Am Ende entscheiden die Märkte. Die Abhängigkeit von ausländischen Waren und Krediten zieht den wirtschaftspolitischen Freiheiten enge Grenzen. In der Türkei ist der Wirtschaftsboom zuerst an steigenden Preisen und dann an einem kurzen Konflikt mit den USA gescheitert. Doch die Wachstumspause tut der türkischen Wirtschaft möglicherweise ganz gut.

Deutsche Exporte in die Türkei

(Veränderung gegenüber Vorjahr in %)

Quelle: Statistisches Bundesamt

Handel gleicht sich an

Der deutsche Exportüberschuss im Handel mit der Türkei hat sich 2018 nahezu halbiert. Die deutschen Exporte dorthin sanken um 10,7% gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig erhöhten sich die Importe von dort um 0,4%. Damit hat sich die kräftige Abwertung der Türkischen Lira von durchschnittlich 38,5% gegenüber dem Euro positiv auf die türkische Leistungsbilanz ausgewirkt und den Finanzierungsbedarf des Landes verringert.

Zu Beginn des Jahres 2019 schwächte sich die Veränderung der Warenströme ab: So gingen die deutschen Exporte in die Türkei im ersten Quartal 2019 nur noch um 17,2% zurück. Der Sechsmonatsdurchschnitt lag im März bei 22,5%. Die deutschen Importe aus der Türkei sanken im ersten Quartal 2019 um 4,6%.

Marktanteile in Gefahr

Auch wenn die deutschen Lieferungen dem Trend der türkischen Importe folgen und der deutsche Marktanteil bislang nur leicht auf 9,0% gesunken ist. Der kräftige Anstieg der russischen und amerikanischen Lieferungen zeigt, dass sich diese beiden Handelspartner stark in der Türkei engagieren. Die Importe aus Russland sind zum Teil durch die erhöhten Ölpreise inflationiert. Doch im Fall der USA wirkt bereits der außen- und handelspolitische Druck. Noch ist nicht klar, ob sich daraus eine stärkere Verschiebung der türkischen Importstruktur ergibt. Doch die deutsche Zurückhaltung in der Türkei könnte sich negativ auswirken.

Konjunktur ist ausgebremst

Die türkische Wirtschaft zeigt deutliche Bremsspuren. Für die Industrieproduktion im Dezember 2018 vermeldete das Statistikamt ein Minus von 9,8%. Das gesamtwirtschaftliche Wachstum war im dritten Quartal auf 1,6% gesunken und ging im vierten Quartal mit einem Minus von 3,0% in den negativen Bereich über. Für 2019 droht – zumindest zeitweise – eine Rezession. Die Industrieproduktion lag im ersten Quartal um 4,8% unter dem Vorjahreswert.