Weil die Industrie unter massiver Energieknappheit ächzt, hat die südafrikanische Regierung ihr Förderprogramm für erneuerbare Energien REIPPP (Renewable Energy Independent Power Producer Procurement Program) neu aufgelegt. Anfang 2016 startet die fünfte Ausschreibungsrunde. 2.000 MW sollen neue Solaranlagen in den kommenden Jahren für den Kapazitätsaufbau bringen. Weitere 3.000 MW könnte die Windkraft beisteuern. Die nötigen Investitionen sollen vor allem aus dem Ausland kommen.

Von Katharina Schnurpfeil, Redakteurin Markt und Mittelstand, FRANKFURT BUSINESS MEDIA

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Ausländische Stromerzeuger sollen Südafrika aus der Energieknappheit befreien. Denn die derzeit nötigen Stromrationierungen behindern das Wachstum der Industrie. Über eine Neuauflage des Erneuerbare-Energien-Programms REIPPP sind private Provider dazu eingeladen, Angebote für die Finanzierung, den Bau und Betrieb sowie für den Unterhalt von Anlagen einzureichen, die regenerative Ressourcen erschließen.

Anfang 2016 wird die neue Vergaberunde offiziell starten, für die alle Interessenten Angebote abgeben können. Im Sommer gibt es schon die Möglichkeit der Nach­bewerbung für diejenigen Bieter, die in den vergangenen Vergaberunden leer ausgegangen waren. Um 6.300 MW aus erneuerbaren Energieträgern möchte Energieministerin Tina Joemat-Pettersson in dieser Runde die Kapazität erhöhen.

Verbände halten Ziel für machbar

Die Ziele sind optimistisch, aber machbar, sind sich Energieexperten sicher. Denn das Potential für erneuerbare Energien in Südafrika ist hoch. 2.000 MW der geplanten Kapazität könne in den kommenden fünf Jahren die Sonnenenergie beisteuern, meint der Photovoltaikbranchenverband SAPVIA. Der Windkraftverband SAWEA rechnet mit Installationen für eine zusätzliche Kapazität von 2.500 bis 3.000 MW.

Vier Programme hat die Regierung in der Vergangenheit bereits mit sogenannten Unabhängigen Stromerzeugern (IPP) angestoßen. In den dazugehörigen Bieterrunden haben die Behörden 79 Einzelprojekten ein Investitionsvolumen von 168 Mrd ZAR zugeteilt, umgerechnet 12,1 Mrd EUR. Da diese Projekte vielversprechend angelaufen sind und die Anlagen bereits erste Ergebnisse liefern, dienen sie als Grundlage für weitere Initiativen.

Umweltfreundliches Wachstum

Auch über die jetzt zugesagten 6.300 MW hinaus dürfte das REIPPP fortgesetzt werden. Nach dem aktuellen Energieplan Südafrikas sollen bis 2030 insgesamt 17.800 MW an regenerativen Erzeugungskapazitäten entstehen. Darüber will die Regierung auch generell Industriesparten anstoßen, die mit erneuerbaren Ressourcen arbeiten. Sie seien wichtig dafür, das wirtschaftliche Wachstum des Landes umweltfreundlich zu gestalten, heißt es in der Programmbeschreibung.

Derzeit schädigen Stromrationierungen das Wirtschaftswachstum Südafrikas massiv. Weil in einigen Gebieten der Strom geplant abgestellt wird, sind Unter­nehmen mitten am Tag oft bis zu vier Stunden ohne Strom, berichtet die ­Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (gtai). Das führt zu schweren Betriebsausfällen, neue Projekte ­nehmen Unternehmen gar nicht erst in Angriff. Allein im April kam es an zwölf Tagen zu Rationierungsmaßnahmen, im Mai waren es mehr als 20 Tage. Diese ­Engpässe könne man mit den neuen ­Programmen abbauen, dessen ist sich die Regierung sicher.

Dieser Beitrag unserer Kollegin von „Markt und Mittelstand“ erschien am 23. Juni 2015 auf www.marktundmittelstand.de.

Kontakt: katharina.schnurpfeil@marktundmittelstand.de

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