Am Persischen Golf boomt die Wirtschaft. Das außerordentlich hohe Wachstum macht die Region im Südosten der Arabischen ­Halbinsel zu einem Anziehungspunkt für namhafte Firmen aus aller Welt. Vor allem in Abu Dhabi und Dubai, den beiden größten und wohlhabendsten Mitgliedsländern in der Föderation der sieben Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), stehen die Zeichen auf Expansion. Es gibt also auch für deutsche Unternehmen gute Gründe für einen Einstieg in den nahöstlichen Wachstumsmarkt.

Von Marcus Thiel, Corporate Relationship ­Manager, Deutsche Bank, ­Filiale Dubai

Bis zu 5.000 europäische Unternehmen sind bereits vor Ort, darunter etwa 1.000 deutsche Firmen – Tendenz steigend. Mittlerweile leben 12.000 deutsche Staatsangehörige in den Emiraten, der Großteil in Dubai. Die zunehmende Attraktivität der VAE für internationale Unternehmen hat gute Gründe. Dies sind z.B. die politische Stabilität, die steigende Rechtssicherheit und eine weitverbreitete Willkommenskultur gegenüber westlichen Investoren. So gelten die sieben Scheichtümer in der geopolitisch komplizierten Region zu Recht als sicherer Hafen mit einer toleranten Bevölkerung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Ansiedlungen ausländischer Unternehmen ermöglichen.

Zahlreiche Firmen nutzen die Vereinigten Arabischen Emirate aber auch als Tor zu weiteren Staaten des Golfkooperationsrates GCC, zu dem Saudi-Arabien, Kuwait, Qatar, Oman und Bahrain gehören. Zweifelsohne haben diese Länder als hochattraktive Überseemärkte für Deutschland eine herausragende Bedeutung. Darüber hinaus entwickelt sich Dubai zusehends zu einer Handelsdrehscheibe für Afrika – ebenfalls ein Wachstumsmarkt mit erheblichem Potential.

Da den Emiraten viel daran gelegen ist, kapitalkräftige Firmen ins Land zu holen, sind die bürokratischen Hürden bei einer Unternehmensgründung vergleichsweise niedrig. Vor allem dann, wenn eine Niederlassung offshore in einer der zahlreichen Freihandelszonen geplant ist. Nach einer schnellen unbürokratischen Registrierung kann der Neuankömmling unmittelbar die überzeugenden Vorteile am Standort nutzen. Dazu gehören die garantierte Befreiung von Steuern und Zöllen für eine begrenzte Zeit sowie der Erlass von Beschränkungen/Auflagen für die Anstellung von Arbeitskräften. Freihandelszonen bieten darüber hinaus den Vorteil einer 100%igen Eigentümerschaft für ausländische Betriebe.

Alternativ dazu besteht die Möglichkeit, den Firmensitz onshore, also auf Landesgebiet, zu gründen. Die Mehrheit der Gesellschaftsanteile (>50%) muss in diesem Szenario allerdings in emiratischem Besitz liegen, dafür kann direkt in den inländischen Markt verkauft werden – wozu sonst ein lokaler Vertriebspartner erforderlich ist.

Schwierigkeiten, geeignete Büroräume oder industrielle Gewerbeflächen zu finden, gibt es eigentlich nicht. Allerdings muss in den Freihandelszonen mit erheblichen Mietpreisschwankungen gerechnet werden. Insgesamt ist das Mietpreis­niveau in den Emiraten Abu Dhabi und Dubai verhältnismäßig hoch, Tendenz steigend.

Ein sehr dynamischer Arbeitsmarkt bietet die notwendigen Ressourcen an ausländischen Fachkräften, insbesondere asiatischer und westlicher Herkunft. Die Regierung unterstützt die Einstellung von hochqualifizierten Fachkräften und Spezialisten, wie beispielsweise Ingenieuren, im lokalen Geschäft. Möchte beispielsweise ein deutsches Unternehmen eigene Mitarbeiter mitnehmen, ist dies ohne größere Probleme möglich. Üblicherweise erfolgt die Einreise mit einem vier Wochen gültigen Touristenvisum für Bürger der EU, das dann auf Antrag des Arbeitgebers in ein Arbeitsvisum umgewandelt wird. Je nach Tätigkeit beträgt die Aufenthaltserlaubnis zwölf Monate bis zu drei Jahren. Grundsätzlich gilt, dass eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis an ein gültiges Arbeitsverhältnis gekoppelt ist. Entwicklungen im Arbeitsrecht führten vielfach zu einer Orientierung der Unternehmen an einer Fünftagewoche mit Begrenzung der Wochenarbeitszeit auf 48 Stunden sowie Urlaub zwischen 20 und 30 Tagen; gesetzliche Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherungen sind jedoch in den Emiraten nicht geregelt. Unternehmen müssen ihren Fachkräften daher eine private Krankenversicherung anbieten.

Viele Unternehmer bringen die ganze Familie mit, denn die Infrastruktur in den Vereinigten Arabischen Emiraten ist ausgezeichnet, Wohnungen und Häuser sind in ausreichender Zahl vorhanden, die medizinische Versorgung ist auf einem hohen Niveau, und wer will, kann seine Kinder sogar auf eine von drei deutschen Schulen schicken. Überhaupt gewährleistet die breite Auswahl an verschiedenen Schulformen, jeweils die passende Lösung zu finden, allerdings sind Schulen kostenpflichtig. Nebenbei: Da die Emirate mit einem Ausländeranteil von 80% sehr international und weltoffen aufgestellt sind, kommt man als Deutscher mit Englisch sowohl im Geschäftsleben als auch auf der Straße gut zurecht.

Auch wenn Öl und Gas für lange Zeit die primären Wohlstandsfaktoren bleiben werden, treiben die Arabischen Emirate die Diversifizierung der Wirtschaft konsequent voran. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Einsatz zukunftsweisender Technologien, unter anderem zur Erschließung neuer Energiequellen, zur Gewinnung und Aufbereitung von Wasser und zum besseren Schutz der Umwelt – Herausforderungen, für deren Bewältigung unbedingt Unterstützung von außen benötigt wird. Hier ergeben sich vielversprechende Perspektiven für Spezialisten aus dem Ausland, die das nötige Know-how besitzen.

Schon jetzt laufen zahlreiche Großprojekte, an denen sich deutsche Unternehmen beteiligen können – angefangen beim Aufbau eines Eisenbahnnetzes auf der Arabischen Halbinsel über die Errichtung weiterer Kraftwerke bis zur Entwicklung neuer Stadtteile in den verschiedenen Metropolen. Eine besondere Wegmarke setzt das Emirat Abu Dhabi gerade mit dem 22 Mrd USD schweren Prestigevorhaben „Masdar City“; einer CO2-neu-tralen Ökostadt, die nach der für 2025 geplanten Fertigstellung vollständig über erneuerbare Energie versorgt werden soll. Einen zusätzlichen Investitionsschub könnte auch die EXPO bringen, die 2020 in Dubai stattfinden wird.

Sämtliche Instrumente der deutschen Außenwirtschaftsförderungen stehen den in den Vereinigten Arabischen Emiraten engagierten Firmen zur Verfügung: zum Beispiel die 2009 gegründete bilaterale Deutsch-Emiratische Industrie- und Handelskammer, die hilft, den Marktzugang für deutsche Unternehmen in der Region zu erleichtern.

Selbstverständlich finden Unternehmen auch bei der Deutschen Bank vor Ort jederzeit kompetenten Rat und Hilfe. Das Institut ist mit Ausnahme des Privatkundensegments mit allen Geschäftsbereichen in den Emiraten Abu Dhabi und Dubai vertreten. Tochterunternehmen bestehender Kunden aus Amerika, Europa und Asien werden in den Deutsche-Bank-Niederlassungen mit nahezu den gleichen Produkten und Dienstleistungen wie in Deutschland oder an anderen Standorten unterstützt. Das bedeutet: Vom Zahlungsverkehr über Finanzierungen bis hin zur Währungssicherung bekommen Firmenkunden das komplette Serviceprogramm aus einer Hand.

Textkasten: Wissenswertes in Kürze

Die Vereinigten Arabischen Emirate

  • erstrecken sich über eine Fläche von 83.600 qkm und zählen rund 5,5 Millionen Einwohner
  • besitzen die siebtgrößten Gas- und ­Erdölvorkommen der Welt
  • werden 2013 voraussichtlich ein BIP von 369,4 Mrd USD erzielen
  • investieren intensiv in Zukunftstech­nologien wie Energie, Umwelt, Finanzdienstleistung
  • sind Deutschlands wichtigster Handelspartner in der arabischen Welt
  • haben 2012 deutsche Waren im Wert von 9,77 Mrd EUR eingeführt
  • verfügen mit dem Dirham über eine dem US-Dollar ähnlich stabile Währung

Quellen: Deutsche Bank Research, Germany Trade & Invest.

Kontakt: marcus.thiel[at]db.com

Aktuelle Beiträge