dialogebene im Lieferantengespräch Verwirrung zu stiften.

Vor allem für den Mittelstand dürften innovative und bankenunabhängige Finanzierungsmöglichkeiten wie Fine­trading weiter an Bedeutung gewinnen. Mit Blick auf Basel III und die anstehenden Stresstests für europäische Banken zeigen sich viele Geldinstitute bei der Kredit­vergabe zurückhaltend. Dabei beobachtete das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo, das im Rahmen des Konjunkturtests regel­mäßige Umfragen zur Kredithürde durchführt, zuletzt eine Diskrepanz beim Kreditzugang von Unternehmen unter­schied­licher Größenordung: Während Großunternehmen seit Anfang 2013 einen tendenziell leichteren Zugang zu Bankkrediten melden, hatten es kleine und mittelständische Firmen immer schwerer, Zugang zu Finanzierungen zu erhalten.

Um die Risiken im eigenen Kreditportfolio zu minimieren, stellen Banken zunehmend hohe Ansprüche beim Einfordern von Sicherheiten. Wer größere Auftragseingänge oder Importgeschäfte finanzieren will, muss der kreditgebenden Bank häufig Pfandrechte auf andere Vermögenswerte des Unternehmens einräumen – mit der Folge, dass der Freiraum für weitere Investitionen in das Wachstum stark eingeschränkt ist. Mit Blick auf die finanzielle Flexibilität ist es für mittelständische Unternehmen daher unabdingbar, den Finanzierungsmix zu optimieren und somit den eigenen Handlungsspielraum zu erhalten.

Finetrading bietet eine Alternative für die Finanzierung von Umlaufvermögen und Investitionen, die sich grundlegend sowohl von Kreditmodellen wie auch von anderen Kontstrukten wie Factoring oder Leasing unterscheidet. Im Kern ist Finetrading ein Handelsgeschäft, da der Finetrader die Ware vom Lieferanten erwirbt und sie praktisch im selben Augenblick wieder an den Abnehmer weiterveräußert. Als ebenso einfache wie effiziente Finanzierungskomponente fungiert dabei das Zahlungsziel: Die Rechnung des Lieferanten wird sofort beglichen, während der Abnehmer ein Zahlungsziel erhält, das an die Refinanzierung durch die entsprechenden Verkaufserlöse angepasst werden kann. Je nach Charakter der Geschäfte können Finetrading-Verträge auf Projektbasis abgeschlossen werden oder auch in Form eines Rahmenvertrags, der ähnlich wie der Kontokorrentrahmen einer Bank ein langfristiges Einkaufsvolumen abdeckt. Mit diesem Konzept erlebt eine Finanzierungsform, die schon die traditionsreichen Überseehandelshäuser im Im- und Exportgeschäft zur Blüte geführt hat, eine Renaissance im modernen Gewand.

Für den Kunden der DFT AG bildete der Import mit Finetrading eine ideale Ergänzung der bestehenden Unternehmensfinanzierung – nicht nur weil er dadurch gegenüber dem Lieferanten als Sofortzahler auftreten und günstige Einkaufskonditionen aushandeln konnte. Auch bei der Zahlung der offenen Forderungen bot ihm der Finetrading-Vertrag die Option, bei vorhandener Liquidität die Verbindlichkeiten schneller zu begleichen und dabei Finanzierungskosten einzusparen.

Kontakt: info[at]dft-ag.de

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