Die Ölpreise haben sich leicht erholt, doch eine länger andauernde Aufwärtsbewegung über die Marke von 45 USD je Barrel hinaus ist nicht in Sicht. Die Experten des internationalen Kreditversicherers Atradius prognostizieren eine weitere Abschwächung der globalen Konjunktur. Die Weltwirtschaft wird demnach 2016 mit 2,4% erneut schwächer zulegen als im Vorjahr. Wesentliche Gründe sind die gesunkenen Rohstoffpreise, die geringeren Nachfragezuwächse in China und die Unsicherheit über die Geldpolitik der USA.

Von Andreas Tesch, Chief Market Officer, Atradius Kreditversicherung

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Den Schwellenmärkten steht 2016 ein weiteres schwieriges Jahr bevor. Unsere Volkswirte erwarten für die Emerging Markets aktuell eine durchschnittliche Wachstumsrate von 4%. Das wäre die niedrigste Zunahme seit der Finanzkrise. Der Gegenwind aus dem vergangenen Jahr hält an, niedrige Rohstoffpreise und die Unsicherheit in Bezug auf die US-Geldpolitik drücken auf die Wachstumsaussichten. Hinzu kommen die höheren geopolitischen Risiken und Sorgen über die heimische Wirtschaftspolitik. Auch in den USA und Europa lastet die höhere Unsicherheit auf der Konjunktur.

Verlagerung des Wachstums

Das stärkste Wachstum weisen weiterhin die Emerging Markets in Asien auf, die nach unseren Prognosen 2016 um 5,6% zulegen werden. An der Spitze steht Indien mit einem Plus von 7,6%. Chinas Wachstumsrate sinkt auf 6,5%. Die Nachfrageverlagerung auf die Binnenwirtschaft macht einigen Handelspartnern Chinas zu schaffen. Nicht nur die asiatischen Nachbarn, sondern auch die Rohstoffexporteure in Europa, dem Nahen Osten und Lateinamerika leiden unter der Abschwächung der chinesischen Konjunkturimpulse.

In Mittel- und Osteuropa verbessert sich die wirtschaftliche Situation jedoch gegen den Trend. Russlands reales BIP sinkt nach Einschätzung von Atradius 2016 zwar nochmals um 1,3%. In der Ukraine dürfte die Wirtschaftsleistung aber um 1% zulegen. Insgesamt erhöht sich die regionale Wachstumsrate auf 1,1% nach 0,2% im Vorjahr. Für 2017 rechnen unsere Volkswirte sogar mit einem Plus von 2,3%. Russlands Wirtschaft soll dann wieder um 1,1% wachsen.

Steigende Insolvenzgefahr

Die Kreditbedingungen in den Emerging Markets sind weiterhin sehr restriktiv. Dazu trägt vor allem die zunehmende Unsicherheit auf den globalen Finanzmärkten bei. Vor allem Rohstoffländer und Exporteure, die einen großen Teil ihres Umsatzes mit China machen, dürften steigende Insolvenzen verzeichnen. In Russland und Brasilien wird die Situation durch die ohnehin rückläufige Wirtschaftsentwicklung verschärft. Erst für 2017 wird in beiden Ländern mit einem Ende der Rezession gerechnet.

Für die Ölproduzenten bleibt das Risiko eines andauernden Angebotsüberhangs bestehen. Die jüngste OPEC-Konferenz in Doha zeigte eine nur geringe Neigung zur Angebotsbegrenzung in den meisten ölproduzierenden Ländern. Auch die unkonventionellen Ölförderer in den USA (Fracking) dürften bei Ölpreisen über 40 USD je Barrel nicht zwangsläufig aus dem Markt ausscheiden.

Alle Einschätzungen der Atradius-Volkswirte zu Märkten, Ländern und ­Regionen finden Sie hier (https://atradius.de/publikationen/?utm_campaign=er-2016,outlook&utm_medium=email&utm_source=exportmanager).

Kontakt: andreas.tesch@atradius.com

 

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