Die brasilianische Wirtschaft schrumpft. Vor allem der Außenhandel ist stark rückläufig. Dadurch verschlechtert sich das Zahlungsverhalten der Unternehmen. Doch die Verzögerungen haben nach Erkenntnissen von Atradius noch nicht spürbar zugenommen. Für das aktuelle Atradius-Zahlungsmoralbarometer zu Amerika wurden mehr als 800 Unternehmen in den USA, Kanada, Mexiko und Brasilien zum Zahlungsverhalten ihrer Kunden im In- und Ausland befragt.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

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Die Rezession hat Brasilien fest im Griff. Um 2% ging das reale BIP im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Exporte sanken in den ersten acht Monaten um 17%, die Importe um 22%. Auch die Industrieproduktion ist rückläufig, und die Erwartungen der Unternehmen sind deutlich zurückhaltender als vor einem Jahr.

Ein Zweijahresvergleich der Ergebnisse des Atradius-Zahlungsmoralbarometers zeigt, dass sich die Zahlungsmoral in Brasilien tendenziell verschlechtert hat. Als häufigsten Grund (46%) für Zahlungsverzögerungen nannten die gut 200 befragten Unternehmen mangelnde Liquiditätsreserven bei ihren Geschäftspartnern. Als Ursache für Zahlungsausfälle gaben die Unternehmen am häufigsten die Insolvenz oder die Geschäftsaufgabe ihrer Kunden an.

Dabei bieten brasilianische Unternehmen mit durchschnittlich 34 Tagen die längsten Zahlungsziele der Region Brasilien und Nordamerika. Inländische Kunden erhalten etwas kürzere Fristen als ausländische Abnehmer. Deren Zahlungsziele haben sich zudem im Zweijahresvergleich um durchschnittlich eine Woche verlängert. Innerhalb der gesetzten Frist werden allerdings nur 56,2% des Forderungswertes bezahlt. 43,8% der inländischen und 44,3% der ausländischen Geschäftskunden zahlen nach Auskunft der befragten Unternehmen ihre Lieferantenkredite verspätet.

Der durchschnittliche Anteil der Forderungen, die nach 90 Tagen noch ausstanden, dürfte beträchtlich sein. Im Inlandsgeschäft der befragten Unternehmen beträgt der Anteil 11,7%, im Außenhandel 14,2%. Die späte Zahlung von Rechnungen spiegelt sich in den sogenannten Days Sales Outstanding (DSO) wider, die in Brasilien im Durchschnitt 29 Tage erreichen.

Die durchschnittliche Zahlungsverzögerung inländischer Geschäftskunden beträgt in Brasilien 29 Tage, bei auslän­dischen Geschäftskunden sind es 32 Tage. Durch eine Zunahme der Zahlungsverzögerungen steigen auch die Kosten für Finanzierung und Verwaltung der gewährten Lieferantenkredite. Dies beunruhigt die antwortenden Unternehmen in Brasilien besonders stark (23,9%). Ein erheblicher Teil (etwa 44%) berichtet, dass die verspäteten Zahlungen inländischer Geschäftskunden auf die mangelnde Verfügbarkeit von Finanzmitteln zurückzuführen sind. Daher sind für die Anbieter umfassende Kenntnisse und regelmäßig aktualisierte Informationen über die Finanzkraft und finanzielle Stabilität ihrer Kunden unerlässlich. Ein weiterer wichtiger Grund für Zahlungsverzögerungen bei inländischen Rechnungen ist das ineffiziente Bankensystem Brasiliens, das 30,2% der befragten Unternehmen als Ursache nennen.

Wer seine Waren nach Brasilien verkauft, sollte sich vorher über die Bonität der Kunden informieren und sich so effizient wie möglich absichern. Je länger Rechnungen unbezahlt bleiben und je mehr Zahlungsausfälle ein Unternehmen melden muss, desto größer ist die Gefahr, dass es selbst in Liquiditätsengpässe gerät und seine eigenen Rechnungen nicht mehr bezahlen kann.

Die ausführlichen Ergebnisse des Zahlungsmoralbarometers zu Amerika finden Sie auf www.atradius.de.

Kontakt: thomas.langen@atradius.com

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