Das im März 2019 unterzeichnete und am 30. Mai 2019 in Kraft getretene Abkommen zur Schaffung einer Freihandelszone in Afrika (AfCFTA) stellt eine der wichtigsten, grundlegendsten und wegweisendsten Entwicklungen auf dem Kontinent dar.

Für Anleger und Exporteure in Subsahara-Afrika lassen sich aktuell drei wichtige Trends beobachten, die in Zukunft einen großen Einfluss auf Investitionsentscheidungen und Handel haben dürften. Bei diesen Trends handelt es sich um die zunehmende Lokalisierung, die Freihandelszone der Afrikanischen Union (AfCFTA) und den nachlassenden Einfluss Chinas.

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Viele afrikanische Länder setzen in verschiedenen Branchen Local-Content-Vorschriften um und unterziehen teilweise auch die bestehende Gesetzgebung einer Überprüfung. Vermehrt ist in Empfängerländern der Wunsch nach lokaler Beteiligung bei der Wertschöpfung zu beobachten. Länder wie Nigeria, Südafrika, Tansania, Äthiopien, Ruanda und viele weitere haben bereits Local-Content-Vorschriften eingeführt, die auch streng durchgesetzt werden.

Steigender Lokalisierungsbedarf in der gesamten Region

Ein im Inland erzielter Wertschöpfungsanteil ist nun Voraussetzung für eine Geschäftstätigkeit in diesen Ländern. Dies bietet zwar ausländischen Anlegern und dem jeweiligen Empfängerland gleichermaßen viele Chancen, birgt aber auch enorme Herausforderungen. Eine zum Teil unzureichende Local-Content-Gesetzgebung bzw.  Rechtsprechung kann ausländische Unternehmen durch höhere Kosten und Steuern belasten, was wiederum zu Investitionszurückhaltung und langsamerem Wachstum im jeweiligen Land führt. Die Situation wird für alle Beteiligten durch den Mangel an verfügbaren und für den Local-Content geeigneten Arbeitskräften und fehlende technische Möglichkeiten leider noch weiter verschärft.

Angesichts des breiten Zuspruchs bei den Wählerinnen und Wählern wird der Trend zur Lokalisierung voraussichtlich jedoch anhalten und sich weiter verstärken. Ausländische Investoren und Exporteure werden als Reaktion auf diese Entwicklung ihre Strategien überdenken müssen. Zu den verschiedenen Möglichkeiten zählen Partnerschaften mit lokalen Akteuren und die Schaffung einer Präsenz vor Ort, Capacity-Building, also die Umsetzung berufsbildender Maßnahmen, sowie die Einbindung lokaler Mitarbeiter ins Management.

Die Freihandelszone der Afrikanischen Union (AfCFTA) mischt die Karten neu

Das im März 2019 unterzeichnete und am 30. Mai 2019 in Kraft getretene Abkommen zur Schaffung einer Freihandelszone in Afrika (AfCFTA) stellt eine der wichtigsten, grundlegendsten und wegweisendsten Entwicklungen auf dem Kontinent dar.

Das Abkommen sieht als endgültiges Ziel die Schaffung eines kontinentalen Binnenmarkts mit freiem Austausch von Waren, Dienstleistungen, Arbeit und Kapital vor. Es wurde von 52 afrikanischen Ländern unterzeichnet. Nigeria, die größte Volkswirtschaft des Kontinents, hat gerade angekündigt, das Abkommen ebenfalls zu unterzeichnen. Durch das AfCFTA soll ein Markt mit einem Volumen von 2,5 Bill USD entstehen, in dem 1,2 Milliarden Menschen leben. Derzeit werden auf dem afrikanischen Kontinent Zölle in Höhe von durchschnittlich 6,1% erhoben. Noch macht der Handel zwischen afrikanischen Ländern lediglich 15% des kontinentalen Handelsvolumens aus (demgegenüber hat der Handel mit der EU einen Anteil von 67%). Durch das neue Abkommen dürfte der Handel zwischen den afrikanischen Volkswirtschaften stark ansteigen und damit wahrscheinlich auch das BIP der einzelnen Mitgliedstaaten.

Allerdings müssen zum Ankurbeln des Handels zwischen afrikanischen Ländern noch zahlreiche Hürden überwunden werden. Zunächst einmal handelt es sich beim AfCFTA nicht um das erste in bester Absicht geschlossene panafrikanische Abkommen. Viele frühere Abkommen führten nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Dies lag vor allem an mangelndem Durchsetzungswillen, fehlenden sinnvollen politischen Konzepten und zu kurzfristig orientiertem Handeln sowie unzureichenden Sanktionen für Verstöße gegen diese Abkommen. Darüber hinaus gibt es nach wie vor zahlreiche andere Hindernisse, etwa die mangelhafte Infrastruktur (insbesondere länderübergreifend), politisch schwache Mitgliedstaaten und eine erdrückende Schuldenlast. Die Vielzahl dieser Probleme gefährdet die erfolgreiche Umsetzung der Vereinbarung und die Nutzung der damit verbundenen Chancen.

Trotzdem gilt, dass kein vorheriges regionales Handelsabkommen auf dem Kontinent von so vielen Staaten unterzeichnet wurde. Es stellt zweifellos einen Meilenstein für den afrikanischen Kontinent dar. Anleger und Exporteure könnten von einem größeren Markt und den sich daraus ergebenden vielfältigen Geschäftschancen profitieren.

Nachlassender Einfluss Chinas?

Trotz des chinesischen Milliardenprojekts „One Belt, One Road“ gibt es Anzeichen für nachlassende Investitionen aus China. Das Schlagwort lautet „nachhaltige Kredite“. In China beginnt man Bedenken hinsichtlich der Kreditrisiken zu hegen, die gegenüber afrikanischen Ländern bestehen. Aufschlussreich ist hierbei das Beispiel Kenias, das für die zweite Phase des Eisenbahnprojekts „Standard Gauge Rail“ (SGR) nicht die nötigen Finanzmittel aufbringen konnte, was angeblich mit einer von China angeforderten Studie zur Wirtschaftlichkeit des Projekts zusammenhing. Das sich abschwächende Wirtschaftswachstum und der Handelskrieg mit den USA tragen ebenfalls zum Rückgang bei den chinesischen Investitionen bei. Mittelfristig könnte jedoch der Handelskrieg das Interesse Chinas an Afrika noch verstärken.

Die afrikanischen Staaten selbst treten mittlerweile selbstbewusster auf, so dass sich die Beziehungen und damit auch die Aktivitäten Chinas leicht verändert haben. War die Beziehung einst ausschließlich von der Ausbeutung von Ressourcen geprägt und wurde den Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft – im Verhältnis zu europäischen bzw. westlichen Anlegern und Darlehensgebern – nur geringe Beachtung geschenkt, wird der Dialog mittlerweile vielschichtiger geführt: Themen wie Umwelt- und Gesellschaftsprobleme spielen zunehmend eine Rolle. Zudem haben auch die chinesischen Akteure ihr Verhalten geändert und investieren vermehrt in erneuerbare Energien. Ganz klar: China ist weiterhin das Land, das in Afrika am deutlichsten als Geldgeber und Förderer von Infrastrukturprojekten in Erscheinung tritt. Allerdings zeichnet sich ein Trend zu neuen Chancen ab, die westliche Anleger, Finanzinstitute und Exporteure nutzen können, um durch Investitionen auf dem Kontinent allmählich zu China aufzuschließen. Dabei spielt eine Reihe verschiedener Faktoren eine Rolle.

Zum Beispiel lässt das Thema Brexit das Vereinigte Königreich in Richtung Süden blicken, so hat UK Export Finance kürzlich ein Büro in Ghana eröffnet. Das beim G20-Gipfel 2017 von der Bundesrepublik initiierte „Africa Compact Program“ hat als Kernelement die Bildung individuell zugeschnittener Investitionspartnerschaften (Compacts) mit interessierten afrikanischen Ländern. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für privatwirtschaftliche Investitionen in Afrika zu verbessern. Zugute kommen westlichen Akteuren außerdem ihre historisch bedingte langjährige Erfahrung und damit die Kenntnis lokaler und regionaler Risiken sowie des Umgangs mit ihnen.

Nicht zuletzt beobachten wir eine leichte Verschiebung der Prioritäten seitens afrikanischer Partner. Während vielfach die von westlichen Investoren und Finanzinstituten gesetzten Bedingungen zu ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit nur als Ursache für Engpässe und erhöhte Kosten wahrgenommen wurden, werden allmählich die Vorteile nachhaltiger Investitionen erkannt.

Der Trend zur Lokalisierung, das AfCFTA und die sich wandelnde Rolle Chinas sind drei Faktoren, die derzeit den Markt grundlegend umkrempeln und vermutlich noch an Bedeutung gewinnen werden. Wie sich diese Entwicklungen sowohl auf das wirtschaftliche Wachstum Afrikas als auch auf Handels- und Exportchancen deutscher und europäischer Unternehmen mittel- und langfristig auswirken werden, bleibt abzuwarten.

Die KfW IPEX-Bank finanziert auf selektiver Basis größere deutsche und europäische Exportgeschäfte und Investitionsvorhaben. Sie ist mit einer Repräsentanz in Johannesburg vertreten und unterstützt die Frankfurter Zentrale im Rahmen der Kundenpflege, Marktbeobachtung und Geschäftsanbahnung.

Joseph.Mbuyi@kfw.de

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