Die Bundesrepublik Deutschland bietet ein breites Portfolio an Absicherungsmöglichkeiten, abhängig von Laufzeit und Volumen des Projekts sowie von der Anzahl der beteiligten Geschäftspartner. So können Exporteure etwa auf Hermesdeckungen, Lieferantenkredite, Akkreditive oder Finanzkreditdeckungen zurückgreifen.

Ob kriegerische Auseinandersetzungen, zunehmender Protektionismus oder Staatspleiten: Politische Herausforderungen beeinflussen das Geschäft von Exporteuren in besonderem Maße. Wie Sie sich gegen politische Risiken im Außenhandel schützen können.

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Blutige Auseinandersetzungen, ein selbsternannter Staatschef, unübersichtliche Verhältnisse: Zurzeit vergeht kein Tag ohne schlechte Nachrichten aus Venezuela. Die Krise betrifft allerdings nicht nur die Politik, auch der Wirtschaft Venezuelas geht es schlecht. Das südamerikanische Land steckt mitten in einer tiefen Rezession. Venezuela kann wegen Devisenmangels kaum noch Lebensmittel, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Das Land hat Schulden im zweistelligen Milliarden-US-Dollar-Bereich angehäuft, kann seine Rechnungen kaum begleichen. Zahlreiche Unternehmen wie der US-Reifenhersteller Goodyear haben sich bereits zurückgezogen.

Das Beispiel zeigt: Politische Umbrüche betreffen den Außenhandel in besonderem Maße. Solche Verwerfungen können Lieferung, Lagerung und andere Ab-schnitte einer Lieferkette stören. Häufig reicht ein Regierungswechsel wie in den USA oder eine politische Entscheidung wie das Brexit-Votum in Großbritannien, um jahrzehntelange stabile Handelsbeziehungen quasi über Nacht zu erschüttern. Ob Revolutionen, Unruhen, Streiks, Embargos, Boykott oder politische Beschlagnahme: Die politischen Risiken im Außenhandel sind zahlreich. Umso wichtiger ist es für Exporteure, ihre Auslandsgeschäfte adäquat abzusichern.

Um den Außenhandel zu unterstützen, sichert die Bundesrepublik Deutschland Geschäfte der hiesigen Exporteure über Exportgarantien ab. Diese schützen so-wohl vor politisch als auch vor wirtschaftlich bedingten Zahlungsausfällen. Zu den politischen Ursachen gehören unter anderem Devisenknappheit wie in Venezuela, Unruhen oder Zahlungsverbote. Auch Embargos sind abgesichert, also staatliche Anordnungen, bestimmte Waren oder Warengruppen nicht mehr in bestimmte Länder zu liefern. Das betrifft vor allem Länder wie Nordkorea, den Iran und Syrien, gegen die Waffenembargos verhängt wurden.

Boykotts, die ebenfalls als politisches Risiko gelten, ähneln dem Embargo: Die freiwilligen und privatwirtschaftlichen Maßnahmen gehen aber über die staatlichen Anordnungen hinaus und machen Im- sowie Exporte quasi unmöglich. Auch politisch motivierte Beschlagnahme, Beschädigung oder Zerstörung sollten abgesichert werden, wenn andere Länder aufgrund diplomatischer Krisen Exportware sicherstellen, beschädigen oder zerstören.

Absicherungen im Einzelfall klären

Die Bundesrepublik Deutschland bietet ein breites Portfolio an Absicherungsmöglichkeiten, abhängig von Laufzeit und Volumen des Projekts sowie von der Anzahl der beteiligten Geschäftspartner. So können Exporteure etwa auf Hermesdeckungen, Lieferantenkredite, Akkreditive oder Finanzkreditdeckungen zurückgreifen. Die sicherste Lösung – vor allem in Schwellenländern –  ist ein Akkreditiv, also ein unwiderrufliches Zahlungsversprechen der Bank des ausländischen Importeurs: Hier bekommt der Exporteur bei Vertragserfüllung 100% des Auftragsvolumens ausgezahlt.

Schließen Unternehmen einen Lieferantenkredit ab, ist Vorsicht geboten: Hier gibt es in der Regel eine Selbstbeteiligung in Höhe von 5% bei politischen Risiken; kommt es zu Schäden durch wirtschaftliche Risiken, fallen 15% an. Die Hermesdeckung sichert sowohl wirtschaftliche als auch politische Risiken ab, aber keine marktfähigen Risiken. Diese sind kurzfristiger Natur und meist privatwirtschaftlich abzusichern. Welche Art der Absicherung sich für welches Geschäft eignet, bedarf einer Einzelfallprüfung.

Generell gilt: Bevor es um die konkrete Absicherung geht, sollten Exporteure Chancen und Risiken genau abwägen. Dabei helfen auch Länderreports weiter, die Banken regelmäßig herausgeben und die eine erste Orientierung bieten. Wer in Krisengebieten Geschäfte machen will, sollte sich allerdings bereits vor dem Geschäftsabschluss darüber klar werden, ob das Risiko überhaupt tragbar ist. Denn Hochrisikogeschäfte lassen sich nur schwer absichern; vor allem in akuten ­Krisengebieten wie in Venezuela ist eine Hermesdeckung nur schwer zu bekommen.

Brennpunkt Europa

Exportabsicherungen sind vor allem für Unternehmen, die in Schwellenländer exportieren, unerlässlich. Doch: Auch innerhalb der Europäischen Union kann es zu unvorhergesehenen Problemen kommen. Das haben spätestens das Brexit-Votum der Briten und die Schuldenkrise Griechenlands gezeigt. Auch in Frankreich ist die Unruhe groß: Die Gelbwesten protestieren gegen die Regierung, die Situation verändert sich schnell.

Während politische Streiks in Deutschland eher ungewöhnlich sind, kommen sie in Frankreich häufiger vor. Streiks gehören ebenfalls zu den politischen Risiken im Außenhandel, denn sie bedrohen den Warenexport: Wenn Berufsgruppen wie Mitarbeiter von Transportunternehmen, die wichtig für Warenversand oder Zahlungsabwicklung sind, ihre Arbeit niederlegen und streiken, sind exportierende Unternehmen direkt betroffen. Es kommt zu Verzögerungen in der Abwicklung, was wiederum finanziellen Schaden für die Geschäftspartner bedeutet.

Im krisengebeutelten Griechenland entspannt sich die Lage inzwischen. Mittlerweile hat die Regierung die Kapitalverkehrskontrollen wieder gelockert. Auslandsüberweisungen bis zu einer Höhe von 100.000 EUR dürfen inzwischen ohne Genehmigung stattfinden. Die Kontrollen sollen Anfang 2019 sogar ganz aufgehoben werden.

Dafür steht das nächste Sorgenkind bereits in den Startlöchern: In Italien häufen sich Berichte über Banken, die unter Zwangsverwaltung der EZB stehen. Auch politisch tut sich einiges: Bei der Parlamentswahl im März 2018 haben europakritische Parteien und solche aus dem rechten Lager die meisten Stimmen bekommen. Obwohl Italiens Wirtschaft wächst, sind Prognosen aufgrund der populistischen Regierung schwierig.

Auch in der Türkei fanden im vergangenen Jahr Wahlen statt, aus denen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan mit deutlicher Mehrheit als Sieger hervorging. Aufgrund außenpolitischer Spannungen belegen sich die USA und die Türkei gegenseitig mit Strafzöllen und Sanktionen, was wiederum das Vertrauen internationaler Investoren in die Türkei schwächt.

Fazit

Jedes Unternehmen sollte Geschäftsanfragen aus problematischen Ländern genau prüfen, Gefahren und Nutzen genau gegeneinander abwägen. Das gilt auch für jahrelange Geschäftspartner aus vermeintlich sicheren Regionen. Sobald nur die kleinste Unsicherheit besteht, sollten sich Exporteure lieber über ein Akkreditiv absichern und sich so vor einem eventuellen Zahlungsausfall schützen. Das heißt konkret: Durch frühzeitige Einbindung einer Bank in die Exportgeschäfte können Unternehmen die Risiken im Außenhandel deutlich verringern.

thomas.schweier@LBBW.de

www.lbbw.de

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