Der karibische Inselstaat in unmittelbarer Nachbarschaft zu den USA leidet seit mehr als 50 Jahren unter einem Handelsembargo des nördlichen Nachbarn. Doch nun ist Bewegung in das schwierige Verhältnis der beiden ungleichen Partner gekommen. Die ersten Lockerungen lassen US-amerikanische Firmen aufhorchen. Auch deutsche Unternehmen können von der Annäherung profitieren. Denn die dadurch ausgelösten Investitionen und eine Verbesserung der Rahmenbedingungen kommen auch ihnen zugute.

Von Oskar Hartmann, Abteilungsdirektor Außenhandelsfinanzierung, Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)

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Es kursiert die Legende, dass Fidel Castro 1960 im Revolutionsrat fragte, ob ein Ökonom (economista) anwesend sei. Der unaufmerksame Che Guevara verstand „comunista“ und meldete sich. Darauf Fidel: „Gut, dann übernimmst du die Banco Nacional!“ Wir wissen nicht, ob es sich so zugetragen hat. Bekannt ist, dass es 1961 zur sog. Kuba-Krise kam und dass seit damals das US-Handelsembargo gegen Kuba in Kraft ist.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später, im Dezember 2014, gaben die USA und Kuba bekannt, dass sie den Kalten Krieg beenden wollen. Inzwischen wurden wieder Botschafter ausgetauscht – und die Welt schaut erneut gebannt nach Havanna: Werden die USA ihr seit 54 Jahren geltendes Embargo aufheben, und wird das Castro-Regime im Gegenzug die Wirtschaft liberalisieren? Wann wird der Annäherungsprozess konkret im kubanischen Alltag spürbar sein? In Europa fragt man sich zudem, ob die Öffnung der Inselrepublik ein rein amerikanisches Geschäft werden wird oder ob auch Europa partizipieren kann.

Finanzierungen verfügbar

Kubas Haupteinnahmequellen für Devisen sind der Tourismus aus dem Ausland und der Nickelexport. In beiden Bereichen ist die Planwirtschaft Kubas jedoch auf Maschinen und Ausrüstungen angewiesen, die aus Industrieländern importiert werden. Das deutsche Interesse an Kuba konzentriert sich u. a. auf Medizin- und Energietechnik, Pumpen, Haustechnik, Erdbewegungsgeräte und Fahrzeuge. Die Landesbank Hessen-Thüringen bietet seit einigen Jahren den Hermes-gedeckten Ankauf von Akkreditivforderungen an, ggf. verbunden mit einer Forfaitierung. Die Finanzierung der Lieferungen wird häufig auf der Basis Hermes-gedeckter Akkreditivforderungen (ABR-Deckung) übernommen und ersetzt damit Kreditgewährungen, die auf barunterlegten oder unbesicherten Akkreditivbestätigungen basieren. Auch langfristige Bestellerkreditfinanzierungen unter Hermesdeckung werden aus der Industrie wieder nachgefragt. Wir erwarten deshalb eine zunehmende Normalisierung der Finanzierungsbedingungen für Kuba.

Auch deutsche Firmen profitieren

Gute Chancen für einen nahezu neuen Markt sehen wir im Zusammenhang mit der Annäherung der USA und Kubas. Im Idealfall führt diese Annäherung zu einer Auflösung des Embargos und ermöglicht der deutschen Exportindustrie neue Investitionsstandorte und Absatzmärkte. Dieser Prozess muss allerdings nachhaltig durch eine Anpassung der kubanischen Investitionsbedingungen und eine langfristige Steuerung der Deviseneinnahmen flankiert werden.

Nach unseren Erkenntnissen müssen die kubanischen Unternehmen zurzeit noch einen aufwendigen bürokratischen Prozess durchlaufen, bis feststeht, welche Investitionsgüter von welchen Lieferanten und mit welcher Finanzierung im Ausland bestellt werden können. Da ist zum einen das Unternehmen, das die Geräte unmittelbar benötigt. Meist muss noch eine Einkaufsgesellschaft (staatliches Importunternehmen) zwischengeschaltet werden. Je nach Branche sind den Unternehmen ein oder mehrere Ministerien vorgesetzt, die sich untereinander über den Investitionsbedarf einigen müssen.

Somit gilt der Plan erst dann, wenn die Investition einvernehmlich im Wirtschaftsministerium genehmigt und für ein Kalenderjahr fest in den Haushalt eingestellt worden ist. Im nächsten Schritt erhält dann eine der kubanischen Banken die Anweisung vom Ministerium, je nach Bedarf eine kurz- oder langfristige Finanzierung für das Projekt darzustellen. Die kubanischen Banken betonen – und das können wir aus langjähriger Erfahrung bestätigen –, dass am Ende jeder einzelnen Investitionsplanung zuverlässige Plangrößen stehen, was die Sicherheit der Kredittilgungen deutlich erhöhe.

Korrespondenzbanken vorhanden

Die kubanischen Banken sind fast alle im Staatseigentum, und jede hat ihre besondere Aufgabe. Wettbewerb zwischen den Instituten findet nicht statt, da sich alle Banken an die vom Staat vorgegebene Arbeitsteilung halten. Die traditionelle kubanische Bank heißt Banco Nacional de Cuba (BNC), die bis 1997 auch die Zentralbankfunktion ausübte und deshalb die kubanischen Auslandsschulden verwaltet. Damit steht sie besonders im Fokus des US-Embargos. Für den Ausbau der langfristigen Importfinanzierungen (aus deutscher Sicht Exportfinanzierung) gründete der kubanische Staat 1999 das Spezialinstitut Banco Exterior de Cuba (BEC), das von den europäischen ECAs weitgehend anerkannt wird.

Die deutsche Euler Hermes akzeptiert derzeit ausschließlich die beiden o. a. Banken als Kreditnehmer der deutschen Exportfinanzierung. Eine Limitierung bilden die Hermes-Plafonds für kurzfristige Geschäfte (25 Mio EUR) und für langfristige Kredite (50 Mio EUR). Da beide Plafonds fast völlig erschöpft sind, müssen deutsche Exporteure immer wieder auf Zuteilung warten. Zu wünschen wäre, dass der Bund die Plafonds aufstockt, nicht zuletzt, weil die Frage der Altschulden gegenüber Deutschland geregelt ist und die Investitionssteuerung sich in Kuba zwischenzeitlich verlässlich an den Einnahmen orientiert.

Exportinteresse ist ausreichend vorhanden. Ein Zeichen dafür ist die seit 1983 jährlich stattfindende Internationale Messe in Havanna, die sich neben den spanischen Ausstellern auch reger deutscher Mittelstandsbeteiligung erfreut.

Fidel Castros legendäre Frage – „Ist ein Ökonom hier?“ – stellt sich für ganz Kuba erneut. Wirtschaftlicher Sachverstand wird vonnöten sein, um Kubas innere und äußere Isolierung zu überwinden. Die deutsche Exportwirtschaft ist hochgradig daran interessiert, einen Aufbruch Kubas mit zuverlässiger Technologie, Maschinen und Anlagen sowie strategischen Investitionen zu begleiten. Deutschland genießt in Kuba einen guten Ruf. Es soll mindestens 30.000 Kubaner geben, die aufgrund der Beziehungen zur einstigen DDR die deutsche Sprache verstehen und sprechen. Dieses Potential werden deutsche Industrieunternehmen sicherlich nutzen können.

Kontakt: oskar.hartmann@helaba.de

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