Italien steckt in der Rezession. Der florierende Export kann die sinkende Inlandsnachfrage nicht ausgleichen. Irland wächst ­konstanter und kommt schrittweise aus der Finanzkrise. In Island ist die Entwicklung sehr dynamisch. Während Coface die ­Länderbewertung für Irland und Island anheben konnte, hinterlässt die Rezession Spuren im Zahlungsverhalten italienischer ­Unternehmen. Für 2013 rechnet Coface mit einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung in Italien.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

Als eine der am stärksten industrialisierten Volkswirtschaften der Euro-Zone erlebte Italien in den vergangenen sieben Quartalen einen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Das reale BIP sank 2012 um 2,4% und dürfte 2013 um weitere 1,3% zurückgehen. Der Konsum der Haushalte geht zurück, da die Kaufkraft sinkt und die Arbeitslosigkeit zunimmt. Langfristig bleibt das Wachstum durch das extrem schwache Aktivitätsniveau und die niedrige Innovationsquote geschwächt.

Italien verzeichnet angesichts sinkender Importe und leicht zunehmender Exporte einen steigenden Außenbeitrag. Doch auch die günstige Exportentwicklung konnte den Rückgang der Inlandsnachfrage nicht kompensieren. Da die finan­ziellen Mittel für Investitionen fehlen, verlieren die italienischen Unternehmen deutlich Weltmarktanteile. Sie befinden sich in einem Teufelskreis aus sinkender Wettbewerbsfähigkeit und abnehmenden Margen.

In diesem Umfeld hat Coface eine Verschlechterung des Zahlungsverhaltens italienischer Unternehmen festgestellt. Sie weisen zwar traditionell eine höhere Zahlungsausfallsrate als Unternehmen anderer europäischer Länder auf. Seit Beginn der Krise hat sich dieser Abstand jedoch noch erhöht. Während die Zahlungsausfälle 2007 noch dreimal höher als in Frankreich waren, beträgt die italienische Ausfallrate inzwischen das Sieben­fache des französischen Wertes.

Nach Erkenntnissen der Volkswirte von Coface hat dieser beunruhigende Trend Ursachen, die über das ungünstige wirtschaftliche Umfeld hinausgehen. Vor allem der dramatische Rückgang der Gewinnmargen hindert die italienischen Unternehmen an Investitionen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.

Das damit einhergehende Risiko einer Unternehmensinsolvenz steigt zudem mit dem Anteil kleinerer Unternehmen, der in Italien sehr hoch ist. 95% der Unternehmen haben weniger als zehn Beschäftigte, und ihre Produktivität nimmt ab.

Eine weitere Schwäche der italienischen Wirtschaft ist die mangelnde Zahlungspünktlichkeit im öffentlichen Sektor. Die Traditionen einer langen Zahlungsdauer (170 Tage in Italien gegenüber 60 Tagen in Frankreich, 135 Tagen in Portugal und 159 Tagen in Griechenland) schwächt ernsthaft die Liquidität der Unternehmen.

Während sich Italien abmüht, der westeuropäischen Rezession zu entkommen, sind andere Länder durchaus erfolgreich. Das Wachstum in Island ist kräftig: 3,8% im ersten Quartal 2013 mit einer Prognose von 2,3% aufs gesamte Jahr gerechnet. Die Inflation geht zurück, die Arbeits­losenquote stabilisiert sich. Coface hat Island auf A3 heraufgestuft.

Irland findet langsam, aber stetig aus seiner Bankenkrise heraus. 2013 wird das Wachstum wie 2012 bei 0,9% liegen. Der Leistungsbilanzüberschuss ist ordentlich, die Inlandsnachfrage bildet sich wieder heraus. Die von der Troika überwachten Reform- und Sparpakete haben ohne ­Störungen gewirkt und sollten Ende 2013 erfolgreich abgeschlossen werden können. Das Vertrauen der Investoren ist gestärkt, Irland kann wieder Anleihen an den internationalen Märkten ausgeben. In diesem Kontext sieht Coface Irland in der Bewertung A4 nun mit positivem Ausblick.

In Europa leiden die Tschechische Republik und Slowenien besonders unter den Auswirkungen des wirtschaftlichen Abschwungs in der Euro-Zone. Beide Länder hat Coface auf A4 herabgestuft. In Tschechien sind jetzt 37% der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. In Slowenien sind immer mehr Unternehmen insolvenzgefährdet. Die Verschuldung der Unternehmen beträgt 85% des BIP. ­Verschlimmert wird die Lage durch den angeschlagenen Bankensektor und notleidende Kredite.

Anders als seine Nachbarn befindet sich Polen nicht in einer Rezession, die Verlangsamung ist zyklisch. Die Wirtschaft wird bis Ende des Jahres von der expansiven Geldpolitik profitieren. Dieser Ausblick veranlasst Coface, Polens Bewertung mit A3 nicht mehr unter „negative Watch“ zu führen.

Ausführliche Informationen zu den ­aktuellen Länderbewertungen von Coface finden Sie im Newsroom von Coface unter coface-medien.de.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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