Der grenzüberschreitende Handel wird als maßgeblicher Treiber der deutschen Konjunktur immer wichtiger. Die Zuversicht der Unternehmen kommt u.a. in der Umfrage „Going International“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertages vom Dezember 2014 zum Ausdruck: Von 2.000 befragten auslandsaktiven Unternehmen rechnen demnach 85% mit wachsenden oder zumindest gleichbleibenden Erträgen.

Von Martin Keller, Leiter Anlage- und Risiko­management der Mittelstandsbank, Commerzbank AG und Wilfried Schmitz, Geschäftsführer, CTX Thermal Solutions GmbH

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Vor diesem Hintergrund beschäftigen sich die Finanzverantwortlichen intensiver denn je mit dem Währungsmanagement. Während vielerorts darunter lediglich die reine Absicherung von Wechselkursrisiken verstanden wird, geht die CTX Thermal Solutions GmbH einen Schritt weiter: Ihr Ziel ist es, gleichzeitig an positiven Wechselkursveränderungen teilzuhaben.

Die 1997 gegründete CTX Thermal Solutions GmbH mit Sitz im niederrheinischen Nettetal bietet umfassende technische Kompetenz bei der Entwicklung und Vermarktung von projekt- sowie anwendungsspezifischen Kühllösungen. Anfangs machte der Vertrieb von Standardkomponenten den Großteil des Geschäfts aus, heute erwirtschaften die 20 Mitarbeiter mehr als 85% der Umsätze durch jeweils applikationsspezifische Kühllösungen. Anwendungsbereiche für die Produkte des Unternehmens finden sich u.a. in Büro-, Medizin- und Haustechnik, Elektro- und Laborgeräten, Weißer und Brauner Ware, regenerativen Energien, Automobilelektronik, Telekommunikation, Bahntechnik, Computern, Industrieschaltschränken sowie LED-Lichttechnik.

Für ihre stabile wirtschaftliche Unternehmenssituation wurde CTX im vergangenen Jahr mit dem Bisnode-Bonitätszertifkat ausgezeichnet. Das Fundament dieser Wertschätzung liegt darin, dass sich CTX durch ein außergewöhnlich breites Angebot an Kühlkörpern und Kühlkonzepten von den Wettbewerbern unterscheidet. Um für die vielfältigen Kühllösungen weiterhin zuverlässige und kurze Lieferzeiten zu garantieren, wurden Anfang 2015 ein erweitertes Logistikzentrum in Betrieb genommen und die Kapazitäten mehr als verdoppelt.

Rund 96% der Beschaffung tätigt die CTX Thermal Solutions GmbH im Ausland, und 80% davon werden nicht in Euro, sondern vor allem auf US-Dollar- oder Renminbi-Basis abgewickelt. Da der Fremdwährungsanteil der Unternehmenserträge aber vergleichsweise gering ist und somit Währungspositionen nicht verrechnet werden können („natural hedge“), ist ein aktives Währungsmanagement zur Absicherung des Unternehmenserfolgs unerlässlich.

Die Absicherung des Kursrisikos gegenüber dem US-Dollar ist längst Tagesgeschäft. Anders sieht es mit der chinesischen Währung aus, die zwar immer noch nicht frei konvertierbar ist, sich aber mehr und mehr öffnet. Seit der Verabschiedung des RMB Trade Settlement Scheme 2010 können chinesische Importe und Exporte weltweit in Renminbi bezahlt werden. Das Interesse chinesischer Unternehmen an der Fakturierung ihrer Handelsgeschäfte in ihrer Heimatwährung war von Anfang an groß, denn damit verlagern sie ihr Währungsrisiko auf ihren Handelspartner. Wer ihnen diesen Service bietet, kommt eher ins Geschäft und hat eine bessere Verhandlungsposition. Das machen sich immer mehr deutsche Unternehmen zunutze, zumal das seit kurzem in Frankfurt mögliche Renminbi-Clearing zu einer vereinfachten Abwicklung, günstigeren Abgabefristen für taggleiche Transaktionen, höherer Liquidität und damit auch kompetitiveren Preisen führt.

Die Notwendigkeit einer Absicherung solcher Grundgeschäfte in Fremdwährung – ob in US-Dollar oder Renminbi – hat sich gerade in den vergangenen Monaten deutlich gezeigt. So gewann der US-Dollar innerhalb eines Jahres enorm an Stärke, der Euro rutschte von 1,40 USD auf 1,06 USD (Stand März 2015). Auch der Renminbi wertete gegenüber dem Euro massiv auf. Im März 2014 ergab ein Euro etwa 8,50 CNY, im März dieses Jahres waren es kaum noch 6,50 CNY. Auch die Verdoppelung der zulässigen Schwankungsbreiten des Renminbi durch die chinesische Zentralbank lässt höhere Volatilitäten erwarten.

Absicherung ist also unverzichtbar. Die klassische Lösung dafür sind die seit Jahrzehnten etablierten Devisentermingeschäfte. Sie garantieren einen festen Umtauschkurs an einem frei zu bestimmenden Termin in der Zukunft. Häufig erweisen sich abgeschlossene Devisentermingeschäfte im Nachhinein allerdings als ungünstig: immer dann, wenn sich die Wechselkurse in der Zwischenzeit zugunsten des Unternehmens verändert haben. In diesen Fällen legt ihm das Devisentermingeschäft Fesseln an, es ist an die vereinbarten Kurse gebunden.

Aus diesem Dilemma ergibt sich die Frage, ob sich Absicherung nicht mit Flexibilität und Partizipation an bestimmten Wechselkursentwicklungen verbinden lässt. Genau das macht aktives Währungsmanagement aus. So lassen sich Wechselkursrisiken auch mit Devisenoptionen ausschalten. Der entscheidende Unterschied: Das Unternehmen ist hier nicht zum Währungstausch verpflichtet, wenn es am Markt günstigere Konditionen bekommen könnte. Das Optionsrecht bietet also gleichzeitig Schutz vor finanziellen Nachteilen und eine unbegrenzte Partizipationsmöglichkeit an günstigen Kursentwicklungen. Die passende Absicherung kann aber auch ein chancenorientiertes Termingeschäft mit garantiertem Umtauschkurs bei gleichzeitig individuell gestaltbarer Chancen-Komponente sein.

Auch CTX wollte sich nicht mit der reinen Absicherung zufriedengeben und suchte deshalb das Gespräch mit den Spezialisten des Risikomanagements der Commerzbank. „Der ständige Dialog mit qualifizierten Betreuern sensibilisiert uns, angemessen auf Veränderungen zu reagieren“, so CTX-Geschäftsführer Wilfried Schmitz. In enger Zusammenarbeit mit den Experten analysiert das Unternehmen die erwarteten Cashflows, bewertet die aktuellen Marktkurse und steuert das Währungsrisiko aktiv. Die Analyse basiert dabei unter anderem auf zuverlässigen Planungen der erwarteten Einkaufsvolumina, dem Kalkulationskurs und der erwarteten Fremdwährungsentwicklung. Hierfür greift CTX auch auf das bewährte Research der Bank zurück. Es liefert fundierte und prägnante Analysen mit konkreten Handlungsempfehlungen und legt neben längerfristigen Trends besonderen Wert auf die Einbeziehung kurzfristiger Momentumfaktoren. Gerade die Stärke des US-Dollar zeigt, wie wichtig ein regelmäßiger Austausch mit den Währungsspezialisten ist. Nur so können eine hohe Flexibilität und die notwendige Geschwindigkeit erreicht werden, mit denen Unternehmen schnell auf Marktveränderungen reagieren.

So gelingt es CTX heute nach eingehender Beratung, durch einen Mix aus Absicherungen mit Chancenanteil („Forward-Katalog“) und Strategien zur gezielten Kursverbesserung (z. B. „Callable Forward“) den Einkauf zu optimieren. Auf diese Weise können trotz der hohen Anforderungen an die Absicherung des Währungsportfolios auch verbesserte Kalkulationskurse erreicht werden.

Die Absicherungsprodukte des Forward-Katalogs kombinieren die Vorteile aus Devisentermingeschäft und Option. Außerdem zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie ohne direkten Prämienaufwand auskommen und für den Kunden einfach im Handling sind. Mit dem garantierten Terminkurs wird ein „Worst Case“-Umtausch­ergebnis definiert. Diese chancenorientierten Termingeschäfte können für alle gängigen Währungen dargestellt werden und sind bis zum Worst Case bilanzierbar.

Zusätzlich setzt CTX auf Strategien zur gezielten Kursverbesserung und nutzt dazu etwa Callable Forwards. Der Umtauschkurs für eine Serie von Termingeschäften ist dabei günstiger als vergleichbare Devisenterminkurse. Dies wird erreicht, indem das Unternehmen seiner Bank Kündigungsrechte gewährt: Am jeweiligen Fälligkeitstag der vereinbarten Umtauschtermine findet ein Währungstausch zum vereinbarten Callable-Forward-Kurs statt. Macht das Kreditinstitut von seinem Kündigungsrecht Gebrauch, erlischt die Kurssicherung zum nächsten Zeitpunkt, und der Callable Forward endet vorzeitig.

Eine zusätzliche Kursverbesserung im Vergleich zu konventionellen Termingeschäften können Unternehmen durch die Vereinbarung eines Hebels erzielen. Dieser erhöht den potentiell zu tauschenden Betrag, sofern der aktuelle Wechselkurs günstiger als der vereinbarte Callable-Forward-Kurs ist und die Bank das Kündigungsrecht noch nicht ausgeübt hat. Im Gegensatz zum chancenorientierten Termingeschäft ist der Nominalbetrag beim Callable Forward nicht fix, sondern variabel, da der finale Gesamtumtausch bei Geschäftsabschluss noch nicht bekannt ist.

Kontakt: martin.keller[at]commerzbank.com ; wilfried.schmitz[at]ctx.eu

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