Neue Hoffnung für den Handel mit Afrika?

In den vergangenen zehn Jahren nahm die Bedeutung Afrikas als Absatzmarkt der deutschen Wirtschaft zu, doch im längerfristigen Vergleich verliert der Kontinent an Bedeutung. Gerade mit Ländern südlich der Sahara, ausgenommen die Republik Südafrika, bleibt der bilaterale Handel mit Deutschland weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Was sind die Ursachen? Und was sollten deutsche Exporteure beachten, die diese Märkte mit ihrem großen Potential erschließen wollen?

Von Christian Toben, Regionaldirektor Afrika, Commerzbank AG

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Nord-Süd-Gefälle bei Afrika-Exporten

Im Norden vereinten allein Algerien, Marokko, Tunesien und Ägypten nach vorläufigen Zahlen zusammen 45% der deutschen Warenlieferungen nach Afrika auf sich. Südlich der Sahara dominierte traditionell Südafrika, das 36% der deutschen Afrika-Exporte abnahm, mit großem Abstand gefolgt von Nigeria mit 3% – beide jedoch mit einem deutlichen Minus im Vergleich zum Vorjahr. Was steckt dahinter?

Verfall der Rohstoffpreise bremst Wachstum

2016 lag das Wirtschaftswachstum auf dem afrikanischen Kontinent nur noch bei 1,6% – dem niedrigsten Wert seit 30 Jahren. Zum Vergleich: Zwischen 2000 und 2010 lag die Wachstumsrate bei durchschnittlich rund 5% jährlich. Für viele afrikanische Staaten endeten die Jahre des rasanten Aufschwungs mit dem Verfall der Rohstoffpreise für Rohöl, Gold, Platin und Kupfer. Besonders betroffen waren die beiden größten Volkswirtschaften Afrikas: Das Wachstum in Südafrika halbierte sich, Nigeria rutschte sogar in eine Rezession. Macht man die Rechnung ohne die afrikanischen Rohstoffexporteure, käme der Kontinent immerhin auf ein Wirtschaftswachstum von 4%.

Die ostafrikanischen Wachstumstreiber

Wachstumstreiber des Kontinents bleiben vermutlich auch 2017 die ostafrikanischen Länder Äthiopien, Kenia, Ruanda, Tansania und Uganda. Deren Entwicklung sollten deutsche Exporteure im Auge behalten. So stiegen z.B. die deutschen Exporte nach Äthiopien im sechsten Jahr hintereinander und lagen 2016 fast dreimal so hoch wie 2011. Die Regierung in Addis Abeba investiert in neue Infrastrukturen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt wie kein anderes Land in Afrika. Sobald alle im Bau befindlichen Wasserkraftwerke ans Netz gehen und die zahlreichen neuen Industrieparks die Produktion aufnehmen, dürfte Äthiopien die anderen Länder der Region schnell in den Schatten stellen.

Dennoch geht das teilweise durch Investitionen getriebene Wachstum nicht immer einher mit zunehmenden bzw. ausreichenden Devisenreserven, um notwendige Importe von Rohstoffen oder Investitionsgütern fristgerecht zu bezahlen. In einigen der stark wachsenden Länder führte u.a. das starke Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren zu einer Verringerung der Devisenreserven, was aktuell zu Engpässen führen kann. Langfristig sollten diese Investitionen sich jedoch zugunsten steigender Devisenreserven aufgrund zunehmender Auslandsinvestitionen (FDI) auszahlen.

Tansania und Uganda vor einem Gas- und Erdölboom?

Interessant wird auch die Entwicklung in Tansania und Uganda sein. Tansania besitzt beachtliche Gasvorkommen, die für den Export genutzt werden könnten. Ähnlich ist die Lage in Uganda, das über nennenswerte Ölvorkommen verfügt. Eine Investitionsentscheidung zugunsten einer Exportpipeline durch Tansania ist bereits getroffen und zieht vermutlich beachtliche Folgeinvestitionen nach sich.Aber auch unter den kleinen Volkswirtschaften südlich der Sahara gibt es Oasen der Prosperität: Mauritius nahm 2016 rund 39% mehr deutsche Waren ab als im Jahr zuvor und in absoluten Zahlen fast so viel wie die deutlich größeren Länder Tansania oder Uganda. Der kleine Inselstaat zeigt, was sich langsam auch bei anderen afrikanischen Ländern erkennen lässt: Qualität „made in Germany“ ist gefragt.

Fehlender Binnenmarkt sorgt für organisatorische Herausforderung

In der Vielfalt der Länder liegen nicht nur Chancen, die Vielfalt ist gleichzeitig eine Hürde für mittelständische Unternehmen, die in Afrika Geschäfte machen wollen. Insgesamt gibt es in Afrika südlich der Sahara 49 Länder – jedes mit seinen eigenen Besonderheiten und Vorschriften für den Warenverkehr sowie die damit einhergehenden Finanzgeschäfte.

Speziell in Süd- und Ostafrika sind jedoch Fortschritte bezüglich der regionalen Zusammenarbeit zu erkennen. Es geht hier nicht nur um die Schaffung eines größeren Binnenmarktes und der entsprechend benötigten Infrastruktur, sondern ansatzweise auch schon um einheitliche Außenzolltarife oder regionale Clearingsysteme unter den Zentralbanken zur Sicherstellung eines effizienten Zahlungsverkehrs sowie der Vereinheitlichung der Dokumente und Prozesse bei den Zollbehörden.

Know-how internationaler Geschäftsbanken nutzen

Doch die nach wie vor bestehenden Schwierigkeiten sollen kein Grund sein, Geschäftschancen nicht im Detail zu analysieren oder gar ungenutzt zu lassen. International aufgestellte Geschäftsbanken unterstützen mittelständische Unternehmen umfassend bei der Erschließung neuer Märkte: Dazu gehören neben der Absicherung von Außenhandelsgeschäften z.B. auch aktuelle länderspezifische Informationen zur wirtschaftlichen und politischen Entwicklung dieser Länder wie auch Informationen zum Dokumentengeschäft mit Hinweisen zu Devisen- und Inkassovorschriften

Akkreditivbearbeitung einfach outsourcen

Mit der komplexen Bearbeitung von Akkreditiven – dem nach wie vor häufigsten Instrument für die Zahlung und Absicherung von Exportgeschäften mit Abnehmern in Afrika – werden viele Ressourcen von Unternehmen gebunden. Dabei lässt sich ein großer Teil der Abwicklungsaufgaben an einen Bankpartner mit Expertise in der internationalen Handelsfinanzierung delegieren. Der Exporteur profitiert von dem Outsourcing durch genau kalkulierbare Kosten, hohe Dokumentenqualität und die Vermeidung von Zahlungsverzögerungen und -ausfällen.

Von bewährten Bankpartnerschaften profitieren

Internationale Geschäftsbanken besitzen in vielen Ländern Afrikas Repräsentanzen, zu deren Hauptaufgaben die Pflege der Beziehungen zu Korrespondenzbanken gehört – ausgewählten lokalen Banken, mit denen langjährige Geschäftsbeziehungen und Kontoverbindungen bestehen. In dieser bewährten Zusammenarbeit lassen sich viele Handelsgeschäfte reibungslos und professionell abwickeln. So bietet die Commerzbank in Afrika sowohl eines der umfangreichsten Korrespondenzbanknetzwerke als auch ein einzigartiges lokales „Know-how“ an mit Repräsentanzen in Nigeria, der Elfenbeinküste, Angola, Südafrika und Äthiopien und Ägypten.

Gleichzeitig ist zu beobachten, dass in einigen Ländern lokale afrikanische Banken in jüngster Vergangenheit sogar deutschsprachige „German Desks“ einrichten, um den Anforderungen deutscher Unternehmen besser nachkommen zu können.

Auf den Aufbau eines eigenen Filialnetzes verzichten internationale Geschäftsbanken in der Regel, weil die lokalen Banken besser in der Lage sind, vor Ort Risikoprüfungen und Unternehmensbewertungen vorzunehmen. Auch unterliegen lokale Banken hinsichtlich ihrer Bonitätsanforderungen häufig anderen Regeln als internationale Geschäftsbanken. Aufgrund ihrer Präsenz können sie zudem mit Kunden spezielle Besicherungsstrukturen vereinbaren, die im Schadensfall einen unkomplizierten Zugriff und bessere Verwertungsmöglichkeiten für die Sicherheiten erlauben.

Euler Hermes bietet mehr Absicherungsmöglichkeiten

Über viele Jahre sicherte Euler Hermes in zahlreichen Ländern des südlichen Afrikas ausschließlich Geschäfte mit privaten Bestellern und zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen ab. Absicherungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor waren nur in Ausnahmefällen möglich, obwohl viele Projekte entweder direkt von Staatsunternehmen oder von staatlich kontrollierten Unternehmen durchgeführt werden.

Die jüngste Erweiterung der Deckungsmöglichkeiten hinsichtlich des öffentlichen Sektors für bestimmte afrikanische Länder (u.a. Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria, den Senegal, Uganda, die Elfenbeinküste und Tansania) war zwar ein positiver Schritt, sieht aber eine Erhöhung des Selbstbehalts von 5% auf 10% vor. Der Selbstbehalt bei Bürgschaften ist nun mit 10% doppelt so hoch wie der bei Bürgschaften für Geschäfte in anderen Schwellenländern. Die staatlichen Exportkreditversicherer anderer OECD-Staaten bieten Selbstbehalte von lediglich 2%. Um international hinsichtlich der Exportdeckungskonditionen konkurrenzfähig zu werden und im Sinne der Flankierung wirtschaftlicher Entwicklung in afrikanischen Ländern, sollte der Selbstbehalt am Risiko auch in Deutschland entsprechend gesenkt werden.

Im Rahmen der G20-Präsidentschaft plant die Bundesregierung, ihre Maßnahmen im Bereich „Finanzstrukturen und Finanzierung“ weiter zu verbessern. Demnach beabsichtigt Deutschland zum Beispiel zukünftig für Geschäfte mit den Ländern, die sich dem „Compact with Africa“ der G20 anschließen und sich in diesem Zusammenhang verpflichten, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen, u.a. den Selbstbehalt für Hermesbürgschaften auf 5% abzusenken. Damit will die Bundesregierung ein Signal für bessere Finanzierungsbedingungen in Afrika senden. Aktuell haben sich folgende afrikanische Länder dem „Compact with Africa“ angeschlossen: Marokko, Tunesien, der Senegal, die Elfenbeinküste, Ghana, Äthiopien und Ruanda.

Auf dieser Basis bietet Euler Hermes Exporteuren die Möglichkeit, Lieferungen an öffentliche Besteller zu mittel- und langfristigen Zahlungsbedingungen durch staatliche Exportkreditgarantien abzusichern. Die Absicherungsmöglichkeiten erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette und reichen von der Produktionsphase bis zur Bezahlung der letzten Tilgungsrate des finanzierten Geschäfts. Keine Deckungsmöglichkeiten bestehen derzeit für die Demokratische Republik Kongo, Sierra Leone, Somalia und den Sudan.

Das Schlimmste sollte überstanden sein

Die Aussichten für Afrika südlich der Sahara sind wieder positiver: Der Internationale Währungsfonds erwartet in seiner jüngsten Prognose für 2017 einen Anstieg des realen Wirtschaftswachstums von 1,6% auf respektable 2,8%. Dabei wird die Entwicklung der Rohstoffpreise eine entscheidende Rolle spielen. Sollten diese generell wieder ansteigen, wird es wichtig sein, dass sich die erdölproduzierenden Länder auch weiter wie in den vergangenen Monaten auf eine Diversifizierung der Wirtschaft konzentrieren und nicht erneut zurückfallen in die Risiken einer „Monokultur“.

christian.toben@commerzbank.com

 

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