Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) wurden besonders stark von der Wirtschafts- und Finanzkrise in den USA gebeutelt. Nun sorgen sie insbesondere im Industriesektor für überdurchschnittliche Beschäftigungs- und Exportzuwächse und werden als Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft wahrgenommen. Doch damit sie nachhaltig zu einer Erholung der US-amerikanischen Wirtschaft beitragen können, brauchen sie klare Ansagen von der Politik.

Von Christine Altuzarra, Country Risk and Economic Research Department, Coface S.A., Paris

Politische Unsicherheiten und die damit zusammenhängende abwartende Haltung haben die Wirtschaft in den USA – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) – über die letzten Monate davon abgehalten, ihre Entwicklungsstrategien umzusetzen.

Die bevorstehende „Fiskalische Klippe“ – eine Mischung aus Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen, die Anfang 2013 droht, wenn in Washington keine entsprechenden Entscheidungen zustande kommen – verbessert die Lage nicht unbedingt. Hinzu kommt, dass diese Diskussion in die „Congressional Lame Duck Session“ fällt, also die Zeit zwischen den Wahlen und dem tatsächlichen Antritt der neuen Regierung.

Der Wahlsieg von Barack Obama könnte dazu führen, dass die Republikaner die Arbeit der Regierung systematisch behindern werden. Obama steht vor der Herausforderung, einen Kompromiss mit den Republikanern in Sachen Haushaltspolitik zu finden. Diese dürften auf die Fortsetzung der Steuererleichterungen, erhöhte ­Militärausgaben und Kürzungen im Sozialbereich pochen. Somit dürfte die Lage weiterhin angespannt bleiben – eine denkbar schlechte Voraussetzung für die Wirtschaftswelt.

Die Entwicklung des KMU-Vertrauens­indexes, von der National Federation of Independent Business (NFIB) im September 2012 veröffentlicht, dokumentiert, wie sensibel kleine und mittlere Unternehmen auf politische Spannungen reagieren: Als 2010 die Hoffnung schwand, dass es in der Wirtschaft wieder bergauf gehen würde, zeigte sich ein tiefer Knick im Vertrauen der Unternehmen. Ebenso wirkten sich die Folgen der politischen Patt­stellung hinsichtlich der Anhebung der Schuldengrenze mit dem darauffolgenden Downgrading durch Standard & Poor‘s aus.

Die monatliche Umfrage der NFIB zeigt nun, dass die KMUs sich um ihr Umfeld in den nächsten Monaten sorgen. Tradi­tionell beschäftigen sie Sorgen am meisten, die mit der Regulierung zu tun haben – von Steuern und deren Kom­plexität, Änderungen der Regeln und ­Gesetze bis hin zum politischen Management der Wirtschaft. Bemängelt werden vor allem die Inkonsistenz der eingeführten Regulierungen sowie Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Neu hinzugekommene KMU-Sorgen sind zum einen die Unsicherheit in Bezug auf die neue wirtschaftliche Situation (dieses Problem wird so oft genannt, dass es an zweiter Stelle aller genannten Schwierigkeiten liegt) sowie zum anderen die Unsicherheiten in Bezug auf Regierungshandlungen (am vierthäufigsten genannt).

All das führt dazu, dass nur 7% der befragten Unternehmen sagen, die nun beginnende Periode sei günstig für ihre weitere Entwicklung – 2007 waren das noch doppelt so viele (14%).

Präsident Barack Obama sagte in einer Rede am 25. Oktober 2012: „When our small businesses don’t do well, America doesn’t do well. We all have a stake in helping our small businesses to grow and succeed. And because small businesses create two out of every three new jobs in America, our economy depends on it.“

Kleine und mittlere Unternehmen, die in der Definition des US Census Bureau Unternehmen mit einer oder mehreren Niederlassungen sind und bis zu 500 Mitarbeiter haben (Mikrounternehmen, bei denen der Besitzer der einzige Angestellte ist, sind ausgeschlossen), erwirtschaften 46% des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigen mit 56,3 Millionen Menschen 49% der US-amerikanischen Arbeitnehmer, die meisten davon im Gesundheitswesen, gefolgt vom Einzelhandel.

Obwohl das Jahr der Rezession für KMUs besonders hart war – die Anzahl dieser Unternehmen verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um fast 20%, auch die Arbeitsplätze wurden um 6% weniger –, gibt es positive Signale: Der Anteil der KMUs an der Schaffung neuer Arbeitsplätze wuchs um 66% im Vergleich zu 22,5% bei den Unternehmen mit mehr als 500 Angestellten.

Die Analysen der US International Trade Commission (USITC) zeigen darüber hinaus, dass eine Chance für KMUs im Export liegt: Die Verkäufe von exportierenden KMUs stiegen von 2005 bis 2009 um 37% (bei nichtexportierenden gab es ein Plus von 7%). Dämpfend wirkt sich hierbei die schwache geographische Verteilung aus: 58% aller amerikanischen Unternehmen exportieren nur in ein Land, diese enge Fokussierung ist bei KMUs noch stärker ausgeprägt.

Die Obama-Regierung hat das Potential im Exportbereich erkannt: Seit 2010 werden KMUs im Zuge der „National Export Initiative“ durch Exportfinanzierungen, weniger strenge Ausfuhrbeschränkungen etc. unterstützt: Das Ziel ist, die Exporte von 2010 bis 2014 zu verdoppeln.

Tatsächlich scheinen die Maßnahmen zu greifen: Man verzeichnet Wachstumsraten im zweistelligen Bereich, schlechtere Verkäufe nach Europa werden durch eine wachsende Nachfrage aus Asien, aber z.B. auch Brasilien, aufgefangen – die US-Exporte werden also auch 2013 nicht einbrechen, sofern die wirtschaftliche Inte­gration zwischen den USA und Mexiko funktioniert und die Krise in der Euro-Zone sich nicht allzu sehr verschärft.

Die ausführliche Analyse in Englisch steht auf www.coface-medien.de zum Download bereit.

Kontakt: redaktion[at]coface.de

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