Schon seit vielen Jahrhunderten wird in vielen Ländern Südamerikas Bergbau betrieben. Die größten Lagerstätten von Kupfer, Zinn und Lithium liegen in der Andenregion. Einige Staaten planen, ihre Bergbauaktivitäten weiter auszubauen und in die ­Modernisierung der Abbaumethoden zu investieren. Die Entwicklung eröffnet für deutsche Anbieter von Bergbautechnologie ­interessante Marktchancen.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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Die Bodenschätze Südamerikas übten bereits vor Jahrhunderten eine große Anziehungskraft auf die Europäer aus. Schon die Anstrengungen Spaniens zur Kolonialisierung des Kontinents standen unter der Prämisse, die legendären Vorkommen an Gold, Silber und Edelsteinen auszubeuten. Auch heute noch spielt der Bergbau in vielen Ländern des südamerikanischen Kontinents eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. So wäre der Aufstieg des Andenstaates Chile zum wohlhabendsten Land des Kontinents ohne die immensen Reserven an Bodenschätzen undenkbar – allein bei Kupfer befinden sich rund 40% der weltweiten Reserven in Chile.

Vor allem in der Gebirgskette der Anden, die sich über Tausende Kilometer von Feuerland im tiefen Süden bis hinauf nach Ecuador zieht, wird eine Vielzahl an Rohstoffen abgebaut. Hier liegen einige der weltweit größten Lagerstätten für Gold, Silber, Kupfer und andere Metalle. Beispiel Zinn: Unter den fünf größten Förderländern des Metalls sind drei Länder Südamerikas zu finden – nämlich Peru, Bolivien und Brasilien. Dazu kommen reichhaltige Vorkommen an Edelsteinen sowie an den sogenannten seltenen Erden wie Neodym, Cer oder Lanthan, die unverzichtbare Rohstoffe für Zukunftstechnologien wie Brennstoffzellen, Windenergieanlagen oder Abgaskatalysatoren sind.

Seltene Erden in Brasilien

Bei den seltenen Erden konzentrieren sich die Hauptabbaugebiete derzeit noch auf China, was für die verarbeitende Industrie ein nicht zu unterschätzendes Problem darstellt. Um die heimische Wirtschaft zu stärken, reduzierte China für einige Zeit die Ausfuhr der begehrten Rohstoffe. In der Folge verteuerten sich für die nicht in China ansässigen Unternehmen die Beschaffungskosten, was zu Wettbewerbsnachteilen auf dem Weltmarkt führte. Erst nach einem Schiedsspruch der Welthandelsorganisation WTO gab China den Export der seltenen Erden Anfang 2015 wieder frei.

Als Reaktion auf die Restriktionen der chinesischen Staatsführung bei der Ausfuhr seltener Erden hat Brasilien bereits angekündigt, über eine Ausweitung des Abbaus dieser Rohstoffe nachzudenken. Mit einem geschätzten Vorrat von rund 22 Mio t ist Brasilien nach China das Land mit den weltweit zweitgrößten Vorkommen an seltenen Erden.

Ein Rohstoff, der schon heute auf vielfältige Weise in der Akku- und Batterietechnik Verwendung findet und mit der Weiterentwicklung der Elektromobilität schon bald noch mehr Nachfrage erfahren dürfte, ist Lithium. Bolivien und Chile verfügen zusammen über rund zwei Drittel der weltweiten Lithiumressourcen. In den Salzseen der Atacamawüste lagert der Rohstoff für Hochleistungsakkus praktisch an der Oberfläche und kann durch die Verdunstung des lithiumhaltigen Wassers gewonnen werden.

Erträge aus dem Bergbau sollen Wohlstand sichern

Da der Abbau der Rohstoffe mittlerweile zumeist durch inländische Unternehmen stattfindet oder durch ein strenges Konzessionsmanagement reguliert wird, bleibt ein großer Teil der daraus erzielten Gewinne in den Abbauländern Südamerikas. Mit hohen Investitionen in den Bergbau soll vielerorts die Branche zu einem Garanten des nachhaltigen nationalen Wohlstands ausgebaut werden. So hat beispielsweise die nationale chilenische Bergbaugesellschaft Sonami verkündet, dass bis zum Jahr 2020 rund 100 Mrd USD in den Ausbau und die Modernisierung des Bergbaus investiert werden sollen.

Vom Investitionswillen der südamerikanischen Bergbauindustrie können auch deutsche Maschinenbau- und Zulieferbetriebe profitieren, die Bergbauunternehmen mit Technologie und Ersatzteilen ausrüsten. Je nach Zielland können dabei ganz unterschiedliche Herausforderungen auf die Exporteure zukommen. Während beispielsweise Chile mit einer Vielzahl an Staaten – darunter auch mit den Ländern der EU – Freihandelsabkommen abgeschlossen hat und damit als überaus offener Handelspartner gilt, sind in anderen Staaten des Kontinents durchaus protektionistische Tendenzen und damit auch Hemmnisse beim Export erkennbar.

Je nach Zielland sind die Risiken unterschiedlich

Auch Zahlungsmoral und finanzielle Stabilität können von Land zu Land unterschiedlich ausfallen. Weil einige Staaten Südamerikas an chronischer Devisenknappheit leiden, kann sich der Warenimport für dort ansässige Unternehmen schwierig gestalten. Grund genug also für exportorientierte Unternehmen, bei ihren Südamerika-Geschäften eine differenzierte Betrachtungsweise zu pflegen.

Ein besonderer Aspekt kommt bei den Zulieferern der Bergbaubranche hinzu. ­Aufgrund der meist sehr rauen Einsatzbedingungen ist bei den eingesetzten Maschinen und Werkzeugen oft ein hoher Verschleiß zu verzeichnen, so dass in vergleichsweise kurzen Abständen Ersatzteile zu liefern sind. Dazu kommt, dass sich die Betriebe häufig in abgelegenen Regionen befinden, so dass eine Lieferung aus Deutschland innerhalb kurzer Zeit kaum realisierbar ist.

Für die Zulieferer ergibt sich bei solchen Konstellationen die Notwendigkeit, entweder mit einer eigenen Serviceniederlassung im Land präsent zu sein oder einen Generalimporteur zu suchen, der sowohl die Wartungstechniker beschäftigt als auch ein ausreichend bestücktes Ersatzteilelager bereithält.

Fällt die Wahl zugunsten des Importeurs aus, stellt sich die Frage nach den Zahlungsmodalitäten bei der Lieferung. Wird gegen Vorkasse geliefert, entfällt zwar das Zahlungsrisiko für den Lieferanten – doch dann muss sich der Importeur selbst um die Finanzierung kümmern und kann unter Umständen kein ausreichend großes Ersatzteilelager vorfinanzieren. Wer hingegen auf offenes Zahlungsziel liefert, muss sich mit den länderspezifischen Gegebenheiten befassen, die Bonität des Kunden prüfen und das Ausfallrisiko in seinen Kalkulationen mitberücksichtigen.

Lieferung und Finanzierung aus einer Hand mit Finetrading

Eine Möglichkeit, das Zahlungsrisiko auszulagern und gleichzeitig dem Kunden im Exportland Lieferung und Finanzierung aus einer Hand anzubieten, ist die Nutzung von Finetrading als Finanzierungsinstrument. Der Finetrading-Anbieter übernimmt dabei die Rolle eines Zwischenhändlers, indem er die Ware vom Exporteur erwirbt und direkt im Anschluss an den Abnehmer weiterveräußert. Die Finanzierung erfolgt über das Zahlungsziel: Der Lieferant erhält vom Finetrader sofort nach Rechnungsstellung das Geld, während sich der Abnehmer mit der Zahlung bis zu sechs Monate – bei Investitionsgütern sogar bis zu einem Jahr – Zeit lassen kann. Auf diese Weise finanzierte beispielsweise die DFT Deutsche Finetrading AG eine umfangreiche Ersatz- und Verschleißteilelieferung durch ein deutsches Maschinenbauunternehmen an ein lateinamerikanisches Serviceunternehmen für die Wartung von Bergbaumaschinen.

Mit dem Einsatz von Finetrading können exportorientierte Unternehmen nicht nur aus dem Maschinenbau, sondern auch aus anderen Branchen die vielfältigen Chancen der südamerikanischen Absatzmärkte nutzen und zusätzlich zu ihren Produkten den Abnehmern ein einfach zu handhabendes Finanzierungsmodell anbieten. Weil der Finetrader als Zwischenhändler eingeschaltet wird, übernimmt dieser nicht nur die Bonitätsprüfung und das Ausfallrisiko, sondern sichert den Exporteur auch gegen Währungsschwankungen ab. Ein weiterer Pluspunkt für Exporteure: Weil die Rechnung durch den Finetrader umgehend in Euro beglichen wird, entfällt für sie das Devisenkursrisiko.

Kontakt: info@dft-ag.de

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