Gerade für nichtamerikanische Unternehmen ist es schwierig zu verstehen, wann sie einen Nexus geschaffen haben und somit die Sales-Tax abführen müssen. Jedoch ist es für sie von entscheidender Bedeutung zu wissen, wo sie bereits einen Nexus ausgelöst haben und wo sie in Zukunft einen haben könnten, um Strafen und Bußen zu vermeiden.

Der Nexus ist der Anknüpfungspunkt für die Besteuerung in den USA. Unternehmen, die in den USA Waren verkaufen möchten, sollten wissen, wo und wann sie die amerikanische Sales-Tax einziehen und abführen müssen.

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Beim Verkauf in die USA ist es wichtig, dass Unternehmen die Sales-Tax (richtig) abführen. Der erste Schritt zur Einhaltung der Steuervorschriften beginnt damit, zu verstehen, wo das Unternehmen überhaupt einen Nexus geschaffen hat – denn das amerikanische Steuersystem funktioniert gänzlich anders als das deutsche. Das Konzept eines Nexus ergibt sich aus der Verfassung der USA. Nexus bedeutet, dass in einem Geltungsbereich ausreichend steuerrelevante Tätigkeiten vorliegen, um eine Person oder ein Unternehmen besteuern zu können. Zahlreiche Aktivitäten können neue Steuererhebungspflichten für Unternehmen auslösen, insbesondere aufgrund der wachsenden Anzahl von Staaten, die die Einnahmen mit Hilfe von Steuern auf Fernverkäufe erhöhen wollen. Unternehmen können somit plötzlich mit neuen Steuerverpflichtungen konfrontiert werden, auch wenn sich nichts an ihrem Verkaufsprozess geändert hat.

Im District of Columbia sowie in weiteren 44 Bundesstaaten wird die Sales-Tax erhoben. Unternehmen, die eine physische Präsenz (englisch „Physical Nexus“) in einem Bundesstaat aufweisen und steuerpflichtige Verkäufe tätigen, sind verpflichtet, die Sales-Tax dieses Bundesstaates einzuziehen und abzuführen. Im Juni 2018 ermächtigte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten die Bundesstaaten zudem dazu, Fernverkäufe von ausländischen Unternehmen zu besteuern. Der „Economic Nexus“, der auf die wirtschaftliche Präsenz abzielt, wurde somit eingeführt. Bisher haben 43 Staaten und der District of Columbia Gesetze verabschiedet, nach denen Unternehmen im Rahmen der Festlegung der Complianceanforderungen den Standort ihrer Kunden beim Verkauf verwenden müssen. Demnach kann sowohl eine physische als auch eine wirtschaftliche Präsenz einen Nexus auslösen.

Physical Nexus

Neben dem Mieten oder Besitzen von Immobilien können Home-Office, Fernarbeiter, Außendienstmitarbeiter, der Besuch von Messen sowie Events und die Lagerung von Waren einen Physical Nexus auslösen. Aufgrund des Wachstums des E-Commerce und der Tatsache, dass viele Internetverkäufe unversteuert blieben, erweiterten viele Bundesstaaten die Definition der physischen Präsenz auf andere Geschäftsaktivitäten. Drop-Shipping1) oder ein Vertrag mit einem Händler, der als Drop-Shipper fungiert, ist in vielen Staaten steuerpflichtig.

In einigen Fällen ist der Einzelhändler steuerpflichtig, in anderen Fällen macht der Staat den Drop-Shipper haftbar. Auch Werbung – egal, ob in Printmedien, Fernsehen, Radio, per Post oder im Internet – kann zu einer Steuerpflicht führen.

Economic Nexus

Online- und Remote-Verkäufer, die in einem Bundesstaat nicht präsent sind, jedoch Umsatz in diesem Staat verzeichnen beziehungsweise eine gewisse Summe an Transaktionen durchführen, sind verpflichtet, die Sales-Tax von Käufern in diesem Staat einzutreiben und abzuführen.

Wie alle Verkaufssteuergesetze unterscheidet sich die Gesetzeslage hinsichtlich des Economic Nexus von Staat zu Staat. Vor allem der Schwellenwert, der einen Nexus auslösen kann, variiert stark – er liegt zwischen 0 und 500.000 USD. In Alabama beispielsweise muss ein Unternehmen von außerhalb des Bundesstaates materielle Einzelhandelsverkäufe von mehr als 250.000 USD im vergangenen Kalenderjahr getätigt haben, um einen Economic Nexus zu schaffen. Ein Fernverkäufer in South Dakota muss dagegen Bruttoeinnahmen aus materiellen Verkäufen, elektronisch gelieferten Produkten oder Dienstleistungen in Höhe von 100.000 USD oder mindestens 200 Transaktionen während des vergangenen oder laufenden Kalenderjahrs durchgeführt haben, damit er einen Economic Nexus auslöst.

Wenn Unternehmen einen Nexus in einem Bundesstaat hervorgerufen haben, kann dieser über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben. Er kann auch nach der Einstellung der Geschäftstätigkeit oder der Präsenz in einem Staat für einen Zeitraum bestehen bleiben, der bis zum Ende des Kalenderjahrs oder sogar noch länger dauern kann. Daran sollten Unternehmen unbedingt denken, insbesondere wenn sie den Nexus durch eine vorübergehende Präsenz, wie beispielsweise durch die Teilnahme an Veranstaltungen, ausgelöst haben.

Sales-Tax

Neben dem Nexus ist außerdem die Sales-Tax zu beachten, die in etwa mit der deutschen Umsatzsteuer vergleichbar ist. Die Sales-Tax wird nur auf der Einzelhandels-ebene auf den Verkauf oder das Leasing von Waren sowie Dienstleistungen in den Vereinigten Staaten erhoben. Es gibt keine nationale allgemeine Sales-Tax, stattdessen bestimmen die Bundesstaaten, wann diese abgeführt werden muss.

Die Sales-Tax ist komplex und variiert nicht nur nach Bundesstaat, sondern auch nach Bezirken (den Counties) und Städten. So können zu der bundesstaatlich festgelegten Sales-Tax gegebenenfalls lokal weitere Aufschläge der Counties beziehungsweise Städte hinzukommen. Unternehmen drohen Strafgelder bei einer nicht korrekten beziehungsweise fehlenden Steuerabführung.

Eine konventionelle Sales-Tax wird am Verkaufsort erhoben, vom Einzelhändler eingezogen und an die Regierung weitergeleitet. In Fällen, in denen Artikel mehr als einmal verkauft werden, wie beispielsweise Gebrauchtwagen, kann die Sales-Tax unbegrenzt auf denselben Artikel erhoben werden.

Den Durchblick behalten

Gerade für nichtamerikanische Unternehmen ist es schwierig zu verstehen, wann sie einen Nexus geschaffen haben und somit die Sales-Tax abführen müssen. Jedoch ist es für sie von entscheidender Bedeutung zu wissen, wo sie bereits einen Nexus ausgelöst haben und wo sie in Zukunft einen haben könnten, um Strafen und Bußen zu vermeiden.

1) Drop-Shipping ist eine Methode der Einzelhandelsabwicklung, die verwendet wird, wenn ein Einzelhändler Artikel nicht auf Lager hat, sondern sie bei einem Drittanbieter bestellt und direkt an den Kunden liefern lässt.

avalara_de@berkeleypr.de

www.avalara.com

 

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