Indonesien, die Philippinen und Vietnam haben die weltweite Wirtschaftskrise erstaunlich gut bewältigt. Die vergleichsweise ­geringe Exportabhängigkeit schützte die Länder vor negativen Einflüssen von außen. Sie verfügen zudem über einen relativ großen Binnenmarkt. Der wieder anziehende private Konsum bleibt der wichtigste Wachstumsmotor, doch auch staatliche ­Investitionen in die Infrastruktur tragen zu einem soliden Aufschwung bei.

Von Michael Lutz, Leiter Export Finance Asien-Pazifik, und Hermann Schulken, Leiter Trade Risk Management Asien, UniCredit Bank AG

Indonesien

Indonesien ist bezüglich Fläche und Einwohnerzahl der größte Staat Südostasiens sowie mit rund 240 Millionen Einwohnern die viertgrößte Nation der Welt. Hinter dieser hohen Einwohnerzahl steckt eine enorme Kaufkraft, daher ist Indonesien bisher sehr gut durch die Wirtschaftskrise gekommen. Die robuste Nachfrage im Inland wird durch die wieder steigenden Löhne und Gehälter begünstigt. Der private Konsum kurbelt die Wirtschaft an.

Eine Folge des gut funktionierenden Binnenmarktes ist die geringe Öffnung Indonesiens gegenüber dem Weltmarkt, das Land ist daher weniger von Exporten abhängig. Dies schlägt sich in der Wirtschaftsleistung des Landes nieder: Das reale BIP wuchs im vergangenen Jahr um 4,5%, für das Jahr 2010 wird eine Wachstumsrate von 5,5 % erwartet.

Nachdem ein stärkerer Rückgang der Importe relativ zu den Exporten 2009 für einen hohen Überschuss in der Leistungsbilanz sorgte, dürfte der Außenhandelsüberschuss 2010 wieder sinken, zum einen wegen der wieder anziehenden Binnennachfrage, zum anderen wegen der sich stabilisierenden Rohstoffpreise.

Die Leistungsbilanz des Erdöl- und Erdgasexporteurs konnte nach einem drastischen Einbruch 2008 bereits wieder mit einem Überschuss von 9,5 Mrd US$ aufwarten. Langfristig hat Indonesien vor allem das Problem der Endlichkeit seiner Ölreserven, die mit dem Produktions­niveau von 2008 noch etwa zehn Jahre reichen werden.

Da der Energiebedarf des Landes in den kommenden zehn Jahren um voraussichtlich 9% jährlich steigen wird, muss die Stromversorgung von Haushalten und Unternehmen deutlich verbessert werden. Um dieses Ziel zu bewerkstelligen, fördert die Regierung die Energieproduktion und die damit verbundenen Investitionen, indem sie beispielsweise Anfang dieses Jahres den Import energietechnischer Anlagen und Ausrüstungen von Zöllen befreite. Auch in anderen Bereichen wie dem Transportsektor reformiert und modernisiert die indonesische Regierung das Land.

Philippinen

Aufgrund des wieder einsetzenden Konsums der Privathaushalte wird die Binnenwirtschaft der Philippinen nach einer verlangsamten Nachfrage 2009 wieder anziehen. Die Binnennachfrage profitiert unter anderem von einem regelmäßigen und umfangreichen Zufluss von Gastarbeiterzahlungen, den sogenannten OFW (Overseas Foreign Workers) Remittances, welche 2009 17,4 Mrd US$ erreichten. Diese Zahlungen sorgten selbst in der Hochphase der Finanzmarktkrise für ein stabiles Bankensystem. Diese Stärke des lokalen Bankensystems wirkt sich auch auf die Nachfrage nach Exportfinanzierungen aus.

Zu den großen Vorteilen des Standortes Philippinen zählen für ausländische Unternehmen die guten Englischkenntnisse der Einheimischen und der relativ hohe Ausbildungsstand. Daher lagern internationale Firmen ganze Geschäftsprozesse auf die Philippinen aus.

Auch zahlreiche deutsche Firmen und Unternehmen sind erfolgreich auf den Philippinen tätig. Nach Einschätzung von Branchenkennern ist der deutsche Anteil, gemessen an den Möglichkeiten, allerdings noch zu niedrig. Der Dienstleistungssektor und die Elektroindustrie gelten als zukunftsträchtig, ebenso wie die Softwareentwicklung, Callcenter, Finanz- und Buchhaltungsdienstleistungen sowie der medizinische Tourismus. Ferner bieten sich dank erheblicher Rohstoffvorkommen von Gold, Kupfer oder Nickel vor allem im Bergbau zusätzliche Entwicklungschancen, die jedoch nur zögerlich realisiert werden.

Vietnam

Das Wachstum in Vietnam – die Prognose für 2010 liegt bei 6,5% – lässt sich ähnlich wie in Indonesien vor allem durch die Nachfrage der privaten Haushalte erklären, die dank einer gesunkenen Arbeits­losigkeit im kommenden Jahr wieder zunehmen wird. Die vietnamesische Regierung ist daher sehr darum bemüht, durch ihr Konjunkturprogramm und die Inflationsbekämpfung die Wirtschaft anzukurbeln und somit das gute Image des Landes zu erhalten.

Durch die Öffnung des Landes und die Integration in die Weltwirtschaft hat sich Vietnam zudem zu einem wichtigen Markt in Asien entwickelt. Ausländische Investoren werden von Bekleidungs-, ­Textil- und Möbelindustrie stark angezogen. Exportorientierte Branchen wie der Schiffbau und die Elektronik überzeugen mit ihrer Expansionsgeschwindigkeit.

Auch für deutsche Unternehmen zählt Vietnam zu den interessanten Ländern. Gerade kleinere und mittlere Unternehmen sollten bei der Erschließung dieses Marktes strategisch und gut vorbereit vorgehen. Wichtige Fundamente für ein erfolgreiches Vietnam-Geschäft sind sorgfältig ausgearbeitete Lieferverträge und Zahlungsbedingungen. Dabei muss mit einer relativ langen Vorlaufzeit bis zum Abschluss eines Geschäftes gerechnet werden. Dies ist von Anfang an unbedingt zu berücksichtigen.

Zwar ist Vietnam politisch unter der Führung der Kommunistischen Partei recht stabil, allerdings wird der Aufbau einer effizienten Verwaltung noch Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem stellt die Korruption im Land die Regierung weiterhin vor enorme Herausforderungen.

Textkasten: Finanzierung

Indonesiens Bonität dürfte in Zukunft steigen, dazu müssen allerdings die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft erhöht werden. Ein hilfreiches Instrument bei Finanzierungen sind die „Hermesdeckungen“, die speziell seit der Neueinstufung in die ­Länderkategorie 4 sehr stark nachgefragt werden. Es gilt nach wie vor eine strenge Prüfung der zu deckenden Geschäfte, in Indonesien ist eine Deckung direkt auf Unternehmen ver­fügbar. Staatsbezogene Projekte werden jeweils im „green“ bzw. „blue book“ von Bappenas publiziert.

Beträge bis zu 20 Mio US$ können auf den Philippinen ohne Probleme lokal finanziert ­werden. Projekte im Bereich Erneuerbare Energie finden jedoch nach wie vor Zuspruch von ECA-Deckungen, da hier die lange Laufzeit im philippinischen Markt nicht verfügbar ist. Eine direkte Deckung von Unternehmen ist auf den Philippinen in der Regel erhältlich, jedoch wird auch hier eine strenge Prüfung auf Wirtschaftlichkeit und Devisenwirksamkeit des Projekts durchgeführt, ferner besteht eine Orientierungsgröße für Einzelgeschäfte in Höhe von 25 Mio Euro.

Geschäfte in Vietnam werden meistens in US-Dollar oder Euro fakturiert. Akkreditive (Letters of Credit) sind in dem südostasiatischen Land das klassische Instrument für Exporte von ­Kapitalgütern und Handelsgeschäfte (80–85% des Warenverkehrs). Größere Investitions­projekte von staatlichen Unternehmen werden häufig mit Garantien des vietnamesischen Finanz­ministeriums unterstützt.

Kontakt: Michael.Lutz[at]apr.unicreditgroup.eu ; hermann.schulken[at]unicreditgroup.de

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