Akkreditive sind ein sehr beliebtes Instrument, um Exportrisiken abzusichern. Schätzungsweise 80% der Exporteure  sichern ihre Auslandsgeschäfte in dieser Form ab. Die Vorteile liegen auf der Hand: Akkreditive sind zum einen international bekannt und die Vorgehensweisen standardisiert. Zum anderen bieten sie ein hohes Maß an Sicherheit – für beide Seiten.

Die ägyptische Regierung baut die Infrastruktur des Landes aus und setzt dabei auf ausländische Technik. Auch deutsche Firmen sind mit dabei. Voraussetzung für den Geschäftserfolg ist allerdings eine solide Risikoabsicherung.

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Wer mit dem Auto aus Ägyptens Hauptstadt Kairo Richtung Osten fährt, erblickt am Horizont nach wenigen Minuten hohe Minarette und eine große Kuppel. Sie gehören zu einer riesigen Moschee, die die Ägypter mitten in der Wüste gebaut haben – sie ist eine der größten weltweit. Die Moschee ist nicht nur ein Gotteshaus, sie fungiert auch als Pforte zum neuen Kairo. Hier, rund 50 km von der alten Metropole entfernt, stampfen die Ägypter derzeit eine neue Verwaltungshauptstadt aus dem Boden.

Kritik an dem Projekt gibt es reichlich. Und doch steht das 40 Mrd EUR teure Bauvorhaben sinnbildlich für den wirtschaftlichen Aufschwung Ägyptens: Präsident Abd al-Fattah as-Sisi will dem nordafrikanischen Land mit seinem Entwicklungsprogramm „Egypt Vision 2030“ zu neuem Glanz verhelfen. Die Schreckensjahre nach dem Arabischen Frühling vor fast zehn Jahren sind längst vergessen. Auch starke Wechselkursschwankungen, steigende Inflationsraten und strenge Devisenkontrollen, die das Land jüngst aufrüttelten, gehören der Vergangenheit an.

Aufschwung in Sicht

Ägypten ist wirtschaftlich und politisch stabil. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft um mehr als 5%. 2020 sollen es laut Prognosen fast 6% sein. Zuletzt sorgten die gestiegene Gasproduktion und die damit verbundenen Exporte für zusätzliche Investitionen in der petrochemischen Industrie. Auch der Tourismus trägt zum Wirtschaftswachstum bei – vorausgesetzt, die Sicherheitslage im Land bleibt weiterhin stabil. Auch das Leistungsbilanzdefizit, das den Ägyptern jahrelang Probleme bereitete, zeigt eine positive Tendenz: Im vergangenen Jahr importierte Ägypten Waren im Wert von 65 Mrd USD und exportierte Güter im Wert von rund 30 Mrd USD.

Präsident as-Sisi will dieses Momentum nutzen und der Wirtschaft weiter Schub verleihen. Ganz oben auf der Liste: die Infrastruktur. Das Geld zur Modernisierung stammt aus Töpfen der Weltbank und aus arabischen Fonds. Zusätzlich zum Bau der neuen Verwaltungshauptstadt modernisiert Ägypten seine Verkehrswege, baut den öffentlichen Nahverkehr in Alexandria und Kairo aus. Das ist dringend nötig, denn die Einwohnerzahl steigt immer weiter – von 80 Millionen im Jahr 2008 auf fast 98 Millionen im Jahr 2017. Damit steigt auch der Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur.

Deutsche Firmen beteiligen sich

Das bringt Chancen für die Bauwirtschaft und lockt ausländische Investoren. So auch einen Maschinenbauer aus Mitteldeutschland, der einen Eisenbahnkran nach Ägypten liefert. Er hat sich an einer Onlineausschreibung der staatlichen Eisenbahnverwaltung Ägyptens beteiligt, die einen Lieferanten für ein Infrastrukturprojekt suchte. Nachdem der Lieferant sein Angebot abgegeben hatte, traf er die Vertreter der Eisenbahnverwaltung auf einer Branchenmesse in Berlin. Die Chemie stimmte, Qualität und Preis auch – der deutsche Mittelständler setzte sich gegen Mitbewerber aus anderen europäischen Staaten und aus China durch und erhielt den Auftrag.

Um das Geschäft finanziell abzusichern, setzte der Exporteur auf ein Akkreditiv. Doch einen deutschen Bankpartner zu finden war in diesem Fall gar nicht so leicht: Das Akkreditiv der Käuferbank kam nämlich nicht von einer ägyptischen Geschäftsbank, sondern von der Zentralbank des Landes. Eine Zentralbank, die auch kommerzielle Geschäfte macht, ist nach europäischem Verständnis undenkbar. Der Exporteur fragte eine deutsche Bank an – doch diese traute dem Geschäft nicht und lehnte ab.

Doch schließlich gelang es ihm, gemeinsam mit der LBBW den Export zu finanzieren. Mit Hilfe eines international tätigen Anwalts prüfte sie, ob das ägyptische Akkreditiv ­rechtens war. Immerhin ging es um ein Projektvolumen im zweistelligen Millionenbereich über 15 Monate. Die Anwaltskanzlei bestätigte: Da der Auftraggeber eine staatliche Organisation ist, darf die Zentralbank tätig werden. Die Bank bestätigte das Akkreditiv, und der Exporteur konnte direkt mit der Produktion des Eisenbahnkrans beginnen.

Auf der sicheren Seite

Eine solide Risikoabsicherung bildet die Grundlage für ein erfolgreiches Auslandsgeschäft. Doch viele Exporteure unterschätzen die Rolle des Finanzpartners: Dessen Kompetenz entscheidet oftmals über den Erfolg im Ausland. Wichtige Indikatoren sind dabei Ratings der führenden Agenturen. Hier erhalten deutsche Banken regelmäßig sehr gute Bewertungen, und das schafft Vertrauen, auch in fernen Märkten.

Akkreditive sind ein sehr beliebtes Instrument, um Exportrisiken abzusichern. Schätzungsweise 80% der Exporteure  sichern ihre Auslandsgeschäfte in dieser Form ab. Die Vorteile liegen auf der Hand: Akkreditive sind zum einen international bekannt und die Vorgehensweisen standardisiert. Zum anderen bieten sie ein hohes Maß an Sicherheit – für beide Seiten.  Der Exporteur kann sich darauf verlassen, dass er sein Geld auch wirklich bekommt. Der Importeur muss erst zahlen, wenn die Lieferung vollständig bei ihm angekommen ist.

Zwischen beiden Parteien vermitteln die Banken: Im Falle des mitteldeutschen Kranlieferanten bürgt die ägyptische Zentralbank dafür, dass die Eisenbahngesellschaft auch wirklich zahlt. Die Bank des Exporteurs sichert wiederum ab, dass die Zentralbank zahlt und der Exporteur sein Geld erhält. Das bekommt er, sobald er den Eisenbahnkran ordnungsgemäß verschickt und bei seiner Bank die entsprechenden Dokumente vorgelegt hat.

Wichtiges Standbein Nordafrika

Geschäfte in Ägypten und in der gesamten Region Nordafrika bergen ein moderates Risiko. Dementsprechend ist die Region Nordafrika ein wichtiges Standbein für die deutsche Wirtschaft. Ägypten ist zwar der wichtigste Markt der Region, aber Algerien und Marokko holen auf. Einzig das Geschäft in Libyen schwächelt aufgrund der politischen Situation vor Ort.

Die LBBW ist zwar nicht physisch vor Ort vertreten, kann jedoch auf ein verzweigtes Netz an Partnerbanken zurückgreifen. In Ägypten macht die Landesbank beispielsweise Geschäfte mit allen großen ägyptischen Banken.

Von dieser Kompetenz und dem breiten Netzwerk profitiert nun auch der mitteldeutsche Kranbauer. Gleich nach der Akkreditivbestätigung startete er die Arbeiten an dem Baukran. Neun bis zwölf Wochen dauert es, bis der Kran dann auf dem Seeweg von Hamburg nach Kairo verschifft werden kann. Der Kontakt zum ägyptischen Handelspartner ist nach wie vor rege: Immer wieder kommen Vertreter der Eisenbahngesellschaft vorbei und schauen sich den Fortschritt an. Ihr Feedback: Die Qualität stimmt. Und die Absicherung auch.

xaver.milz@lbbw.de

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