Am 2. Mai 2011 startet die CeMAT, eine international führende Messe für die Intralogistik, auf dem Messegelände in Hannover. Die Intralogistikbranche beschäftigt sich in erster Linie mit der Optimierung des innerbetrieblichen Materialflusses. Über die ­Bedeutung dieser Zukunftsbranche für die Effizienzsteigerung, die Ressourcenschonung und die Nachhaltigkeit des Wirtschaftens berichtet Dr.-Ing. Christoph Beumer, Geschäftsführer der Beumer Group und Vorsitzender des CeMAT-Präsidiums.

Von Dr.-Ing. Christoph Beumer, Geschäftsführender Gesellschafter, BEUMER Group GmbH & Co.

Die Weltwirtschaft war in den vergangenen drei Jahren im wahrsten Wortsinn „ver-rückt“: 2008 und 2009 war sie ins Bodenlose gestürzt, danach sofort so stark gewachsen, dass einige Branchen das Vorkrisenniveau wieder erreicht oder übertroffen haben. Zur grundlegenden Veränderung der Weltwirtschaft trägt die Intralogistik maßgeblich bei. Denn die gesamte Supply Chain ist optimiert und auf das Wesentliche reduziert. Das führt erstens zu kürzestmöglichen Lieferzeiten rund um den Globus und zweitens zu deutlich weniger Ware im Umlauf. Das kann zur Folge haben, dass die Konjunktur plötzlich stoppt, wenn in der Supply Chain eine große Zahl an Aufträgen nicht mehr abgerufen wird. Im Gegenzug dazu führt ein schnelles Abrufen von Aufträgen dazu, dass die Konjunktur überraschend schnell wieder anzieht.

Der VDMA und das Forum Intralogistik vermelden, dass der wirtschaftliche Aufschwung auch in der Intralogistik angekommen ist. Die deutsche Intralogistikbranche erwartet für 2011 einen Umsatzzuwachs von 9% auf 16,1 Mrd Euro.

Die Anwender von intralogistischen Lösungen fordern mehr Nachhaltigkeit. Das bedeutet ökologische und ökonomische Effizienz sowie Lösungen, die es z.B. auch älteren Mitarbeitern ermöglichen, gesundheitsschonend zu arbeiten. Aus diesem Grund ist das diesjährige Motto der CeMAT „Nachhaltigkeit in der Intralogistik“ hervorragend gewählt, weil es genau die Bedürfnisse der Kunden fokussiert und damit die Anbieter zu noch mehr Innovationen motiviert. Damit hat die CeMAT klar gezeigt, dass sie nicht nur durch ihre Größe die Leitmesse ist, sondern auch thematisch. Seit die CeMAT sich das Thema Nachhaltigkeit vor drei Jahren auf die Fahnen geschrieben hat, ist es erstens in aller Munde und findet zweitens viele Nachahmer. Zudem treibt sie das Thema Nachhaltigkeit selbst, indem sie mit Aktivitäten wie TectoYou, Campus Intralogistik oder Job-and Career-Market intensiv den Nachwuchs an die Branche heranführt. Das sind wichtige Impulse und damit ein Stück Zukunft.

Die Alterspyramide weist in vielen Industriestaaten eine typische Struktur auf: wenig Junge und viele Ältere, die Lebenserwartung nimmt zu, die Menschen bleiben immer länger aktiv. Das wird sich über kurz oder lang auch bei der Lebensarbeitszeit bemerkbar machen. Auf die Intralogistik hat das zweierlei Auswirkungen. Erstens müssen immer mehr ältere Menschen individuell versorgt werden – das Versandhandelsaufkommen und die Individualität der Sendungen werden steigen. Zweitens wird der Altersdurchschnitt der Lagermitarbeiter deutlich zunehmen. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Arbeitsplätze. Körperlich anstrengende und geistig ermüdende Tätigkeiten müssen erleichtert werden.
In der Intralogistik wird daher die Automatisierung zunehmen und das Thema Mensch-Maschine-Schnittstelle noch mehr in den Fokus rücken. Automatisierung ist erforderlich, um reproduzierbare Prozesse fehlerärmer zu machen und die Mitarbeiter von körperlich schweren Tätigkeiten zu entlasten.

Schon heute sind weite Teile der intralogistischen Kette vollständig automatisiert. Bestes Beispiel sind Sortier- und Verteilanlagen. Diese bilden etwa in Flughäfen oder Distributionszentren das Kernelement des gesamten internen Materialflusses. Insbesondere in Flughäfen, die als Drehkreuz fungieren, muss die Gepäckbeförderung immer mehr leisten, um kurze Umsteigezeiten zu ermöglichen. Realisiert werden kann das nur durch einen hohen Automatisierungsgrad und durch eine hohe Softwaredurchdringung.

Im Distributionszentrum beginnen die Potentiale für die Automatisierung gleich im Wareneingang. Ein großer Logistikdienstleister beispielsweise setzt bereits heute Roboter ein, die Container vollautomatisch entladen. Auch der innerbetriebliche Transport geschieht vollautomatisch. Selbst die Kommissionierung, eine sehr komplexe Tätigkeit, lässt sich heute nahezu vollständig automatisieren, ebenso das Palettieren und Verpacken. Dazu bietet der Markt verschiedene Lösungen, wie etwa den platzsparenden BEUMER robotpac. Dieser Knickarmroboter stapelt Gebinde wie Säcke, Kartons, Kisten, Kanister oder Trays sicher und wirtschaftlich. Die Baureihe BEUMER paletpac palettiert zum Beispiel in Säcke abgefülltes Schüttgut. Die geometrische Genauigkeit und die Stabilität der palettierten Stapel gewährleisten eine sichere Integration in die nachgelagerten Verpackungsanlagen. Die Hochleistungs-Verpackungsmaschine BEUMER stretch hood wird in vielen verschiedenen Branchen eingesetzt, unter anderem in der Getränke- und Lebensmittelindustrie oder in der Baubranche, im Elektrohandel, in der Pharmaindustrie oder für gemischt kommissionierte Ware für den Einzelhandel.

Die Individualisierung der Gesellschaft, das zunehmende Versandhandelsvolumen, der immer schnellere Sortimentswechsel und die Erwartung des Endkunden an eine umgehende Lieferung verändern die Intralogistik ebenfalls. Hersteller und Handel müssen zudem immer spezieller auf Kundenwünsche eingehen. Losgrößen werden dadurch kleiner, Montage- und Veredelungsprozesse dagegen häufiger. Diese finden mehr und mehr an den Kommissionierstationen der Versandzentren statt. Das erfordert höchst flexible Prozesse. Für diese ist der Mensch nach wie vor der Schlüssel. Denn kein automatisches System ist in seinem Handeln so beweglich. Zudem kann der Mensch universelle Aufgaben flexibel lösen. Seine Leistungsfähigkeit ist jedoch begrenzt.

Überschreiten die Durchsatzforderungen eine bestimmte Grenze, wird eine automatische Lösung unumgänglich. Um leistungsfähig und gleichzeitig flexibel zu sein, werden in vielen Bereichen automatische Teilsysteme zu komplexen Einheiten kombiniert. Beispiele dafür sind Identifikation, Transport, Einlagerung und Auslagerung, Sortieren, Verteilen, Palettieren und Verpacken. Die Nahtstelle dazwischen wird aber weiterhin der erfahrene Mitarbeiter sein.

Wegen der steigenden Energie- und Rohstoffpreise, aber auch wegen einer hohen politischen und gesellschaftlichen Relevanz haben sowohl Maschinen- und Anlagenbauer als auch Betreiber ein großes Interesse an energiesparenden und ressourcenschonenden Technologien und Konzepten. Denn wenige Aussagen zu wirtschaftlichen Entwicklungen gelten als so sicher wie die, dass die Preise für Energie in den nächsten Jahren weiter steigen. Effizienterer Umgang mit Energie im Lager bringt daher entscheidende Kostenvorteile.

Energieeffiziente Anlagenkonzepte können alternative Antriebe oder auch veränderte Betriebsarten wie Intervallbetrieb oder Multispeedanlagen beinhalten. Ein weiterer Aspekt, wie sich Energie einsparen lässt, sind der konsequente Leichtbau beweglicher Teile von Maschinen und Anlagen sowie die Recycelbarkeit der verwendeten Materialien.

Ein Praxisbeispiel: Bei der neuen Generation der Hochleistungs-Verpackungsmaschinenserie BEUMER stretch hood ist die Nachhaltigkeit konkret umgesetzt. Der Energieverbrauch des BEUMER stretch hood i wurde um 12,5% und der Druckluftverbrauch um 53% gesenkt. Damit können Anwender nicht nur die Umwelt schonen, sondern im Wettbewerb deutliche Kostenvorteile erzielen. Zudem ermöglicht die einfache und intuitive Menüführung der Systemsteuerung ein ergonomisches Arbeiten und macht aufwendige Schulungen überflüssig. Die Zeit für einen Folienformatwechsel wurde von 15 auf acht Minuten reduziert, eine Folie gleichen Formats lässt sich sogar in zwei Minuten wechseln. Optional ist ein automatischer Folienwechsel möglich. Damit ist der Aspekt ökonomische Effizienz erfüllt – Zeit ist Geld.

Auch das Thema Downsizing wird in der Intralogistik immer wichtiger, weil Produktionsräume besser genutzt werden müssen. Die Installationsfläche des neuen BEUMER stretch hood i wurde im Vergleich zur anderen Generation dieser Serie um mehrere Quadratmeter verringert. Auch die Maschinenhöhe ist um 8% niedriger.

Kontakt: beumer[at]beumer.com

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