Einen Blick auf die erfolgreiche Elektronikindustrie des südostasiatischen Stadtstaates wirft der MarktMonitor Mai 2011 des ­Forderungsspezialisten Atradius (www.atradius.de/debitorenmanagementpraxis/publikationen/wirtschaftstrends.html) und bescheinigt der Branche glänzende Wachstumsaussichten. Für deutsche Exporteure bietet der Aufschwung in Singapur ­günstige Absatzchancen und die Möglichkeit, technologisch in einem rechtssicheren Umfeld auf hohem Niveau zu kooperieren.

Von Dr. Thomas Langen, Hauptbevollmächtigter, Atradius Deutschland

Die Wirtschaft Singapurs ist in hohem Maße von der Elektronikbranche abhängig, die 2010 von allen Branchen des verarbeitenden Gewerbes den größten Beitrag zum BIP leistete. Ihr Anteil stieg von 5,7% im Jahr 2009 auf 7,0% im Jahr 2010, während das Produktionsvolumen um 26,9% zunahm. Weltweit stieg die Produktion der Branche um 9,3%. Gründe dafür waren in erster Linie ein starker Wirtschaftsaufschwung in der Region und die steigende Auslandsnachfrage nach der Weltwirtschaftskrise.

Die Elektronikbranche Singapurs ist dazu übergegangen, Produkte mit höherer Wertschöpfung zu produzieren und die eigenen F&E-Kompetenzen auszubauen. Infolge dieser Entwicklung wurden in den Teilsektoren Halbleiter und Datenspeicherung 2010 Umsatzzuwächse von 49,8% bzw. 25,0% erzielt. Der Anteil Singapurs am weltweiten Umsatz mit Elektronikprodukten stieg im vergangenen Jahr von 11,2 auf 13,5%.

Peripheriegeräte & Kommunikationstechnik sowie Verbraucherelektronik trugen 2010 insgesamt 21% zur Gesamtproduktion der Branche in Singapur bei. Diese positive Entwicklung ist zum Teil der zunehmenden Mobilität und Internetnutzung in der Region zu verdanken.

Da der Stadtstaat sich darum bemüht, zum führenden Zentrum der Chip-Herstellung zu werden, stehen der Elektronikbranche ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten zur Verfügung. Er bietet renommierten Halbleiterherstellern wie IM Flash Technologies, 3M, Bayer Material Science, Western Digital und Showa Denko genau die richtigen Rahmenbedingungen für den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten, die Gründung von F&E-Einrichtungen und die Steuerung ihrer Lieferketten. Die Produktionsmenge des Elektronik-Clusters stieg im ersten Quartal 2011 um 6,9% im Jahresvergleich. Global Foundries (ehemals Chartered Semiconductor), Singapurs größter Chip-Hersteller, investierte im laufenden Jahr bereits 5,6 Mrd US$ in der Stadt.

Es gab keine nennenswerten Zahlungsausfälle oder Insolvenzen. Vielmehr etabliert sich Singapur zunehmend als günstiger Investitionsstandort für Unternehmen der Elektronikbranche. Die IKT-Branche ist nach wie vor auf Wachstumskurs und bringt immer neue Mobilgeräte auf den Markt. Im Teilsektor Einzelhandel besteht hoher Konkurrenzdruck, und der IKT-Markt in Singapur bleibt preissensibel. Mit zunehmendem Wettbewerb geraten die Gewinnspannen weiter unter Druck, und die Unternehmen werden sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren oder Marktnischen finden müssen, um dem entgegenzuwirken. Unternehmen, die den örtlichen Einzelhandel beliefern, sind angesichts der dynamischen Marktentwicklung auf der sicheren Seite. Dies zeigt sich auch im Erfolg der regelmäßig stattfindenden Fachmessen, die nach wie vor die Besuchermassen anziehen und den Unternehmen steigende Umsätze bescheren.

Die in Singapur ansässigen Hersteller von Elektronikprodukten und IKT kommen in den Genuss von Steuervorteilen, Infrastrukturmaßnahmen und sonstigen staatlichen Fördermaßnahmen. Und das Wirtschaftswachstum in Asien beschert ihnen satte Gewinne.

Japan ist zwar der größte Handelspartner Südostasiens, aber Singapur ist von dem Land weniger abhängig (siehe Grafik), und die Elektronikbranche wird von den Schwierigkeiten des Landes voraussichtlich nicht betroffen sein. Die Handelsbeziehungen zwischen Japan und Singapur werden durch die Folgen des Erdbebens nicht wesentlich gestört, obgleich Japan ein bedeutender Lieferant von diversen Elektronikbauteilen ist. Die Unterbrechung der Lieferkette hat sich bei den Unternehmen unterschiedlich bemerkbar gemacht. Langfristig wird sie jedoch keine Auswirkungen haben.

Im ersten Quartal 2011 stieg das BIP Singapurs um 23,5% gegenüber dem Vorquartal. Im gleichen Maße wuchs auch die Elektronikbranche. Um sich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, wagt sich Singapur nun in neue Wachstumsbranchen vor wie Bioelektronik, grüne Elektronik, gedruckte Elektronik & Sicherheit. Die Entwicklung von Lösungen für medizin-, energie- und umwelttechnische Anwendungen wird gezielt gefördert, um weiter das Wachstum der Elektronikbranche anzuregen.

Dank des BIP-Wachstums im ersten Quartal 2011 und der geringen Arbeitslosigkeit ist das Verbrauchervertrauen hoch und die nötige Kaufkraft vorhanden, so dass auch für die IKT-Branche gute Aussichten bestehen. Doch abgesehen von den soliden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist der IKT-Markt Singapurs relativ gesättigt. Anfang 2011 erreichte die Marktdurchdringung mit Mobiltelefonen 145%. 60% aller Mobilfunkkunden nutzten bereits die 3G-Netze. Untersuchungen von Gartner Inc. ergaben, dass Singapur mit 948 Rechnern pro 1.000 Einwohner 2012 wahrscheinlich die höchste Computerdichte im gesamten asiatisch-pazifischen Raum haben wird, was einer Gesamtzahl von 4,5 Mio Desktops und Laptops entspricht.

Diese hohe Marktdurchdringung führte zu einem hohen Konkurrenzdruck unter den Herstellern von Computern und Verbraucherelektronik. Nur Unternehmen, die ihre Produkte mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten und konsequent in Forschung und Entwicklung investieren, haben in diesem wettbewerbsintensiven Umfeld Entwicklungsmöglichkeiten.

Gleichzeitig eröffnen die internationalen Märkte gute Wachstumschancen: Die weltweite Nachfrage nach Mobiltelefonen und sonstigen Mobilgeräten wird 2011 voraussichtlich um 10% steigen, und die Länder im asiatisch-pazifischen Raum sind für die Hersteller von Smartphones und Computern vielversprechende Märkte. Bei internetfähigen Mobiltelefonen rechnet GfK Asia aufgrund der Erschwinglichkeit, seigender Einkommen und der höheren Verfügbarkeit in Asien 2011 mit Umsatzzuwächsen von bis zu 35%.

Trotz der positiven Wirtschaftsindikatoren in Singapur berücksichtigt Atradius bei seiner Zeichnungspolitik gegenüber der Elektronik- und IKT-Branche im Allgemeinen vielfältige Faktoren wie das Alter des betreffenden Unternehmens, Standort, Diversifizierungsgrad, Finanzstärke, Unternehmensführung, Branchenerfahrungen, Marktstellung, Kundenbestand, Größe des Vertriebsnetzes und die betriebliche Effizienz.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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