Einen Blick auf die erfolgreichen Auslandsaktivitäten des hessischen Mittelstands konnten die Teilnehmer des Hessischen Außenwirtschaftstages am 2. Juli in der IHK Frankfurt am Main werfen. Bereits am Vorabend waren drei Unternehmen mit dem Hessischen Exportpreis ausgezeichnet worden. Die Diskussionen waren jedoch nicht frei von Sorgen um den Standort Deutschland und sein ­bislang noch gutes Renommee in der Welt.

Von Gunther Schilling, Ressortleiter Außenwirtschaft, F.A.Z.-Institut

Wenn international Warenbestellungen und Aufträge zu vergeben sind, ist „made in Germany“ ein gutes Verkaufsargument. Deutsche Unternehmen erschließen erfolgreich ausländische Märkte und suchen aktiv nach Neugeschäft fernab der Heimat. Ausländische Konkurrenten bewundern nicht nur die Qualität der deutschen Produkte, sondern auch die Effizienz der deutschen Außenwirtschaftsförderung bis hinein in die kommunalen Industrie- und Handelskammern. So organisiert die Arbeitsgemeinschaft der hessischen IHKs alle zwei Jahre den Hessischen Außenwirtschaftstag, zu dem regelmäßig einige Hundert Unternehmer in die IHK Frankfurt am Main kommen. Das Bundesland in der Mitte Deutschlands konnte in den ersten vier Monaten mit einem Exportzuwachs von 3,8% seinen Auslandsumsatz stärker steigern als der deutsche Durchschnitt. Vor allem nach Großbritannien (+18%), in die Türkei (+15%) und in die USA (+10%) wurden deutlich höhere Warenwerte als im Vorjahr geliefert.

Wasser in den Wein des deutschen Exporterfolgs goss der Hauptredner des Vormittags: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, konstatierte einen Investitionsstau in Deutschland, der auf die Konsolidierungsmaßnahmen im öffentlichen Bereich und auf eine zu starke Ausrichtung privater Investitionen auf ausländische Märkte zurückzuführen sei. Die im Ausland angelegten Exportüberschüsse der deutschen Wirtschaft seien zum Teil der Finanzkrise und falschen Investitionsentscheidungen zum Opfer gefallen.

Was als Plädoyer für eine expansive Neuverschuldung und eine Konzentration auf den Standort Deutschland missverstanden werden könnte, stellte Olaf Hoffmann, CEO der Dorsch-Gruppe, in der anschließenden Diskussionsrunde am Beispiel der Bauwirtschaft in den Kontext der Veranstaltung. Die deutschen Baukonzerne würden international nicht mehr in der ersten Liga spielen, da die Auftragsbasis in Deutschland fehle. Mit der Auftragsvergabe an türkische und südkoreanische Unternehmen ändere sich die gesamte Wertschöpfungskette auf Kosten deutscher Hersteller von Baustoffen, Baumaschinen und anderer Zulieferungen. An die Stelle deutscher Normen (DIN) träten Normen anderer Länder, die wiederum andere Anbieter begünstigten.

Der Fokus der Diskussionsrunde über neue und alte Wachstumsmärkte richtete sich wieder auf die erfolgversprechenden Auslandsaktivitäten, die die Gesprächsteilnehmer vor allem in den Schwellenländern sehen. Gerade die in die politischen Schlagzeilen geratenen Länder Ägypten, Brasilien und Türkei sind wegen ihrer wachsenden Mittelschicht vielversprechende Absatzmärkte. Dabei ist insbesondere die Wahl der lokalen Mitarbeiter und Partner eine sensible und erfolgskritische Aufgabe, die Zeit und Managementkapazitäten erfordert.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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