Brasilien, Malaysia, Tansania oder andere ferne Länder – wer dächte da nicht an entspannte Stunden unter Palmen an weißen Sandstränden? Die Entspannung ist allerdings schnell dahin, wenn man versucht, Zahlungen in den lokalen Währungen dieser Länder auszuführen. Devisenbestimmungen und aufwendige Formalitäten erschweren die Prozesse und machen diese Zahlungen zu zeit- und kostenintensiven Sondertransaktionen bei Unternehmen und Banken.

Von Karoline von Richthofen, Leiterin Trade Finance/Cash Management Corporates, Regionen Köln und Wuppertal, Deutsche Bank AG

Der weltweite Handel floriert, und Deutschlands Außenhandelsaktivitäten boomen. Anders als in den USA, wo die weltweiten Warenströme zum überwiegenden Teil in US-Dollar bezahlt werden, sind deutsche Unternehmen von jeher daran gewöhnt, zumindest einen Teil ihrer Im- und Exporte in der Währung des Handelspartners abzuwickeln.

Dies hat eine Reihe von Vorteilen:
Für den deutschen Exporteur kann es ein zusätzliches Verkaufs­argument sein, Handelsgeschäfte auch in der ausländischen Währung ausführen zu können. Umgekehrt kann es einen Verhandlungs- und Preisvorteil bringen, wenn ein Unternehmen bereit ist, Importe in ausländischer Währung abzuwickeln.

Dies kann insbesondere dann ein hilfreiches Zusatzargument sein, wenn es sich um große und einflussreiche Lieferanten handelt. Unternehmen, die Handelsgeschäfte in ausländischer Währung abwickeln, nehmen ihren Kunden und Lieferanten das Wechselkursrisiko ab und verlagern es in ihr Heimatland, wo sie es selbst oft effizienter steuern können.

Für die meisten frei konvertierbaren ­Währungen sind die Prozesse zur Ab­wicklung solcher Transaktionen hochstandardisiert und automatisiert. Unternehmen, die gegenläufige Zahlungsströme oder hohe Volumen in einer Währung haben, führen üblicherweise Währungskonten, über die sie ein mehr oder weniger aktives Währungsmanagement betreiben. Bei Zahlungsströmen in geringerem Umfang werden die Transaktionen über Euro-Konten geleitet und in den Zahlungsverkehrs­systemen der Banken automatisch konvertiert.

Dies ist deutlich schwieriger bei den nicht frei handelbaren (sogenannten „exotischen“) Währungen, wie beispielsweise dem brasilianischen Real, dem Tansanischen Schilling oder dem malaysischen Ringgit. Konten können in diesen Währungen in Deutschland nicht geführt ­werden, da die Währung nur im Heimatland gehalten wird. Zahlungen können zwar ausgeführt werden, doch ist dies ein manueller und sehr zeitaufwendiger Prozess:

  • Nach Erhalt des Zahlungsauftrags erfragt die Bank des Auftraggebers schriftlich bei der ausländischen Empfängerbank den aktuellen Umrechnungskurs. Erfahrungsgemäß kann es mehrere Tage dauern, bis eine Antwort gegeben wird.
  • Basierend auf dem genannten Kurs, rechnet die Auftraggeberbank den Währungsbetrag um und leitet den Gegenwert in Euro an die Empfängerbank.
  • Dem Empfänger wird dann der Betrag in der Währung seines Landes gutgeschrieben, der deutsche Auftraggeber wird in Euro belastet.

Trotz dieses aufwendigen Verfahrens sehen wir einen steigenden Bedarf, Zahlungen in solchen Währungen auszuführen. Insbesondere Unternehmen oder Organisationen, die Aktivitäten in einer Vielzahl von Schwellenländern haben, suchen nach effizienten Lösungen für die Abwicklung ihres Zahlungsverkehrs dorthin.

Die Deutsche Bank hat diese Anforderungen aufgenommen und vor einiger Zeit ein spezielles Multiwährungssystem mit dem Namen „FX4Cash“ auf den deutschen Markt gebracht. Dieses System kombiniert die Stärken der Bank als weltweit größtes Devisenhandelshaus mit den Funktionalitäten ihrer hochentwickelten Zahlungsverkehrsplattform.

FX4Cash ist fest integriert in bestehende Zugangskanäle der Bank und unterstützt verschiedene Bezahlmethoden (z.B. SWIFT-Überweisung, Scheck), Handelsvaluten und Kursarten. Mit diesem System können Zahlungen in über 120 Währungen – vom albanischen Lek bis zum sambischen Kwacha – automatisch beauftragt und abgewickelt werden.

Dies ist aber nicht nur relevant für exotische Währungen: Spezielle, integrierte Handelsfunktionen machen das System auch interessant für die Abwicklung von Zahlungen in frei konvertierbaren Währungen. Insbesondere, wenn die Trans­aktionsvolumen in einer Währung zu gering sind, um das Führen eines Währungskontos zu rechtfertigen, ermöglicht FX4Cash ein aktives Währungsmanagement auf Einzel- oder Sammeltransak­tionsebene.

So kann FX4Cash beispielsweise genutzt werden, um mehrere Zahlungsaufträge der selben Währung zu bündeln und den Gegenwert in einem Betrag zu einem vorteilhaften Echtzeitkurs über das System zu handeln. Die Zahlungen werden in FX4Cash erfasst oder importiert und einzeln zu dem gehandelten Kurs ausgeführt. Dem Nutzer werden detaillierte Informationen zur Verfügung gestellt, so dass Transparenz und jederzeitige Kontrolle gewährleistet sind. Auch für eingehende Zahlungen können die Konvertierungsfunktionen von FX4Cash genutzt werden.

Damit bietet das System eine einheitliche Lösung für sämtliche grenzüberschreitenden Fremdwährungszahlungen eines Unternehmens, die aktiv gesteuert werden sollen, für die sich aber eigene Konten nicht lohnen.

Neben der Konvertierungsfunktion ist aber im Fremdwährungszahlungsverkehr auch die Ausführung der Zahlung zwischen den beteiligten Banken – das sogenannte Clearing und Settlement – von großer Bedeutung und komplexer als für den Euro. Die Abwicklung läuft über sogenannte Nostrokonten, die eine Bank in dem jeweiligen Heimatland der verschiedenen Währungen hält. Dabei ist ein globales Netz von Korrespondenzbanken notwendig, um Zahlungen verschiedenster Währungen in alle Ecken der Welt transportieren und dort bis zur endgültigen Empfängerbank ausführen und entgegennehmen zu können.

Durch ihre Stellung als größte Clearingbank im Euro-Zahlungsverkehr hat die Deutsche Bank Korrespondenzbankverbindungen mit mehr als 3.000 Banken weltweit. In allen wichtigen Währungen werden Nostrokonten unterhalten, so dass eine direkte und schnelle Abwicklung des Zahlungsverkehrs gewährleistet ist. Für alle anderen unterstützten Währungen kann auf lokale Partner zurückgegriffen werden. Eine intelligente Leitwegsteuerung in den Abwicklungssystemen ermöglicht es dabei, anhand flexibler Routingkriterien den schnellsten und günstigsten Weg zur Empfängerbank zu identifizieren.

Für Unternehmen kann die Flexibilität, ihren Außenhandel in verschiedenen Währungen abwickeln zu können, einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen. Je nach der Situation und den Erwartungen ihrer Abnehmer und Lieferanten kann dies ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal in der Geschäftsverbindung sein.

Die Verfügbarkeit verschiedenster Lösungen – vom Fremdwährungskonto bis hin zu flexiblen Konvertierungslösungen – ermöglicht es, diesen Wettbewerbsvorteil zu nutzen, ohne die Effizienz im Zahlungsverkehr und Cashmanagement zu beeinträchtigen.

Kontakt: karoline-von.richthofen[at]db.com

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