Osteuropäische Unternehmen haben oft Schwierigkeiten, ihre Exportgeschäfte zu wirtschaftlich darstellbaren Konditionen im Land zu finanzieren. Wer als deutscher Importeur nicht nur bestellt, sondern auch gleich eine Finanzierung mit anbietet, ermöglicht dem Partner in Osteuropa schnellen Zugang zu Devisen und stärkt damit seine eigene Verhandlungsposition. Die bankenunabhängige Finanzierung gewinnt im grenzüberschreitenden Handel zwischen mittelständischen Unternehmen an Bedeutung.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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In etlichen Ländern Osteuropas stecken produzierende Betriebe in einem gewissen Dilemma: Auf der einen Seite können sie dank gut ausgebildeter Arbeitskräfte und niedriger Lohnkosten auf Aufträge und die damit verbundenen Deviseneinnahmen aus den westlichen Industrienationen hoffen – doch auf der anderen Seite ist es gerade in Staaten mit einer problembehafteten Bankeninfrastruktur schwierig, ein größeres Auftragsvolumen mitsamt dem damit verbundenen Zahlungsziel vorzufinanzieren.

Chronischer Devisenmangel sowie Schwächen und Krisen im Bankensystem können in osteuropäischen Volkswirtschaften einen gravierenden Hemmschuh für das Wachstum der Wirtschaft darstellen. Neben dem immer noch nicht gelösten Konflikt in der Ukraine ist auch der anhaltend niedrige Rohölpreis ein Unsicherheitsfaktor, wenn es um die Stabilität der finanziellen Infrastruktur in Osteuropa geht. Dazu kommen vielerorts strukturelle Schwächen wie beispielsweise ein großer Einfluss von Oligarchen auf den regionalen Bankensektor.

Harte Maßnahmen in der Ukraine

So schwelt beispielsweise in der Ukraine schon seit längerem ein Konflikt zwischen der Nationalbank und privaten Banken, die teilweise von Oligarchen dominiert werden. Im vergangenen Jahr ergriff die ukrainische Bankenaufsicht harte Maßnahmen, um das marode Bankensystem zu konsolidieren. Große Banken wurden rekapitalisiert, während viele kleinere Institute schließen mussten. Insgesamt 60 ukrainische Banken mussten im vergangenen Jahr ihren Geschäftsbetrieb einstellen – das ist fast ein Drittel der am Markt aktiven Finanzinstitute.

Weniger dramatisch, aber durchaus problematisch ist die Situation in Russland, wo der schwache Rubel und ein anhaltend niedriger Ölpreis der Finanzbranche zu schaffen machen. Dort mussten im vergangenen Jahr rund 100 Geldinstitute schließen, wobei es sich zumeist um kleinere Banken handelte. Ein großes Problem ist das fehlende Vertrauen von privaten Anlegern in das Bankensystem. Viele Verbraucher horten lieber Euro oder US-Dollar als Bargeld, anstatt ihre Ersparnisse einer Bank anzuvertrauen. Experten erwarten eine Gesundschrumpfung des russischen Bankensektors auf rund 500 verbleibende Geldinstitute bis Ende 2017.

Engpässe bei der Kreditvergabe

Bei Exportunternehmen, die in Osteuropa ansässig sind, können sich die Probleme des Bankensektors negativ auf das Geschäft auswirken – auch dann, wenn das Unternehmen selbst wirtschaftlich gesund ist. Als Flaschenhals für das Wachstum erweist sich oft der erschwerte Zugang zu einer Finanzierung des Unternehmenswachstums. Hier gilt wie überall: Wenn die Banken mit eigenen Problemen beschäftigt sind, leidet darunter nur allzu oft die Kreditvergabe an Unternehmenskunden. Aus Angst, die in der Bilanz aufgelaufenen Risikoposten nicht schnell genug abbauen zu können, wird die Kreditvergabe oft radikal zurückgefahren oder mit hohen Anforderungen bei der Stellung von Kreditsicherheiten verknüpft.

Damit versiegt für die betroffenen Betriebe eine wichtige Quelle für die Finanzierung des Unternehmenswachstums. „Refinanzierungsmöglichkeiten für ukrainische Unternehmer sind am lokalen Kreditmarkt eher schwierig zu bewerkstelligen“, schreibt etwa das Österreichische AußenwirtschaftsCenter in Kiew in einer aktuellen Analyse zur wirtschaftlichen Lage in der Ukraine. Besondere Erschwernisse bringen solche Situationen bei Exportgeschäften. Hier müssen Unternehmen oftmals mit längeren Zahlungszielen als bei Inlandsgeschäften kalkulieren, so dass von vornherein ein erhöhter Finanzierungsbedarf besteht.

Dazu kommt, dass bei Zahlung in einer harten westlichen Währung die Finanzierung bis zum Zahlungseingang in der Währung des Exportlandes abgeschlossen werden sollte, um das Devisenkursrisiko zu minimieren. Wenn jedoch Devisenknappheit herrscht und die Bank keinen effizienten Zugang zum internationalen Kapitalmarkt hat, sind Fremdwährungsfinanzierungen oft von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Folge: Wenn die Finanzierung des Exportgeschäfts nicht zu vernünftigen Konditionen abgeschlossen werden kann, wird es für osteuropäische Unternehmen schwierig, Kunden in Deutschland mit längerem Zahlungsziel zu beliefern.

Lieferant als Finanzierungsvermittler

Für deutsche Unternehmen, die häufiger Waren aus Osteuropa importieren, kann es daher überlegenswert sein, dem Lieferanten ein Finanzierungsmodell anzubieten, das seine Liquidität entlastet und ihm den schnellen Zugang zu westlichen Devisen ermöglicht. Sehr gut geeignet für diesen Zweck ist beispielsweise das Finetrading, bei dem die Finanzierung direkt mit dem Handelsgeschäft verknüpft wird. Hierbei handelt es sich um ein bankenunabhängiges Finanzierungsmodell, das vor allem im grenzüberschreitenden Handel zum Einsatz kommt.

Der Finetrader schaltet sich als Zwischenhändler in das Geschäft ein, indem er die Waren vom Exporteur erwirbt und sie unverzüglich an den Importeur weiterveräußert. Der Zwischenhandel findet dabei ausschließlich auf dem Papier statt, so dass die Waren wie gewohnt direkt an den Abnehmer verschickt werden. Auch die Konditionen des Geschäfts werden direkt zwischen Exporteur und Importeur vereinbart. Damit besteht im Vergleich zum Direktgeschäft der Unterschied in der Abwicklung lediglich darin, dass der Exporteur seine Rechnung an den Fine-trader stellt und nicht an den Importkunden.

Diese Konstellation ermöglicht es, über unterschiedliche Zahlungsziele auf einfachste Weise eine Finanzierung aufzubauen. Die vom Lieferanten gestellte Rechnung bezahlt der Finetrader sofort, während er dem Abnehmer ein längerfristiges Zahlungsziel einräumt. Maximal sechs Monate kann sich der Empfänger der Ware Zeit nehmen, um die Rechnung zu bezahlen. Bei der Finetrading-Finanzierung von Investitionsgütern kann das Zahlungsziel sogar auf zwölf Monate verlängert werden.

Verbesserte Verhandlungsposition

Vorteil für den osteuropäischen Exporteur: Weil der Finetrader die Rechnung umgehend begleicht, kann der Verkäufer der Ware sofort einen Zufluss an Devisen und Liquidität verbuchen, so dass die mühsame Suche nach einer Finanzierungsquelle für das Exportgeschäft entfällt. Der in Deutschland ansässige Importeur wiederum kann sein gewohntes Zahlungsziel in Anspruch nehmen und verbessert durch die Sofortzahlung des Finetraders seine Verhandlungsposition gegenüber dem Lieferanten. In der Praxis ist es keine Seltenheit, dass die Kosten für die Finetrading-Finanzierung teilweise oder sogar ganz dadurch kompensiert werden, dass der Exporteur angesichts des schnellen Zahlungseingangs zu Zugeständnissen beim Verkaufspreis bereit ist.

Aufgrund der flexiblen Gestaltungsmöglichkeiten und der vergleichsweise niedrigen Mindestsummen bei der Finanzierung bietet sich Finetrading vor allem für mittelständische Unternehmen an, die einzelne Export- oder Importgeschäfte effizient finanzieren wollen. So konnte beispielsweise ein Stahlimport aus Weißrussland im Volumen von 150.000 EUR über Finetrading finanziert werden. Die Lieferung erfolgte in mehreren Tranchen, und nach jeder Teillieferung erhielt der in Weißrussland ansässige Stahlexporteur den Rechnungsbetrag sofort in Euro ausgezahlt. Auf der anderen Seite konnte der deutsche Importeur über das mehrmonatige Zahlungsziel die Lieferung so lange zwischenfinanzieren, bis er aus den damit erzielten Umsätzen neue Liquidität gewinnen konnte.

Nach Beobachtung der Osteuropa-Experten bei der DFT Deutsche Finetrading AG gewinnt die bankenunabhängige Finanzierungsform vor allem im grenzüberschreitenden Handel zwischen mittelständischen Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Dies zeigt unter anderem die große Resonanz auf eine Roadshow in der Ukraine und in Serbien, bei der sich eine große Zahl dort ansässiger Unternehmen über Finetrading informierte.

Kontakt: info@dft-ag.de

 

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