Obwohl gute Geschäftschancen locken, halten sich deutsche Unternehmen mit einem Engagement in Afrika zurück. Der Grund: Sie scheuen sich vor den hohen politischen und wirtschaftlichen Risiken sowie der mangelnden Sicherheit vor Ort. Wie Unternehmen sich vor Risiken schützen und erfolgreich Geschäfte in Afrika machen können, war das Thema von „Risk in Africa – Managing Political, Business and Security Risk“, einer Tagung des Afrika-Vereins in den Räumen der BHF-BANK in Frankfurt am 1. Februar 2012.

Von Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut

Der afrikanische Kontinent befinde sich in einem profunden Wandel. Viele Länder verzeichneten hohe Wachstumsraten und versprächen exzellente Geschäftschancen mit hohen Renditen, die es stärker zu nutzen gelte, auch wenn die Risiken höher als in anderen Ländern seien, sagte die Gastgeberin der Tagung, Beate Bischoff, Geschäftsbereichsleiterin Financial Markets and Corporates, BHF-BANK, in ihrer Eröffnungsansprache. Auch aus Bankensicht sei das Geschäft in Afrika stärker mit einem persönlichen Engagement verbunden als in anderen Ländern der Welt.

Doch Ziel der Tagung sei es nicht, allein die Risiken in Afrika aufzuzeichnen, sondern vielmehr den Unternehmen Instrumente an die Hand zu geben, um die Risiken besser zu erkennen, zu beherrschen und zu minimieren, ergänzte Pieter Bouwer, Projektmanager des Afrika-Vereins und Initiator der Tagung.

Der Tenor, dass sich deutsche Unternehmen stärker in Afrika engagieren sollten, zog sich durch die gesamte Veranstaltung. Manuela Marques, Bereichsleiterin Deutsche Unternehmen der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), stellte fest, dass die deutsche Wirtschaft zwar führend sei hinsichtlich Exporte und Investitionen in den BRIC-Ländern, in Afrika ihr aber die BRIC-Länder, insbesondere China und Brasilien, den Rang abliefen. Auch Paul Runge, Managing Director der südafrikanischen Unternehmensberatung Africa Project Access, forderte die deutschen Unternehmen auf, die zahlreichen Instrumente der Absicherung und des Risikomanagements, die der Staat und die Privatwirtschaft zur Verfügung stellten, in Anspruch zu nehmen und den Schritt nach Afrika zu wagen. China und Frankreich nutzten längst ihre Förderinstrumente intensiv und hätten die Nase weit vorne.

Afrika werde voraussichtlich auch 2012 – ähnlich wie im Vorjahr – um 6% wachsen. Denn sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit befänden sind auf dem Kontinent. Etwa ein Viertel dieses Wachstums sei rohstoffgetrieben; Handel und Telekommunikation seien andere bedeutende Wachstumsbranchen, erläuterte Ragnar Gerig, Leiter der Afrika-Abteilung der DEG, in seiner Keynote. Während das chinesische Engagement teilweise umstritten sei, würden kleine, asiatisch geführte Unternehmen die Entwicklung positiv vorantreiben. Die Mittelschicht wachse beständig, Jährlich kämen fünf Millionen neue Haushalte hinzu. In einzelnen Ländern führten wirtschaftliche Stabilität und mikroökonomische Reformen zu deutlich besseren Rahmenbedingungen. Ein positives Beispiel sei Ruanda, das inzwischen im Länderranking der Weltbank hinsichtlich des Geschäftsumfelds auf Rang 45 liege. Weitere Zukunftsmärkte seien u.a. Mosambik, Sambia, Uganda, Tansania, Guinea, Ghana, Luanda und Liberia.

Angesichts der zahlreichen Risiken, die in afrikanischen Ländern auftreten können – von Bürgerkriegen, Kriminalität und Mangel an Sicherheit über unzulängliche gesetzliche Rahmenbedingungen und Korruption bis hin zu einer schlecht ausgebauten Infrastruktur, Energieknappheit und unterentwickelten Banken –, seien Unternehmen vor der Markterschließung gut beraten, sich genau über die jeweiligen Risiken im Zielland zu informieren. Dabei könnten sie sowohl für die Risikoanalyse als auch für die Risikoabsicherung auf die Dienstleistungen staatlicher sowie privater Anbieter zurückgreifen.

Dr. Andreas Mehler, Leiter der Afrika-Abteilung des German Institute for Global and Area Studies (GIGA), erläuterte die Vorgehensweise seines Instituts bei der Ermittlung von Risikoindikatoren in Afrika in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Doch über die Risikobewertung eines Landes hinaus seien auch spezifische lokale Aspekte zu beachten, die in der Gesamteinschätzung eines Landes nicht immer zum Ausdruck kämen. So gäbe es z.B. in Kenia und in Nigeria einige Gebiete, in die man sich auf keinen Fall begeben sollte, da sie sich der Kontrolle des Staates entzögen. Matthew Shires, Leiter des Political Risk Department des Versicherungsunternehmens AON, identifizierte auf seiner Risikokarte den Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Somalia und Simbabwe als besonders risikoreiche Länder.

Kurzfristige Forderungsabsicherungen (L/Cs) sowie langfristige Hermes-gedeckte Finanzierungen würden in vielen Ländern Afrikas von der BHF-BANK angeboten, wobei die Handhabung sicherlich einfacher in den politisch stabilen Ländern als in den Krisenländern sei, gab Sylvia Sedlacek, Vice President Strukturierte Außenhandelsfinanzierung, BHF-BANK, zu bedenken.

Das Volumen staatlicher Deckungen sei in den vergangenen Jahren in Einklang mit den wachsenden Exporten gestiegen, bestätigte Sissi Gerstenkorn, Leiterin Afrika, Euler Hermes Kreditversicherungs-AG. Schwerpunktmärkte für Hermesabsicherungen seien Südafrika mit einem Absicherungsvolumen von 408 Mio EUR im Jahr 2010, Gabun (111 Mio EUR), Kenia (93 Mio EUR), Nigeria (57 Mio EUR) und Ghana (54 Mio EUR). Sie wünsche sich mehr Deckungen in Zusammenarbeit mit den panafrikanischen Finanzinstituten Afreximbank und African Trade Insurance. In vielen Ländern Zentralafrikas stelle der staatliche Exportkreditversicherer wegen des hohen Risikos und der fehlenden Zahlungserfahrungen keine Deckungen zur Verfügung. In diese Lücke würde allerdings die zur Weltbankgruppe gehörende Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA) einspringen, die in fast allen 54 afrikanischen Staaten vor Ort vertreten sei, erläuterte Olivier J.L. Lambert, Regional Manager für Europa bei der MIGA. Sie habe Absicherungsinstrumente entwickelt, um die deutsche Wirtschaft zu unterstützen. Sie sichere seit neuestem auch bereits existierende Investitionen ab und decke Risiken in Nordafrika ab.

Ein weiterer wichtiger Baustein zur Risikominimierung in Afrika sei die Auswahl des richtigen Geschäftspartners, so Sylvia Sedlacek. Bei der Suche eines zuverlässigen Geschäftspartners könne man sich meistens auf das hilfreiche Netzwerk der deutschen Gemeinschaft vor Ort stützen. Unterstützung bei der Geschäftspartnersuche gäben darüber hinaus auch private Beratungsunternehmen, wie z.B. Frontier Advisory Ltd. in Südafrika. Für den Geschäftserfolg sei zudem sehr wichtig, dass man die Geschäftskultur seines Partners kenne und die Landessprache spreche. So seien z.B. in Angola für die Markt­erschließung und den Abschluss von Geschäften gute Portugiesischkenntnisse eine wichtige Voraussetzung.

Wie Unternehmen für die Sicherheit ihrer Mitarbeiter in gefährlichen Ländern sorgen können, zeigte Peter Neuhoff, Chief Security Officer des internationalen Technologiekonzerns GEA.

GEA habe ein eigenes Überwachungssystem der Länderrisiken (Risk Map) entwic­kelt und verfüge über ein Travel-Tracking-System. Mitarbeitern, die in gefährlichen Ländern reisten, stehe zudem eine Reise-Hotline mit einem Beratungsteam für Sicherheitsfragen zur Verfügung.

Nils Retkowski, Head of Marine Service der Result Group GmbH, eines führenden Beratungsunternehmens für Risiko- und Krisenmanagement, würdigte, dass die Veranstaltung zu einer notwendigen Sensibilisierung für Sicherheitsfragen beitrüge. Wenn Mitarbeiter, die in Risikoländer reisten, mit Hilfe von Verhaltenstraining richtig vorbereitet würden, könnten viele Gefahren abgewehrt werden.

Kontakt: s.roehrig[at]faz-institut.de

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