Nach turbulenten Jahren für Wirtschaft, Währung, Innenpolitik und Gesellschaft wäre es wünschenswert, wenn die Türkei im Zuge der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung insgesamt zur Ruhe käme, um die an sich guten Standortfaktoren wieder voll ausschöpfen zu können.

Im laufenden Jahr kämpft die Türkei gleichzeitig gegen die Ausbreitung des Coronavirus, den Konjunktureinbruch und den Verfall der Türkischen Lira (TL). Bei der letztgenannten Herausforderung geht es vor allem um die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen in ausländischer Währung.

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Obwohl die aktuelle tiefe Rezession – prognostiziert wird ein Rückgang des realen BIP um 5% – als wesentliches wirtschaftliches Problem der Türkei erscheint, ist und bleibt das mit Abstand größte Risiko der Währungsverfall. Die durch die Ausbreitung des Coronavirus ausgelöste globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat zu einer höheren Risikoaversion an den Märkten geführt und die Türkische Lira schwer getroffen. Immerhin hat sich der Wechselkurs Mitte Mai teilweise erholt, nachdem die Schwelle von 7 TL/USD Anfang Mai erstmals überschritten wurde. Aufgrund der relativ geringen Währungsreserven – die Importdeckung beträgt nur drei Monate – bleiben die Interventionsmöglichkeiten der Zentralbank beschränkt. Deshalb sind im laufenden Jahr bei erneut steigender Risiko­aversion an den Finanzmärkten bzw. schlechten Nachrichten aus der Türkei (Wirtschaftsdaten, Innenpolitik) weitere Abwertungssprünge nicht ausgeschlossen.

Sowohl die globale als auch die türkische Konjunktur sollten sich jedoch in der zweiten Jahreshälfte allmählich erholen. Für 2021 erwarten wir für die türkische Wirtschaft einen Zuwachs der realen Wirtschaftsleistung von 4%. Mittel- bis langfristig sollte sich dieser Wert dem Potentialwachstum von 3% annähern. Innenpolitische Stabilität und Rechts­sicherheit vorausgesetzt, hat die Türkei zumindest mittelfristig gute Chancen, den vorhandenen Stärken wieder mehr Gewicht zu verleihen. Neben dem großen ungesättigten Markt mit wachsender junger Konsumbevölkerung sind auch die geringen Arbeitskosten und die hervorragende geostrategische Lage der Türkei für Investoren grundsätzlich attraktiv. Auch die steten Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur bzw. ambitionierte staatliche Investitionsprogramme in diesem Bereich sind ein weiterer Pluspunkt für den Standort. Nach turbulenten Jahren für Wirtschaft, Währung, Innenpolitik und Gesellschaft wäre es wünschenswert, wenn die Türkei im Zuge der einsetzenden wirtschaftlichen Erholung insgesamt zur Ruhe käme, um die an sich guten Standortfaktoren wieder voll ausschöpfen zu können.

Um die Möglichkeiten von Exportgeschäften mit der Türkei auszuschöpfen, unterstützen u.a. auch die staatlichen und privaten Kreditversicherer der jeweiligen Exportnationen die Unternehmen und Banken, wenn es erforderlich ist, um vor möglichen rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken zu schützen. Bei der staatlichen Euler Hermes Kreditversicherungs AG gehört die Türkei hinsichtlich der Deckungsvolumina seit Jahren zu den Topländern. Insgesamt ist die Türkei ein Markt, der langfristige und nachhaltige Geschäftsmöglichkeiten bietet und für viele Unternehmen aufgrund seiner geopolitischen Lage das Tor bzw. die Brücke zu weiteren Regionen und damit Märkten darstellt.

Unter diesen gegebenen Bedingungen und mit den staatlichen Förderprogrammen (z.B. bei den erneuerbaren Energien) ergeben sich für Exporteure vielfältige Geschäftsmöglichkeiten, die es zu nutzen gilt. Es werden immer wieder exportbegleitende Finanzierungen (in Form von Trade-, Export- oder Projektfinanzierungen) angefragt. Dabei können insbesondere ECA-gedeckte und damit risikobegrenzende Varianten durch ihre langen Laufzeiten und attraktiven Zinsen punkten. Die BayernLB unterstützt die Exporteure gerne mit ihren langjährigen Erfahrungen und der erfolgreichen Umsetzung dieser Produkte im türkischen Markt, was ihnen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Wettbewerbern verschaffen kann.

manuel.schimm@bayernlb.de

harm.clasen@bayernlb.de

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