Am Rande des eurasischen Wirtschaftsraums, dessen Zollunion sich von Weißrussland bis Kasachstan erstreckt, verzeichnet Usbe­kistan hohe Wachstumsraten. Als historisches Zentrum der Seidenstraße von China nach Europa lebt das Land heute vor allem von mineralischen Rohstoffen und Baumwolle, die nach Russland, Kasachstan und China geliefert werden. Die hohen Exporterlöse kommen als staatliche Unterstützung den privaten Haushalten zugute und stützen die Konsumnachfrage.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Referent Unternehmenskommunikation, Coface Deutschland AG

Mit einem realen Wirtschaftswachstum von 8,1% führte Usbekistan auch im ersten Halbjahr 2012 die Konjunkturdaten der GUS an. Die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten vereinigt die östlichen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Unter den zentralasiatischen Mitgliedsstaaten verzeichneten auch Turkmenistan und Tadschikistan ein ähnlich hohes Wachstum. Kirgistan musste dagegen einen Rückgang des realen BIP um 5,6% verkraften.

Dank einer expansiven Fiskalpolitik und hoher Exportpreise konnte Usbekistan sowohl die Industrieproduktion (+7,0%) und die Investitionen (+7,6%) als auch den Einzelhandelsumsatz (+12,5%) steigern. Investitionen in den Bergbau sichern weitere Zuwächse bei den Exporten in die Hauptabnehmerländer Russland, Kasachstan und China. Steigende Löhne für Staatsangestellte, Sozialausgaben und Überweisungen usbekischer Exilanten in Russland regen den Konsum der privaten Haushalte an.

Die Zentralbank des Landes dürfte die expansive Geldpolitik fortsetzen, die das Kreditwachstum auf 30% getrieben hat. Die Kredite kommen allerdings hauptsächlich den großen Staatsunternehmen zugute, die auch den Großteil der Investitionen tätigen. Zwar sind derzeit keine erhöhten Risiken für Investitionsblasen erkennbar, doch hält das hohe Kreditwachstum zusätzlich zu steigenden Energiepreisen die Inflationsrate hoch. Dies bremst die privaten Investitionen.

Das politische Umfeld Usbekistans ist durch Rivalitäten zwischen Volksgruppen sowie den zunehmenden Einfluss islamistischer Strömungen belastet. Im Inneren führt Präsident Islam Karimow das Land mit weit reichenden Machtbefugnissen. Die weit verbreitete Korruption und die geringe Verlässlichkeit der Verwaltung belasten das Geschäftsklima.

Zwar läuft die Amtszeit des Präsidenten noch bis 2014, doch wurde die bislang siebenjährige Dauer in der laufenden Wahlperiode auf fünf Jahre verringert. Sollte Präsident Karimow diese Regelung in Kraft setzen, könnte die nächste Präsidentschaftswahl noch 2012 stattfinden. Dann würde Karimow wohl wieder antreten. Für die weitere Zukunft bleibt die Nachfolge des 73-jährigen Präsidenten jedoch unklar. Dies könnte einen führungslosen Übergang zur Folge haben, der angesicht des seit 2005 bestehenden Protestpotentials zu Unruhen und einer Destabilisierung des Landes führen könnte. Coface bewertet Usbekistan und sein Geschäftsklima daher mit der höchsten Risikostufe D.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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