Im Zuge der zunehmenden geopolitischen Herausforderungen kommt es zu einem Paradigmenwechsel in der Beurteilung der Handelspartner. Mittelständler stufen bisher stabile Volkswirtschaften als künftig weniger verlässlich ein. Aufstrebende Wirtschaftsmächte erhalten dafür mehr Vertrauen.

Die Studienreihe „Unternehmerperspektiven“ hat Unternehmen bereits zum dritten Mal zu Erfolgsstrategien, aber auch zu den Herausforderungen in der Internationalisierung befragt. Handelskriege, Klimawandel und neuer Protektionismus: Die Risiken sind mannigfaltig. Doch wie kann man ihnen aktiv begegnen? Die Ergebnisse der Studie geben Antworten.

Beitrag in der Gesamtausgabe (PDF)

Was bewegt mittelständische Unternehmer in Deutschland? Welche Trends beschäftigen sie? Welchen Herausforderungen müssen sie sich heute und in naher Zukunft stellen? Wer aktuelle Themen und langfristige Trends identifizieren will, der muss den direkten Dialog mit dem Mittelstand suchen – denn niemand weiß besser, was Unternehmer bewegt, als die Unternehmer selbst.

Seit 2006 untersucht die „Initiative Unternehmerperspektiven“ aktuelle Wirtschaftsthemen, die gemeinsam mit Wirtschaft, Verbänden, Wissenschaft und Politik auf Veranstaltungen diskutiert werden. Grundlage dafür sind Umfragen unter mittelständischen Unternehmern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In der aktuellen Studie steht dabei erneut die Internationalisierung des Mittelstands im Fokus. 2007 zeigten sich die deutschen Unternehmen euphorisch. Viele wollten internationalisieren, wussten aber nicht so richtig, wie das erfolgreich geht. Themen waren kulturelle Unterschiede sowie die Sorge vor Plagiaten und Finanzierungsfragen. 2013 waren die organisatorischen Herausforderungen deutlich kleiner geworden. Aber viele Unternehmen standen noch unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie waren nicht sicher, ob ihr Geschäftsmodell im Ausland trägt.

Geopolitik im Fokus

Auch 2019 hat sich gezeigt, dass manche Firmen trotz Potentials nicht den Schritt ins Ausland wagen. Lassen sich Unternehmer und Manager von den derzeitigen geopolitischen Turbulenzen beeindrucken – oder zumindest von der Berichterstattung darüber? Einige spüren ganz konkret die Auswirkungen der großen wirtschaftlichen Herausforderungen wie Dieselkrise, Klimawandel, Handelsbarrieren auf das eigene Geschäft. Zudem sind der internationale Wettbewerb härter, die Innovationszyklen schneller geworden. Ehemalige Schwellenländer wie etwa China haben technologisch deutlich aufgeholt und spielen eine immer größere Rolle im globalen Konkurrenzkampf.

Die Welt ist also in Bewegung – wirtschaftlich wie politisch. Kaum ein Tag, an dem nicht Länder und Märkte für Schlagzeilen sorgen. Doch wie reagiert der Mittelstand nun konkret darauf?

Licht und Schatten

Die gute Nachricht vorweg: Die Studie hat gezeigt, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen Geschäfte im Ausland macht. „Made in Germany“ zieht nach wie vor – 81% der Befragten bestätigen die hohe Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte, 69% erkennen die weiterhin große Nachfrage aus dem Ausland. Ähnlich verhält es sich in Österreich. In der Schweiz hingegen ist vor allem die Digitalisierung der Prozesse im Auslandsgeschäft ein wesentlicher Treiber der Internationalisierung.

Bereits bei den Befragungen von 2007 und 2013 lag der Anteil exportierender deutscher Unternehmen bei weit über 50%. Die Internationalisierung gehört demnach zur DNA vieler Unternehmen. Die neue Studie zeigt aber auch: 2019 stand im Zeichen der Wirtschaftspolitik. Handelskonflikte, politische Alleingänge sowie Krisenszenarien sorgten für Unsicherheiten im Auslandsgeschäft. Knapp zwei Drittel der Befragten rechnen damit, dass es in den nächsten ein bis zwei ­Jahren schwieriger wird, das Auslandsgeschäft zu planen. Fast die Hälfte der in Deutschland Befragten erwartet negative Konsequenzen durch zunehmende globale Handelskonflikte. Generell befürchten 61% der Befragten, dass es  zu konjunkturellen Eintrübungen kommen wird. Diese Befürchtungen teilen die Unternehmer in der Schweiz und in Österreich, blicken im direkten Vergleich aber optimistischer in die Zukunft – etwa bei der Beurteilung der Dieselkrise oder auch in Bezug auf die Auswirkungen durch den mittlerweile vollzogenen Brexit.

Agilität ist gefragt

Was alle Befragten der drei Länder eint: Im Zuge der zunehmenden geopolitischen Herausforderungen kommt es zu einem Paradigmenwechsel in der Beurteilung der Handelspartner. Mittelständler stufen bisher stabile Volkswirtschaften als künftig weniger verlässlich ein. Aufstrebende Wirtschaftsmächte erhalten dafür mehr Vertrauen.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt, den die neue Studie herausgefunden hat und der für alle Länder gilt: Jedes Unternehmen und jede Branche steht vor anderen Herausforderungen. Denn wie sehr sie die politischen Ereignisse treffen, hängt stark davon ab, wie die Unternehmen aufgestellt, wie groß und in welcher Branche sie tätig sind und wie ihr Geschäftsmodell aussieht. Für die Firmen bedeutet dies vor allem: Agilität wird heute wie auch in Zukunft der Schlüssel zum Erfolg sein. Es geht also darum, in seiner internationalen Planung flexibler und offener für Neues zu werden. In Deutschland setzen Unternehmen deshalb verstärkt auf Innovation und internationale Diversifizierung.

Banken und Politik in der Pflicht

Viele Herausforderungen sind zu stemmen, aber nicht immer alleine, sondern auch mit Hilfe externer Unterstützer. Hier kommen die Banken sowie die Politik ins Spiel. Mehr als die Hälfte der deutschen Befragten wünscht sich deshalb von ihrer Bank Unterstützung bei der Umsetzung von regulatorischen Vorschriften. Auch Expertise bei der Beurteilung von Risiken der Internationalisierung ist gefragt.

Ebenso muss sich die Politik stärker für die europäischen Interessen im internationalen Kontext einsetzen. Speziell im Wirtschaftsstreit mit den USA und bei den Folgen des Brexits wird mehr politische Aktivität erwartet. Große Unternehmen sehen die Politik bei wirtschaftspolitischen Fragen noch stärker in der Pflicht – eine sehr große Mehrheit sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz fordern vor allem gute Wirtschaftsbeziehungen zu China.

Fazit

Natürlich liefert die Studie letzten Endes keine Patentlösung für eine erfolgreiche Internationalisierung der Unternehmen – allerdings einige vielversprechende Ansatzpunkte:

  1. Währungs- und Ausfallrisiken absichern. Viele Unternehmen, die exportieren, sichern sich nicht gegen Ausfall- und Zahlungsrisiken sowie gegen Währungs- und Rohstoffrisiken ab. Bankpartner können den Unternehmen hier helfen. Risikominimierung ist gerade für kleinere und mittlere Unternehmen wichtig, um erfolgreich in die Internationalisierung zu starten.
  2. Austausch mit erfolgreichen Exporteuren. Erfolgreiche Exporteure wissen genau, was es bei Auslandsaktivitäten zu beachten gilt. Dieses Wissen sollten potentielle Exporteure nutzen und den Austausch mit ihnen suchen. Netzwerkveranstaltungen oder Branchentreffen helfen dabei.
  3. Unterstützung von Außenhandelskammern in Anspruch nehmen. Unternehmen mit Exportpotential zögern meist beim Gang ins Ausland, weil sie die damit einhergehenden operativen Hürden überschätzen. Hier hilft der Austausch mit Außenhandelskammern. Sie stehen mit Rat und Tat zur Seite und können den Unternehmen auf praktischer Ebene Bedenken nehmen.

Die Studie zum Download finden Sie HIER und für die Schweiz HIER.

alexandra.ferenz@commerzbank.com

www.firmenkunden.commerzbank.de

Aktuelle Beiträge