Für die jüngste Zahlungsstudie im Raum Asien-Pazifik hat Coface 2.795 Unternehmen in acht Märkten befragt: Australien, China, Hongkong, Indien, Japan, Singapur, Taiwan und Thailand. 64% der befragten Unternehmen haben 2016 Zahlungsverzögerungen erlebt. 12,5% (+4,3 Punkte im Vergleich zu 2015) berichteten von Überziehungen von mehr als 120 Tagen. Das ist der höchste Wert seit vier Jahren.

Von Erich Hieronimus, Pressesprecher NER, Coface

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„2017 ist ein weiteres herausforderndes Jahr, gespickt mit zunehmenden globalen Unwägbarkeiten, auch in Verbindung mit dem gebremsten Wachstum in China. Dies wird verstärkt durch die Finanzpolitik der rohstoffexportierenden Länder und der USA. In Anbetracht dieser Rahmenbedingungen bleibt das Zahlungsverhalten in den acht untersuchten asiatischen Ländern voraussichtlich schwach“, erwartet Carlos Casanova, Economist für Asien-Pazifik bei Coface.

China, Indien und Thailand: Zahlungsverhalten der Unternehmen verschlechtert

64% der befragten Unternehmen haben 2016 Zahlungsverzögerungen erlebt. Dabei steigt das Risiko entgegen der allgemeinen Entwicklung in der Region weiter an. Das zeigt sich in der durchschnittlichen Länge der Verzögerungen. So hat sich der Anteil der Unternehmen signifikant erhöht, die länger als 120 Tage nach dem Zahlungsziel noch auf ihr Geld warteten: von 8,2% 2015 auf jetzt 12,5%.

2016 erlitten mehr Unternehmen Zahlungsverzögerungen in einer Höhe, die mehr als 2% des Jahresumsatzes ausmachte: 25,8% nach 24,2% im Vorjahr. Nach Erfahrungen von Coface werden rund 80% der sehr lange überzogenen Rechnungen nicht mehr bezahlt. Betragen die Außenstände mehr als 2% des Jahresumsatzes, kann das Unternehmen Cashflowprobleme bekommen. Fallen die Forderungen aus, ist die Liquidität gefährdet. Genauer betrachtet, ist die Entwicklung noch schlechter, denn der Anteil der Firmen, bei denen sich die sehr langen Verzögerungen auf 10% des Jahresumsatzes und mehr beliefen, stieg von 3,4% 2014 über 5,1% 2015 auf 5,4% 2016. Dies bedeutet einen deutlich geringeren Cashflow bei den Unternehmen.

Die Untersuchung zeigt einige Unterschiede nach Ländern. Am auffälligsten ist der Anstieg des Nichtzahlungsrisikos in China, gefolgt von dem in Thailand und Indien. In Australien (14%) und Japan (9%) berichteten mehr Unternehmen von extrem langen Überschreitungen der Zahlungsziele und Summen, die größer als 2% des Jahresumsatzes sind. Verbessert haben sich die Zahlungserfahrungen der Unternehmen in Singapur und Hongkong, Taiwan blieb stabil.

Überziehungen nehmen in der Hälfte der untersuchten ­Branchen zu

Die Baubranche blieb 2016 der riskanteste Sektor in der Asien-Pazifik-Region. 33% der Unternehmen verbuchten Zahlungsstörungen mit mehr als 2% vom Jahresumsatz. Das ist der höchste Wert unter allen untersuchten Branchen. Negative Einflüsse wie die gebremst laufende Wirtschaft in China sowie die Auswirkungen der US-Fiskalpolitik sorgen nicht für eine Verbesserung der Aussichten. Dies wirkt dämpfend auf die öffentlichen Investitionen und die private Nachfrage nach Häusern. Zudem bleibt die private Verschuldung in einigen Ländern (Australien, Thailand, Singapur, Malaysia und Südkorea) hoch, was die Möglichkeiten zum Hauskauf mindert. So wirken in einigen Regionen die staatlichen Investitionen einem noch stärkeren Rückgang der Baukonjunktur entgegen.

Auf der Risikoskala steht knapp nach der Baubranche der Sektor Industriemaschinen und Elektronik. 32% der Unternehmen hatten hier extrem lange Verzögerungen, die zusammengenommen die 2%-Umsatzmarke überschritten. 2017 drohen angesichts der schwächeren Nachfrage in und aus China sowie nachlassender Kapitalinvestitionen schwierige Phasen mit Extremrisiken. Anzeichen einer Marktsättigung in China und die zunehmende Fragmentierung des Marktes verschärfen den Wettbewerb. Druck auf die Gewinne dürfte auch von Deflationstendenzen in den wichtigsten Märkten der Region Asien-Pazifik kommen.

Das Nichtzahlungsrisiko beginnt sich auch in der IT-Telekommunikationsbranche zu erhöhen. Mehr Unternehmen (68% nach 63% 2015) berichteten von gestiegenen Zahlungsstörungen. Zwar versprechen Investitionen in die Infrastruktur in einigen Ländern und strategische Großprojekte mehr Aufträge in den kommenden Jahren. Der harte Wettbewerb in der IT-Branche zusammen mit schlechteren Liquiditätskonditionen dürfte indes den Boden für mehr Mergers-&-Acquisitions-Aktivitäten bereiten.

Metall bleibt eine der riskantesten Branchen, wenngleich 2016 zuletzt die Rohstoffpreise für eine Erholung sorgten. 2017 dürfte schwierig bleiben. So macht sich die gebremste Wirtschaftsaktivität in China bemerkbar. Die Regierung versucht zudem, Immobilienspekulationen zu bremsen und die Nachfrage abzukühlen. In der Folge können sinkende Metallpreise die Gewinne beeinträchtigen. Der Restrukturierungsprozess in der Branche wird nach dem Merger von Baosteel und Wuhan Iron and Steel im vergangenen Jahr wohl anhalten. 2017 wird sicher auch die Schließung von Zombiefirmen in der Stahlbranche bringen.

erich.hieronimus@coface.com

 

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