Die Covid-19-Pandemie hat die Wachstumsaussichten in Asien-Pazifik ernsthaft bedroht. Viele Volkswirtschaften in der Region werden voraussichtlich die größte Schrumpfung seit der asiatischen Finanzkrise 1997–1998 erleben.

Das Jahr 2019 war von Handelsspannungen zwischen den USA und China geprägt. Zahlreiche Unternehmen erlebten Zahlungsverzögerungen. Die anschließende wirtschaftliche Erholung in vielen Ländern war nur von kurzer Dauer. Zunächst hatten die Unternehmen von Verschiebungen in den Lieferketten und zusätzlicher Liquidität seitens der US-Notenbank profitiert. Doch dann kam Corona.

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Die Covid-19-Pandemie hat die Wachstumsaussichten in Asien-Pazifik ernsthaft bedroht. Viele Volkswirtschaften in der Region werden voraussichtlich die größte Schrumpfung seit der asiatischen Finanzkrise 1997–1998 erleben. Auf BIP-gewichteter Basis wird die Wachstumsrate der asiatischen Volkswirtschaften 2020 auf 0,3% sinken (–0,65% ohne China). 2019 betrug die Wachstumsrate 4,6%. Auch in der schweren Krise 1998 lag sie mit 2,9% (0,76% ohne China) noch höher. Am deutlichsten wird der Rückgang des BIP in Thailand (–5,0%), Hongkong (–4,0%), Singapur (–3,5%), Japan (–3,0%), Malaysia (–2,0%) und Australien (–1,9%) vor dem Hintergrund einer Verlangsamung der Tourismusindustrie und des Welthandels. Nach Prognosen der Coface-Volkswirte wird das Wachstum erst 2021 wieder ansteigen und für die Region 6,2% (4,65% ohne China) erreichen.

Längste Verzögerungen in China

In der jährlichen Unternehmensbefragung zu ihren Zahlungserfahrungen berichteten 2019 fast zwei Drittel der befragten Unternehmen in der Region (65%) von Verzögerungen. Im Vorjahr waren es 63%. Am längsten waren die Zahlungsverzögerungen 2019 in China (96 Tage), Malaysia (84) und Singapur (71). Die Mehrheit der in der Region Befragten (48%) gab an, der Hauptgrund für die Zunahme der Zahlungsverzögerungen seien finanzielle Schwierigkeiten der Kunden. Diese Schwierigkeiten waren vor allem auf den harten Wettbewerb, der sich auf die Gewinnspannen auswirkte (41%), und auf mangelnde finanzielle Ressourcen (22%) zurückzuführen.

Unter den Branchen verzeichneten Energie, Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Bauwesen die längsten Zahlungsverzögerungen: 24%, 28% bzw. 26% der befragten Unter­nehmen dieser Branchen berichteten sogar von Zahlungsverzögerungen von 120 Tagen oder mehr.

Die Untersuchung des Verhältnisses der ultralangen Zahlungsverzögerungen an den Überziehungen zeigt die Gefahr einer Verschlechterung des Cashflows in bestimmten Regionen und Sektoren. „Denn Zahlungsverzögerungen und Cashflow­risiken gehen oft Hand in Hand“, sagt Carlos Casanova, Volkswirt bei Coface für die Region Asien-Pazifik. Um die Cashflowrisiken zu bewerten, untersucht Coface das Verhältnis von ultralangen Zahlungsverzögerungen von über 180 Tagen an den Überziehungen. „Wenn diese mehr als 2% des Jahresumsatzes ausmachen, kann der Cashflow eines Unternehmens gefährdet sein. Nach den Erfahrungen von Coface werden weltweit 80% der Zahlungsverzögerungen von über 180 Tagen niemals bezahlt“, weiß Carlos Casanova.Der Anteil der untersuchten asiatischen Unternehmen, bei denen solche sehr langen Verzögerungen mehr als 2% des Jahresumsatzes ausmachten, fiel zwar von 38% im Jahr 2018 auf 31% im Jahr 2019. „Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass diese Erholung nicht eindeutig ist“, relativiert Carlos Casanova diese Zahl. „Die Zahl der Unternehmen, die ultralange Überziehungen mit sogar mehr als 10% des Jahresumsatzes meldeten, blieb 2019 konstant bei 13%.“

2020 wird von der schlimmsten Rezession seit der asiatischen Finanzkrise von 1997–1998 geprägt sein. Coface erwartet, dass die asiatisch-pazifische Region im Jahr 2020 stark schrumpfen wird (mit Ausnahme von China und Indien unter den neun untersuchten Volkswirtschaften), bevor sie 2021 wieder anziehen dürfte.

Abwärtsdruck auf das Wachstum

Schwächere Auslandsnachfrage, die Wiedereinführung von sozialen Distanzierungsmaßnahmen und höhere Arbeitslosigkeit werden die Erholung im zweiten Halbjahr 2020 hemmen. Der Inlandsverbrauch macht einen großen Anteil des BIP in Indien (65%), Indonesien (57%) und Malaysia (57%) aus. Darüber hinaus sind viele asiatische Volkswirtschaften auch abhängig von den Einnahmen aus dem Tourismus, der durch Corona stark ge-bremst wurde. Auch die Exporte werden 2020 noch schrumpfen, was die Probleme von Ländern, die nach wie vor von der Auslandsnachfrage abhängig sind, verstärkt: Singapur (176%), Vietnam (106%), Malaysia (69%) und Thailand (67%) sind, gemessen am Anteil der Exporte am BIP, am stärksten exponiert.

Höheres Risiko von Insolvenzen

Eine Reihe von Volkswirtschaften in der Region hat Moratorien für Kredite eingeführt, um Unternehmen vor Cashflowrisiken zu schützen. Darüber hinaus haben viele Regierungen Pakete zur Unterstützung von KMUs aufgelegt. Diese Maß­nahmen haben sich bei der Stabilisierung der Finanzierung als wirksam erwiesen. Dennoch ist mit einer Zunahme der Insolvenzen und Zahlungsausfälle nach Ablauf der Schonfristen zu rechnen.

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