Am 10. und 11. März dieses Jahres fand in Moskau die „4. Annual Structured Trade and Export Finance in Russia and the CIS ­Conference“ statt. Vertreter von Export- und Importunternehmen, von russischen und internationalen Banken sowie staatlichen Export­kreditversicherern (ECA) diskutierten den Stand und die Perspektiven ECA-gedeckter Finanzierungen speziell mit Blick auf Russland, aber auch auf die anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion.

Von Olaf Handrick, Associate Director, SF Export Finance, NORD/LB

Im Zuge des neuen Exportaufschwungs in der deutschen Wirtschaft verzeichnet die Euler Hermes Kreditversicherungs-AG als Mandatar des Bundes ein deutliches Wachstum an Indeckungnahmen. Daher war es nicht verwunderlich, dass auf der Konferenz die deutsche Kreditwirtschaft durch Privat- und Landesbanken breit vertreten war. Auch Mitarbeiter der Exportfinanzierung der NORD/LB Norddeutsche Landesbank mit Sitz in Hannover beteiligten sich an der Konferenz, um in Gesprächen mit lokalen Banken und Importeuren die Trends und aktuellen Konditionen zu erörtern.

Um das Ergebnis der Konferenz vorwegzunehmen: Die ECA-gedeckte Bestellerkredit- und Bank-zu-Bank-Finanzierung bleibt auch in Zukunft eine wettbewerbsfähige und flexible Finanzierungsalternative für die deutsche Exportwirtschaft.

Noch im Eingangspanel, an welchem sich russische Kreditnehmer wie die „Bluechip“-Unternehmen Sibur, Mechel, Hidrostroy und Russische Post beteiligten, wurde ein kontroverses Bild zur – aus ­russischer Sicht – ECA-gedeckten „Import­finanzierung“ gezeichnet. Dabei wurde die Wettbewerbsfähigkeit dieses Finanzierungsproduktes gerade im Hinblick auf andere Finanzierungsalternativen für große russische Unternehmen, wie z.B.
die Ausgabe von Eurobonds, syndizierte Kredite und kommerzielle Kredite im kurz- und mittelfristigen Bereich, in Frage gestellt.

Im Gegensatz hierzu konnte der Vertreter von PricewaterhouseCoopers Russia B.V. die wachsende Rolle ECA-gedeckter Finanzierungen für den Markt der GUS mit eindrucksvollen Zahlen belegen. Während der Gesamtexport Deutschlands von 803,3 Mrd Euro im Jahr 2009 um 19,4% auf 959,5 Mrd Euro 2010 wuchs, steigerte sich im gleichen Zeitraum der deutsche Export nach Russland und in die GUS überproportional von 28,8 Mrd Euro um 26,4% auf 36,4 Mrd Euro. Die Export­kreditgarantien der Bundesrepublik Deutschland, häufig auch Hermesdeckung genannt, erreichten 2010 mit insgesamt 32,5 Mrd Euro ein noch nie dagewesenes Rekordergebnis.

Dabei stiegen die Indeckungnahmen für Russland und die GUS von ca. 3,1 Mrd Euro im Jahr 2009 auf 4,5 Mrd Euro im Jahr 2010, d.h., ca. 12,4% aller Exporte nach Russland und in die GUS waren im Jahr 2010 mit Exportkreditgarantien des Bundes abgesichert (10,9% in 2009). Die in den vergangenen Jahren gewachsene Flexibilität ECA-gedeckter Finanzierungen wird unter anderem daran deutlich, dass z.B. Euler Hermes bei Exportgeschäften mit einem Zahlungsziel von mehr als zwölf Monaten und Auftragswerten bis zu 5 Mrd Euro seit März dieses Jahres auch Unternehmensbilanzen russischer Importeure, die auf der Basis russischer Bilanzierungsvorschriften erstellt wurden, anerkennt.

Widerspruch zu den Aussagen des Eingangspanels kam aber auch von den Vertretern ausländischer Banken und von den Vertretern der russischen Kreditwirtschaft. Vertreter großer namhafter russischer Banken, wie der Vneshekonombank, der Sberbank und der Gazprombank, betonten die weiterhin herausragende Rolle ECA-gedeckter Finanzierungen für die russische Wirtschaft, vor allen Dingen für die Vielzahl von kleineren und mittleren Unternehmen, die keine Finanzierungsalternativen haben.

Aber auch für die großen Unternehmen spielt dieses Finanzierungsprodukt im langfristigen Bereich mit Laufzeiten von über fünf Jahren noch eine wesentliche Rolle. Auch im mittelfristigen Bereich bleibt die ECA-gedeckte Finanzierung wettbewerbsfähig, zumal die Risikoprämien der ECAs durch die Heraufstufung Russlands Anfang Februar dieses Jahres in die Länderkategorie 3 deutlich gesunken sind.

Nur ein geringer Anteil von Hermes-gedeckten langfristigen Finanzierungen wird mittlerweile durch russische Privatbanken gestaltet. Die Dominanz staatlicher russischer Banken bei der Exportfinanzierung hat im Zuge der Finanzkrise weiter zugenommen und wurde auch auf der Konferenz an der Teilnehmerzahl von Vertretern privater russischer Banken sichtbar. Es bleibt zu bedauern, dass dies auch in naher Zukunft voraussichtlich der Fall sein wird.

Da eine Vielzahl kleiner und mittelständischer Importeure jedoch nicht unbedingt im Fokus der russischen Großbanken steht, sind gerade diese Unternehmen bei ihren Importen auf die Unterstützung des privaten russischen Bankensektors angewiesen. Im Rahmen von Finanzierungsprogrammen bemühen sich EBRD und IFC, diesen Teil der Kreditwirtschaft im kurzfristigen Finanzierungsbereich zu stärken.

Während der Veranstaltung wurde auch die Rolle asiatischer Exportkreditversicherer bei der Begleitung ihrer Exporteure auf dem Markt der GUS beleuchtet. Es wurde konstatiert, dass nicht alle asiatischen ECAs dem OECD-Konsensus unterliegen und dass durch ihre auf die eigene Exportwirtschaft ausgerichtete Finanzierungspolitik teilweise eine Wettbewerbsverzerrung entsteht.

Im Rahmen einer Präsentation wurden durch den Vertreter der Vneshekonombank die Pläne Russlands zur Schaffung einer eigenen Exportkreditversicherung mit dem Ziel der Stärkung der eigenen Exportwirtschaft erläutert. Auf der Grundlage eines Beschlusses der Regierung der Russischen Föderation soll bereits im Mai dieses Jahres der Grundstein zur Schaffung einer eigenen Exportkreditversicherungsagentur gelegt werden. Die Kapitalisierung dieser Agentur soll 1 Mrd US$ betragen.

Natürlich hat Russland als Exportfinanzierungsmarkt eine überragende Bedeutung. Für viele deutsche Exportunternehmen sind aber auch die anderen Länder der GUS von großem Interesse. Deswegen wurden in einem gesonderten Panel die Chancen ECA-gedeckter Finanzierungen insbesondere in Kasachstan, Weißrussland, Aserbaidschan und der Ukraine beleuchtet.

Mit Ausnahme Aserbaidschans, wo es trotz der Finanzkrise durch die Entwicklung der Preise an den Rohölmärkten ein rasantes Wachstum des Bruttoinlandsproduktes gegeben hat, haben die Länder leider noch erheblichen Nachholbedarf in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, der Entwicklung zuverlässiger Bankstrukturen und dem Abbau von Finanzierungshindernissen.

Die ECA-gedeckte Finanzierung bietet nach wie vor eine Möglichkeit, Risiken aus Exportgeschäften mit diesen Ländern abzudecken. Allerdings ist bei der direkten Finanzierung von Importunternehmen dieser Länder in der Regel die Bereitstellung testierter, nach internationalem Rechnungslegungsstandard erstellter Jahresabschlüsse Voraussetzung.

Im Gegensatz zur letztjährigen Konferenz, die noch ganz im Zeichen der Finanzkrise stand, konstatierte die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer im Hinblick auf die Perspektiven der ECA-gedeckten Exportfinanzierung: Das Glas ist weit mehr als halb voll!

Auch die NORD/LB wird für ihre vorwiegend mittelständischen Kunden das ECA-gedeckte Finanzierungsgeschäft auf die traditionellen osteuropäischen Märkte, insbesondere die Länder der GUS, ausweiten. Hierzu wird punktuell auch die Kooperation mit lokalen Banken weiter intensiviert. Rahmenkreditverträge insbesondere mit russischen Banken erleichtern dabei die Geschäftsabwicklung. Damit leistet die NORD/LB ihren Beitrag zur Unterstützung deutscher Exporteure mit der erforderlichen Finanzierung.

Kontakt: olaf.handrick[at]nordlb.de

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