Dominikanische Republik: Eine neue Erfolgsgeschichte

Die Dominikanische Republik befindet sich in einer anhaltenden Phase politischer Stabilität und überdurchschnittlicher Wirtschaftsentwicklung. Hierzu tragen neben dem hohen Wachstum auch die niedrige Inflation sowie der Rückgang des Zahlungsbilanzdefizits bei, das sich auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren befindet. Die Tourismusbranche und Überweisungen aus dem Ausland generieren hohe Einnahmen, und das Land profitiert von relativ niedrigen Ölpreisen und stabilen Kapitalzuflüssen.

Von Christoph Witte, Country Manager, Credendo

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Politische Stabilität gerät unter Druck

Die wichtigsten politischen Parteien vertreten einen moderaten Kurs und befürworten die Grundsätze der freien Marktwirtschaft. Die PLD (Partido de la Liberación Dominicana) ist seit 2004 an der Macht, und der derzeitige Präsident Danilo Medina regiert das Land in seiner nunmehr zweiten Amtszeit. Der populäre Präsident hat Sozialreformen eingeleitet und profitiert gleichzeitig von der guten Wirtschaftslage. Doch seine Beliebtheit ist in jüngerer Zeit leicht ins Wanken geraten. Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit dem brasilianischen Baugiganten Odebrecht weiten sich in Lateinamerika aus und machen auch vor der Dominikanischen Republik nicht Halt. Hinzu kommt eine latente soziale Unzufriedenheit aufgrund von grassierender Korruption, hoher Ungleichheit, steigender Kriminalität, unzureichender Gesundheitsversorgung und eines schwachen Stromsektors, die regelmäßig Proteste auslöst.

Wirtschaftlicher Erfolg hilft Außenhandelsbilanz

In den vergangenen zehn Jahren erzielte die Dominikanische Republik ein BIP-Wachstum von durchschnittlich 6,3% – eine Leistung, um die ganz Lateinamerika das Land beneidet. Der Erfolg der Dominikanischen Republik ist in erster Linie auf steigende Umsätze aus der Tourismusbranche und den Freihandelszonen zurückzuführen. Diese Aktivitäten stellen heute den Großteil der Arbeitsplätze und haben die Landwirtschaft (Zucker sowie in kleinerem Umfang Kaffee-, Tabak- und Kakaoanbau) als Haupteinnahmequelle abgelöst. Aus den Freihandelszonen stammt etwa die Hälfte der dominikanischen Exporte, und das Land verfügt über den größten Tourismussektor der gesamten Karibik. Auch die rasch steigenden Rücküberweisungen der im Ausland lebenden Dominikaner haben zum Wachstum beigetragen, da sie das Einkommen dominikanischer Familien erhöhen und den Druck auf lokale Ressourcen senken konnten. Der Abbau der im vergangenen Jahrzehnt entdeckten Goldvorkommen verlieh dem Bergbau kräftige Impulse und bewirkte eine weitere Diversifizierung der Einnahmen. Das BIP-Wachstum hatte keinen Anstieg der Inflation zur Folge, im Gegenteil: Von nahezu 9% im Jahr 2007 ist die Inflation Ende 2016 auf weniger als 2% gesunken. Dies ist insbesondere auf die Inflationssteuerung zurückzuführen, die die Zentralbank seit 2012 verfolgt. In den kommenden Jahren dürfte die Inflation auf einem moderaten Stand verbleiben und etwa beim 4%-Ziel der Zentralbank liegen.

Die USA sind der wichtigste Handelspartner der Dominikanischen Republik, und ihre Bedeutung für das Land ist kaum zu überschätzen: 50% der dominikanischen Exporte gehen in die USA, und 41% aller Touristen sowie 71% der Rücküberweisungen stammen von dort. Die negative Haltung Donald Trumps gegenüber Einwanderern und Handelsverträgen kann ein Risiko für die Dominikanische Republik darstellen. Ein Großteil der dominikanischen Exporte erfolgt im Rahmen eines 2007 geschlossenen Freihandelsabkommens, des DR-CAFTA. Die Kündigung dieses Abkommens würde der höchsten effektiven Zollerhöhung in der Region gleichkommen und hätte erhebliche Auswirkungen. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Dominikanische Republik von einer Änderung der US-Einwanderungs- und Handelspolitik getroffen wird, gering. Die Mehrheit der dominikanischen Migranten lebt legal in den USA, und das DR-CAFTA-Abkommen wurde von der Regierung Trump bisher nicht in Frage gestellt.

Das Exportwachstum, aber insbesondere auch der niedrige Ölpreis der vergangenen Jahre hat zu einer deutlichen Verbesserung der Leistungsbilanz geführt. Trotz eines vorübergehenden Einfuhrverbots des zweitgrößten Exportpartners Haiti fiel das Leistungsbilanzdefizit 2016 auf ein Zehnjahrestief. Das Defizit wird von ausländischen Direktinvestitionen ausgeglichen, die 2016 3,6% des BIP ausmachten und vorwiegend im Bergbau, im Tourismus sowie in Freihandelszonen getätigt werden. In der Folge sind die Devisen­reserven angestiegen. So deckten die Reserven im März 2017 solide 3,5 Monatsimporte ab, was leicht über der Standardschwelle liegt. Für den Zeitraum bis 2021 wird ein moderater Anstieg des Leistungsbilanzdefizits auf etwa 4% des BIP erwartet. Ein kräftigeres Wachstum in den USA dürfte eine Erhöhung der Exporte und Rücküberweisungen bewirken, während eine potentielle Erholung des Ölpreises einen Anstieg der Importe zur Folge hätte. Gleichwohl wird erwartet, dass Direkt­investitionen auch in den kommenden Jahren das Zahlungsbilanzdefizit finanzieren und damit die Währungsreserven weiter stärken. Auch die Aussicht, dass die Dominikanische Republik künftig eine höhere Flexibilität des Wechselkurses gewährt, könnte zur Erhöhung der Reserven beitragen.

Finanzpolitik könnte langfristig zum Problem werden

In den vergangenen zwei Jahrzehnten ist die Auslandsverschuldung erheblich zurückgegangen: von nahezu 70% des BIP im Jahr 1990 auf moderate 39% im Jahr 2016. Für die kommenden Jahre wird eine weitgehende Stabilisierung erwartet. Bei einem Vergleich mit den Leistungsbilanzeinnahmen trübt sich das Bild jedoch, da die Schulden von 100% im Jahr 2009 auf ca. 140% im Jahr 2016 gestiegen sind. Dieses Verhältnis ist jedoch unverändert tragfähig, und so besteht keine akute Gefahr finanzieller Spannungen. Außerdem lagen die Schuldendienstzahlungen im Jahr 2016 bei lediglich 15% der Leistungsbilanzeinnahmen. Ein gewisses Abwärtsrisiko besteht allerdings in Verbindung mit möglichen negativen Einflüssen von außen. So könnte nicht nur die Normalisierung der US-Geldpolitik, sondern insbesondere auch eine Erhöhung der Risikoaversion unter Anlegern dem Land schaden.

Nachdem die Regierung Medina die öffentlichen Investitionen reduzierte und Steuerreformen zur Erhöhung der Einnahmen verabschiedete, sank das Haushaltsdefizit bis 2015 dank der Restrukturierung im Rahmen der Petrocaribe-Vereinbarung. In den kommenden Jahren dürfte es jedoch wieder stiegen und 2021 bei 5,2% des BIP liegen. Auf der Einnahmenseite sind zusätzliche Steuerreformen notwendig, um die schmale Besteuerungsgrundlage zu erweitern, Steuervergünstigungen zu eliminieren und Maßnahmen zur Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu verstärken. Auf der Ausgabenseite führt der Bau von Kohlekraftwerken zur Sicherung der Stromversorgung bis zum Jahr 2019 zu einer Verschärfung des Haushaltsdefizits und der Staatsverschuldung. Außerdem entwickeln sich die Zinszahlungen zu einer zunehmenden Belastung. Sie wurden 2016 auf etwa 3% des BIP bzw. nahezu 20% der öffentlichen Einnahmen geschätzt und dürften künftig weiter in die Höhe steigen. Das ist einerseits darauf zurückzuführen, dass die Staatsverschuldung von moderaten 49,7% des BIP Ende 2016 auf geschätzte 55,7% des BIP im Jahr 2021 steigen wird. Andererseits könnte die Straffung der US-Geldpolitik die Finanzierungskosten erhöhen. Zwar ist die Haushaltslage derzeit noch solide, doch es stellt sich die Frage, ob sie auch künftig tragfähig ist.

Die Wahrscheinlichkeit finanzieller Spannungen dürfte in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Daher hat Credendo das mittel- bis langfristige politische Risiko Anfang Oktober auf Kategorie 3 von 7 gesenkt. Die Kombination aus der niedrigen kurzfristigen Verschuldung, günstigen Liquiditätsindikatoren und dem steigenden Niveau der Devisenreserven begründet die Einstufung des kurzfristigen politischen Risikos in Kategorie 2 von 7. Das Geschäftsrisiko ist moderat und wird in Kategorie B eingestuft. Positiv zu bewerten sind die niedrige Inflation, das relativ hohe Wachstum, das moderate Leistungsbilanzdefizit sowie die Verfügbarkeit von Krediten. Allerdings bleiben die Finanzierungskosten recht hoch, und das Geschäftsumfeld ist unverändert schwach (unter anderem aufgrund hoher Korruption).

Den ausführlichen Länderbericht finden Sie auf der Internetseite von Credendo: https://www.credendo.com/de/country_risk/dominican-republic.

c.witte@credendo.com

 

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