Seit März findet praktisch kein persönlicher Austausch in größeren Gruppen mehr statt. Zudem werden die Mittel für die Weiterbildung der Mitarbeiter in vielen Unternehmen zurückgefahren. Es gibt aber weiterhin interessante Schulungsmöglichkeiten und einen großen Schulungsbedarf.

Weiterbildung ist die Voraussetzung für anhaltend hohe Kompetenz. Doch die aktuelle Situation verlangt gerade große Anpassungsfähigkeit: Die Märkte leiden unter dem Coronavirus, und die Unternehmen laufen auf Sparflamme. Wie sollten sich Exportmanager jetzt weiterbilden? Was sind die Herausforderungen, wenn die Erholung eine neue internationale Zusammenarbeit formt?

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Viele Exportverantwortliche (und Journalisten) blicken mit Wehmut auf die Präsenzveranstaltungen im Januar und Februar zurück. Vollgepackt mit nützlichen Informationen und hilf­reichen Kontakten, kehrte man ins Büro zurück und freute sich schon auf den nächsten Austausch. Doch seit März findet praktisch kein persönlicher Austausch in größeren Gruppen mehr statt. Zudem werden die Mittel für die Weiterbildung der Mitarbeiter in vielen Unternehmen zurückgefahren. Es gibt aber weiterhin interessante Schulungsmöglichkeiten und einen großen Schulungsbedarf.

Weiterbildung für die neue Weltwirtschaft

Die dramatische Veränderung der weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen erleben die meisten Exporteure am eigenen Leib. Gerade hat der Internationale Währungsfonds einen Rückgang der weltweiten Wirtschaftsleistung und einen noch stärkeren Einbruch des Welthandels für das laufende Jahr prognostiziert. Doch bereits 2021 soll eine kräftige Erholung folgen, auf die man sich jetzt vorbereiten sollte. Weitere Herausforderungen kommen dazu: 2021 ist Großbritannien für EU-Exporteure Drittland, und im Weißen Haus sitzt ein neugewählter Präsident. Die Erfahrungen mit dem Coronavirus dürften viele weitere Staaten zu einer stärkeren Eigenversorgung drängen.

Damit stellt sich Exportunternehmen die Frage, wie das Auslandsgeschäft zukünftig ausgerichtet werden soll. Die Konsequenzen des Brexits – und die möglicherweise bis dahin noch erreichten Vereinbarungen – müssen durchdacht und in das Geschäft mit Großbritannien eingeplant werden. Das neue chinesische Exportkontrollgesetz und die US-Exportkontrolle werden den schwelenden Konflikt zwischen beiden Ländern zusätzlich anheizen. Darauf müssen sich Exportkontrollbeauftragte vorbereiten.

Onlineangebote setzen sich durch

Gefühlt sind derzeit alle Ansprechpartner in Telefonkonferenzen oder Onlinemeetings. Die virtuelle Kommunikation setzt sich aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen schlagartig durch. So lässt sich auch der Austausch mit Kompetenzträgern organisieren, die ihr Fachwissen in Webinaren und anderen Onlineformaten anbieten. Vorteil: Die Kosten und der Zeitaufwand sind deutlich geringer als bei Präsenzveranstaltungen. Einzelne Programmpunkte lassen sich gezielt nutzen und direkt im Tagesgeschäft anwenden. Nachteil: Die anderen Teilnehmer bleiben in der Regel anonym, und der Vernetzungseffekt fehlt. Doch inzwischen werden von einigen Anbietern gezielt Veranstaltungs-Apps oder Gruppen in sozialen Netzwerken bereitgestellt, die eine Vernetzung ermöglichen.

Ramona Stuible-Huber, Head of Order Processing, Customs and Export Control, hat bereits Webinare besucht und sieht sie als gute Lösung für die aktuelle Situation. „Ich finde es gut, dass viele Präsenzseminare nun als Webinar stattfinden“, meint Stuible-Huber – wenngleich es ihrer Meinung nach nicht alles ersetzen kann. Man sei anonymer und könne nicht so viel beitragen und mit anderen Teilnehmern interagieren. „Dann merke ich auch bei mir, dass man sich leichter ablenken lässt. Man sieht die nächste E-Mail und antwortet schnell“, berichtet die Exportverantwortliche.

Doch die Webinare haben nach Ansicht von Stuible-Huber gelegentlich auch Schwächen: „Ich finde, dass die Preise für ein zwei- bis dreistündiges Webinar bei manchen Anbietern nicht gerechtfertigt sind.“ Kostenlose Angebote zum gleichen Thema seien vom Niveau her genauso gut und oft sogar besser. Auch die Uhrzeiten seien bisweilen ungewöhnlich. „Da wünsche ich mir mehr Flexibilität“, sagt Stuible-Huber. Bei aller Diskussion über und Vorbereitung auf digitale Anwendungen seien zudem offenbar noch nicht alle in der digitalen Welt angekommen. Stuible-Huber erlebte dies auch bei Webinaren: „Was mich massiv stört, und deshalb habe ich auch schon das ein oder andere Webinar abgebrochen, sind Dozenten, die nur die Präsentation vorlesen und nicht auf die besonderen Anforderungen von Webinaren vorbereitet sind.“ Aber dieses Phänomen gibt es durchaus auch auf Präsenzveranstaltungen.

Updates, Best Practices und Qualifikation gefragt

In einer kleinen Umfrage in der Leserschaft des „ExportManagers“ berichteten Exportverantwortliche von einer bislang eher zurückhaltenden Nutzung von Weiterbildungsangeboten. Nora Bartos, Chief Export Control Officer Pharma der F. Hoffmann-La Roche AG, nannte die „regelmäßige Nutzung von Fachtagungen, Seminaren und Webinaren, die momentan online stattfinden“. Dabei geht es ihr um aktuelle Informationen und um Best Practices anderer Unternehmen.

Eine regelmäßige Weiterbildung zu rechtlichen Rahmenbedingungen für Exporte gibt es auch im Team von Kristian Mertlik, Leiter Export & Außenwirtschaft der Murrplastik Systemtechnik GmbH. Doch auch eine weitergehende Qualifikation bietet sich für Exportmanager an. Mertlik hat sich bereits vor Jahren durch eine Ausbildung zum Industriefachwirt und einen Abschluss in Betriebswirtschaft nach ­Feierabend die Basis für seine aktuelle Position erarbeitet. Das wäre auch eine Option in Phasen der Auftragsflaute und Kurzarbeit.

Weiterbildung für die digitale Transformation

Ein schönes Beispiel für die gezielte Vorbereitung auf die sich verändernden Anforderungen berichtete eine Leserin des „ExportManagers“. Sie arbeitet in der Automobilzulieferbranche und musste ihre Arbeitszeit zurückfahren. Dann stieß sie auf das Angebot einer Hochschule, die eine eigentlich kostenpflichtige Weiterbildung zum Thema „Digitale Transformation“ gratis anbot – ein Thema, das sie ohnehin interessierte und das in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen wird, nicht nur im Unternehmen selbst, sondern auch bei der Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle – und in der Kommunikation. Seither nutzt sie die freie Zeit zur Vorbereitung auf die Herausforderungen, die sie im Anschluss an die Coronakrise für ihre Tätigkeit erwartet.

Auslandsmärkte und Förderangebote im Fokus

Zu diesen Herausforderungen zählen auch veränderte Geschäftsbedingungen im Auslandsgeschäft. Exportmanager sind aktuell mit einer oft stark rückläufigen Nachfrage, veränderten Angebots- und Liefermöglichkeiten, steigenden ­Risiken und einer Vielzahl von darauf gerichteten staatlichen Hilfsmaßnahmen beschäftigt. Standen vor kurzem noch nahezu täglich Schulungsangebote zum Brexit auf dem Veranstaltungskalender, so sind es aktuell Webinare zur Coronakrise. GTAI, IHKs, Ländervereine, Branchenverbände sowie zahlreiche Weiterbildungsanbieter, Kanzleien, Banken und Berater halten die Exportwirtschaft zu den wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus auf dem Laufenden.

Ein Beispiel für die aktuellen Veränderungen in der Exportförderung sind die erweiterten Deckungsmöglichkeiten. So sind Hermesdeckungen bis Jahresende auch in Ländern der EU und ausgewählten OECD-Ländern mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren möglich.

Die Lage in Asien, Afrika und Amerika ändert sich fast stündlich mit den Wasserstandsmeldungen zur Ausbreitung des Coronavirus sowie den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Gegenmaßnahmen. Exporteure bangen um ihre Außenstände und Investoren um den Fortbestand ihrer Unternehmen vor Ort. Doch wie die öffentliche Hand in Deutschland bieten inzwischen nahezu alle Entwicklungs- und Förderinstitutionen weltweit spezielle Coronahilfen sowie Beratungen an. Es lohnt sich, diese Angebote kennenzulernen und die Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen zu suchen.

Eine Übersicht über einige der Angebote hält die Agentur für Wirtschaft und Entwicklung auf ihrer Website HIER bereit.

gunther.schilling@frankfurt-bm.com

www.frankfurt-bm.com

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