Südafrika, die führende Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents, ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Standort für die deutsche Industrie. Mit einer relativ guten Infrastruktur und politisch vergleichsweise stabilen Verhältnissen bietet das Land eine gute Ausgangsbasis, um auch die Märkte der Nachbarn im südlichen Afrika zu erschließen. Deutschen Unternehmen bieten sich aktuell vor allem bei Maschinen und Ausrüstungen, in der Energie- und Wasserversorgung sowie bei der Medizintechnik gute Chancen.

Von Ingo D. Tuchnitz, Vice President, Financial Institutions – Emerging Markets, BHF-BANK

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Südafrika, die führende Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents, ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Standort für die deutsche Industrie. Mit einer relativ guten Infrastruktur und politisch vergleichsweise stabilen Verhältnissen bietet das Land eine gute Ausgangsbasis, um auch die Märkte der Nachbarn im südlichen Afrika zu erschließen. Deutschen Unternehmen bieten sich aktuell vor allem bei Maschinen und Ausrüstungen, in der Energie- und Wasserversorgung sowie bei der Medizintechnik gute Chancen.

„Der Afrika-Boom“ ist der Titel eines vor kurzem erschienenen Buches der Journalisten Andreas und Frank Sieren, das Afrikas gewaltiges Marktpotential vor Augen führt. Die Autoren warnen, dass China, Japan und Indien die Möglichkeiten des Kontinents längst erkannt hätten, während es Europa und mit ihm Deutschland an Interesse am afrikanischen Wirtschaftsraum fehle. Wenn dem tatsächlich so sein sollte, wäre dies ein gravierender Fehler, wie das Beispiel Südafrika zeigt.

Auch wenn Nigeria anderes reklamiert (siehe auch Beitrag Seite 6), ist Südafrika wahrscheinlich nach wie vor die größte Volkswirtschaft Afrikas. Seit Ende 2010 wird Südafrika zu den aufstrebenden BRICS-Staaten gezählt, die gemeinsam eine eigene Entwicklungsbank gegründet haben. Das multikulturelle Land, in dem neben den Geschäftssprachen Englisch und Afrikaans neun weitere Amtssprachen gesprochen werden, hat rund 54 Millionen Einwohner. Südafrikas Wirtschaft verfügt über einen starken Rohstoffsektor, der für den Export eine große Bedeutung hat, wird von diesem aber nicht durchweg dominiert. Eine breite industrielle Basis, ein umfangreicher Dienstleistungssektor und eine vielfältige Landwirtschaft gewährleisten, dass keine extreme Abhängigkeit von einzelnen Märkten besteht. Für ein Engagement in Südafrika sprechen nicht allein der Binnenmarkt, die politische Stabilität und das vergleichsweise verlässliche Rechtssystem des Landes, sondern auch seine engen Verbindungen zu den Nachbarstaaten im südlichen Afrika wie zum Beispiel Namibia, Botswana und Mosambik, mit denen es unter anderem in der Southern African Development Community (SADC) verbunden ist. Südafrika bietet ideale Voraussetzungen, um den gesamten Süden des Kontinents zu erschließen.

Schwache Investitionen und Energieknappheit bremsen Konjunktur

Das Wirtschaftswachstum erreichte 2014 wegen geringer Investitionen, vieler Streiks und Energieknappheit lediglich 1,5%, nachdem in früheren Jahren 3% bis 5% erzielt wurden. Für 2015 werden 2% erwartet. Zwei Drittel der Wirtschaftsleistung werden im Dienstleistungssektor erbracht, der von einer starken Finanzindustrie geprägt ist, weniger als ein Drittel von Bergbau und Industrie. Land- und Fortwirtschaft haben nur einen kleinen Anteil. Der Staat und staatliche Unternehmen sind wichtige Arbeitgeber.

Das Haushaltsdefizit belief sich 2014 auf 4,4% und soll 2015 die 4%-Marke nicht übersteigen. Mit einer Staatsschuldenquote von etwa 45% steht Südafrika besser da als die Vielzahl europäischer Staaten. Allerdings weist das Land seit rund zehn Jahren Leistungsbilanzdefizite aus. Zuletzt betrug das Defizit etwa 6%. Es war ein Grund dafür, dass Standard & Poor‘s das Rating Südafrikas im vergangenen Jahr von BBB auf BBB– senkte. Südafrika ist dennoch das Ziel hoher Auslandsinvestitionen. Ausländische Unternehmen investieren jedes Jahr viele Milliarden US-Dollar. Unter anderen sind rund 600 deutsche Unternehmen in Südafrika aktiv. Vor allem die deutsche Automobilindustrie, Chemie, Maschinenbau, Elektrotechnik und Versicherungen sind im Süden Afrikas präsent.

Der Ease-of-Doing-Business-Index der Weltbank, der die Rahmenbedingungen für unternehmerische Tätigkeit bewertet, führt Südafrika unter fast 200 Staaten auf Rang 43. Auch die Wettbewerbsfähigkeit und die Erfolge in der Korruptionsbekämpfung werden im Vergleich mit anderen afrikanischen Ländern als überdurchschnittlich bewertet. Der Kapitalmarkt ist vorbildlich, die großen Banken arbeiten auf einem im internationalen Vergleich hervorragenden Niveau.

Große soziale Probleme

Ohne Hindernisse ist ein Engagement in Südafrika allerdings nicht. Obwohl ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung offiziell arbeitslos ist, sind gut ausgebildete Arbeitskräfte knapp. Auch wenn ein Teil der Arbeitskräfte von der Schattenwirtschaft aufgenommen wird, sind die sozialen Spannungen, die aus der hohen Arbeitslosigkeit resultieren, immens. Die Mehrheit der schwarzen Bevölkerung lebt in Armut. Südafrika weist – gemessen am Gini-Koeffizienten – eine im weltweiten Vergleich erhebliche Ungleichverteilung von Wohlstand auf. In einigen Regionen des Landes ist Kriminalität ein erhebliches Problem.

Von großer Dramatik ist die weite Verbreitung von HIV/Aids. Rund 5 Millionen Südafrikaner sind mit der Immunschwächekrankheit infiziert oder sind bereits an ihr erkrankt. Bei den 15 bis 49 Jahre alten Südafrikanern beträgt die Quote mehr als ein Fünftel. Die Lebenserwartung hat aufgrund von Aids in den vergangenen 20 Jahren drastisch abgenommen und ist heute eine der geringsten der Welt. Der gesamten Gesellschaft und insbesondere dem Gesundheitswesen und dem Rentensystem drohen gewaltige Belastungen.

Militante Arbeitskämpfe führen immer wieder zu wochenlangen Produktionsausfällen und Lieferverzögerungen. Auch wenn das Straßen- und Schienennetz in einigen Regionen des Landes gut ausgebaut ist, gibt es doch immer wieder Transportengpässe, die insbesondere den Bergbau behindern. Zudem ist die Energieversorgung unzureichend, teuer und nicht durchweg stabil. Vor diesem Hintergrund steigt der Anteil ausländischer Direktinvestitionen in Südafrika im Vergleich zu anderen Ländern in Subsahara- Afrika nur langsam und unterproportional an. Auch die strengen regulatorischen Vorgaben etwa zur lokalen Wertschöpfung und Förderung der während der Apartheid diskriminierten Bevölkerungsgruppen spielen hierbei eine Rolle.

Deutschland ist zweitwichtigster Handelspartner

Deutschland war bis vor wenigen Jahren der wichtigste Handelspartner Südafrikas, diesen Rang hat mittlerweile China übernommen. Mit 10,3% haben Produkte aus Deutschland den wertmäßig zweithöchsten Anteil an den Importen. Als Exportziel ist Deutschland mit einem Anteil von knapp 5% die Nummer 6. 2013 exportierte Deutschland Waren im Wert von 8,5 Mrd EUR nach Südafrika und importierte für 4,7 Mrd EUR. Vor allem Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen und chemische Erzeugnisse aus Deutschland fanden in Südafrika Abnehmer. Bei den Exporten nach Deutschland standen Rohstoffe, Maschinen und Kraftfahrzeuge obenan. Für den Handel zwischen beiden Ländern hat der Austausch von Gütern innerhalb von Konzernen eine große Bedeutung.

Viele geschäftliche Ansatzpunkte

Südafrika bietet Unternehmen aus Deutschland viele interessante Geschäftsmöglichkeiten. Die südafrikanische Industrie steht wegen hoher Energiepreise und steigender Löhne unter Kostendruck und investiert in die Automatisierung und in energieeffiziente Anlagen, ein Segment, in dem deutsche Firmen traditionell einen guten Ruf genießen.

Weil ein großer Teil der Bevölkerung noch immer keinen Zugang zu Strom und sauberem Wasser hat, sind für die kommenden Jahre hohe Investitionen geplant. Mehrere neue Kohle- und Kernkraftwerke sollen gebaut, bestehende modernisiert werden. Einige große Stromverbraucher versuchen, in eigener Regie Versorgungssicherheit zu schaffen. So hat BMW für sein Werk bei Pretoria den Bau eines Biogaskraftwerks projektiert. Im ganzen Land sollen Solaranlagen installiert, entlang der Küsten Windkraftanlagen errichtet werden. Deutschland und Südafrika haben 2013 eine Energiepartnerschaft vereinbart, bei der es darum geht, privatwirtschaftliche Aktivitäten zum Ausbau der erneuerbaren Energien und zur Verbesserung der Energieeffizienz zu fördern. Im Bereich der Wasserversorgung haben die Senkung der sehr hohen Leitungsverluste und der Bau von Kläranlagen Priorität. Eine Spezialaufgabe ist die Reinigung von verunreinigtem Grubenwasser. Deutsches Know-how ist zudem bei städteplanerischen Aufgaben und beim Aufbau von Nahverkehrsnetzen sowie generell bei Ingenieurdienstleistungen gefragt.

Besondere Erwähnung verdient auch der Bereich der Medizintechnik, in dem um-fangreiche Investitionen anstehen, um die medizinische Versorgung zu verbessern beziehungsweise sie Millionen Menschen überhaupt erst zugänglich zu machen.

Resümee

Südafrika ist das Tor zu einer rohstoff­reichen Region mit wachsender Bevöl­kerung, großem Investitionsbedarf und steigenden Konsumwünschen. Das Geschäftsumfeld ist insbesondere bei Investitionen nicht einfach, im Vergleich zu ­vielen anderen Ländern Afrikas allerdings bemerkenswert gut. Mit einem erfahrenen Außenhandelspartner wie der BHF-BANK bestehen insbesondere für Exportgeschäfte sehr gute Voraussetzungen.

Die deutschen Handelskammern bieten immer wieder Informationsveranstaltungen zu Südafrika an, und auch die deutsche Außenhandelskammer in Johannesburg ist eine gute Anlaufstelle, um Fragen zu Handelsgeschäften und Investitionen zu klären. Gegebenenfalls sollte sondiert werden, ob für ein Projekt Fördermöglichkeiten bestehen, wie sie in der Energiewirtschaft oder allgemein seitens der IDC (Industrial Development Corporation; www.idc.co.za) bestehen. Investoren und andere Geschäftsleute etwa aus Brasilien, Indien und China zeigen sich in Südafrika auf jeden Fall sehr engagiert – ein Hinweis darauf, welche Chancen das Land zu bieten hat.

Kontakt: ingo.dieter.tuchnitz@bhf-bank.com

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