Ende Oktober 2019 finden in Argentinien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Das zweitgrößte Land Südamerikas steckt trotz einer Kreditlinie von 57 Mrd USD, die der Internationale Währungsfonds (IWF) im Juli 2018 gewährte, in einer Rezession und hat parallel dazu mit einer hohen Inflation zu kämpfen.

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Anfang September sah sich das Land gezwungen, Kapitalverkehrskontrollen einzuführen, um die Abwertung des Argentinischen Peso zu stoppen. Exportgeschäfte in das Land sind mit hohen Risiken verbunden.

Weder wirtschaftlich noch politisch läuft es derzeit rund in Argentinien: Der wirtschaftsliberale Staatschef Macri musste bei den Vorwahlen in der ersten Augusthälfte 2019 eine unerwartet deutliche Niederlage einstecken. Der Wechselkurs des Argentinischen Peso gegenüber dem US-Dollar verteuerte sich um 20%, und mit der Abwertung gingen die offiziellen Reserven zurück. Nun will Argentiniens Regierung den Währungsverfall mit noch schärferen Devisenkontrollen stoppen. Anfang September sind sie in Kraft getreten, nachdem die bereits zuvor ergriffenen Maßnahmen kurzfristig nicht zum Erfolg führten.

Die Macri-Regierung hat dazu einschneidende Kapitalkontrollen, insbesondere für Exporteure, eingeführt. Die argentinischen Firmen benötigen nun die Erlaubnis der Notenbank für den Kauf von Fremdwährungen wie beispielsweise dem US-Dollar. Zudem müssen argentinische Exporteure ihre ausländischen Erlöse innerhalb eines Zeitraums von nur fünf Tagen nach Abholung oder 180 Tagen nach der Beförderungsgenehmigung in die argentinische Nationalwährung umtauschen. Keine Restriktionen gelten, wenn der Fremdwährungskauf zur Vereinfachung des Handels dient bzw. Schulden in Fremdwährung bezahlt werden müssen.

Argentinien weiter in der Rezession bei steigender Inflation

Argentinien kämpft 2019 weiter mit der anhaltenden Rezession. Nach einer bereits negativen Wachstumsrate des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,4% im vergangenen Jahr gehen die Atradius-Risikoexperten im halbjährlich erscheinenden Atradius Economic Outlook von einem weiteren Rückgang um 1,9% für das laufende Jahr aus. Erst 2020 soll sich die Wirtschaftsleistung in Argentinien laut der Prognose wieder verbessern.

Im zweiten Quartal 2019 stieg die jährliche Inflationsrate um 50% – und das im zweiten Jahr in Folge. Schuld daran waren neben der drastischen Abwertung des Argentinischen Peso die von der Regierung angeordneten Zollerhöhungen. Bereits im Frühjahr 2019 sanken die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten Argentiniens. Gleichzeitig verringerten sich damit die Chancen auf die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Macri.

Argentinien gehörte bereits vor einigen Monaten laut Atradius-Analyse zu den anfälligsten Ländern innerhalb der sogenannten Schwellenländer. Dieser Trend bestätigt sich aktuell. Die Argentinier versuchen weiterhin, ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, indem sie den Argentinischen Peso gegen den US-Dollar tauschen oder ihr Geld außer Landes transferieren. Parallel halten sie ihre private Versorgung in Teilen mit privaten Tauschgeschäften aufrecht.

Ausblick auf die kommenden Monate

Momentan ist der Devisenzugang für Unternehmen noch nicht wesentlich beeinträchtigt, so dass der Handel aufrechterhalten werden kann. Allerdings verschärft der Kollaps der Landeswährung die Inflation, die wiederum die konjunkturelle Erholung verzögert. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben schwierig. Seit der Einführung der Kapitalverkehrskontrollen hat sich der Argentinische Peso im Vergleich zum US-Dollar leicht stabilisiert. Allerdings müssen 2020 34 Mrd USD an Staatsschulden zurückgezahlt werden, was eine übermäßige Belastung für eine Volkswirtschaft ist, die sich noch in der Rezession befindet. Der Anstieg der Schulden aufgrund der Abwertung des Argentinischen Peso würde einige kaum realisierbare Haushaltskürzungen erfordern. Die argentinische Staatsverschuldung übersteigt 90% des BIP.

Zahlungsrisiken bei argentinischen Abnehmern steigen

Durch die sinkendende Nachfrage und hohe Fremdkapitalkosten steigt die Gefahr für Zahlungsausfälle in den argentinischen Unternehmen. Seit Mitte vergangenen Jahres beobachtet Atradius einen signifikanten Anstieg der Anfragen nach Kreditlimiten für argentinische Abnehmer. Die meisten Anfragen nach Schutz vor Forderungsausfällen in dem südamerikanischen Land kamen im zweiten Quartal aus der Informations- und Kommunikationstechnik, dem Handel sowie der Landwirtschaft. Aktuell haben insbesondere die Metall- und die stahlverarbeitende Industrie, die Konsumgüterindustrie sowie die Textilindustrie und der Maschinenbau mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Exportierende Unternehmen, die aktuell Geschäfte mit Abnehmern aus Argentinien eingehen, sollten die Bonität ihrer Abnehmer weiterhin im Auge haben. Die Gefahr, einen Forderungsausfall zu erleiden, ist in Argentinien aufgrund der negativen Entwicklungen, mit der die argentinischen Unternehmen seit Jahren konfrontiert werden, weiter gestiegen.

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michael.karrenberg@atradius.com

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