Für deutsche Exporteure spielt Pakistan bislang eine eher untergeordnete Rolle. Noch immer leidet das Land unter der staatlichen Schuldenkrise. Doch angesichts einer überwiegend jungen Bevölkerung von rund 190 Millionen Einwohnern und der wirtschaft­lichen Reformbemühungen bietet das Land im Süden des asiatischen Kontinents Zukunftspotential vor allem für Ausrüster der ­Textil- und Lederindustrie, Infrastrukturzulieferer und Hersteller von Agrartechnik.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Finetrading AG

Eher selten kommt es vor, dass Pakistan mit außergewöhnlichen Exportartikeln im Fokus der Weltöffentlichkeit steht. Doch in diesem Jahr konnte der südasiatische Staat eine besondere Exportpremiere vermelden: Rund 3.000 Fußbälle verließen eine Fabrik in der Provinz Panjab, die im Sommer dieses Jahres von Milliarden Menschen im Fernsehen gesehen wurden – es handelte sich um die „Brazucas“, die offiziellen Bälle der Fußballweltmeisterschaft 2014. Seit fast 20 Jahren kommen Fußbälle „made in Pakistan“ in vielen Profiligen auf der ganzen Welt als Spielgerät zum Einsatz.

Dass nun die dort gefertigten Bälle erstmals zum WM-Ball gekürt worden sind, stärkt das Selbstbewusstsein Pakistans als Herstellungszentrum für Leder-, Textil- und Sportartikel. Immerhin hatte das Land ausgerechnet in der Fußballproduktion, in der es lange Jahrzehnte eine führende Position einnahm, seit Ende der 90er Jahre immer mehr Marktanteile an chinesische Konkurrenten ver­loren, die aufgrund niedrigerer Lohnkosten die Produkte günstiger anbieten konnten. Dass nun Fußbälle aus Pakistan in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt worden sind, bietet der dortigen Sportartikelindustrie die Chance, verlorengegangenes Terrain wieder zurückzuerobern.

Strukturelle Schwächen

Während asiatische Staaten wie China, Indien, Japan und Südkorea häufig im Fokus der Berichterstattung stehen, führt Pakistan eher ein Nischendasein – was zunächst eher erstaunlich erscheint angesichts einer überwiegend jungen Bevölkerung von rund 190 Millionen Menschen und der Tatsache, dass das Land zu den wenigen Atommächten weltweit zählt. Doch sowohl die historisch gewachsenen Handelsbeziehungen insbesondere zu China, den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Großbritannien wie auch die anhaltenden wirtschaftlichen Probleme des Landes standen in den vergangenen Jahren einer größeren Ausweitung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Pakistan und Deutschland im Weg.

Noch immer leidet die dortige Wirtschaft unter den Folgen großer Naturkatastrophen. In den vergangenen zehn Jahren forderten etliche starke Erdbeben viele Todesopfer und richteten Schäden in Millionenhöhe an. Dazu kam im Jahr 2010 eine Flutkatastrophe, die mehr als 1,7 Millionen Häuser beschädigte, 1.700 Menschen das Leben kostete und ganze Landstriche verwüstete. Noch immer haben die Hälfte der Bevölkerung und ein großer Teil der Unternehmen nur eingeschränkten Zugang zur öffentlichen Stromversorgung, was für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum eine denkbar schlechte Voraussetzung ist. Darüber hinaus musste die Regierung in den vergangenen Jahren mehrfach den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten, damit ein Staatsbankrott abgewendet werden konnte.

Lichtblicke mehren sich

Doch inzwischen mehren sich die Lichtblicke, die sowohl eine Verbesserung der wirtschaftlichen Stabilität des Landes wie auch eine Ausweitung der Handelsbeziehungen zwischen Pakistan und Deutschland erhoffen lassen. So hat Pakistan vor zwei Jahren die zwischenzeitlich ausgesetzten Rückzahlungen an den IWF wieder aufgenommen und sich damit ein weiteres IWF-Förderprogramm gesichert, das im September vergangenen Jahres bewilligt wurde. Seit Anfang 2014 ist die Inflationsrate rückläufig, während die Devisenreserven nach jahrelanger Schrumpfkur wieder langsam ansteigen.

Sowohl Pakistan wie auch Deutschland haben sich in jüngster Vergangenheit auf Regierungsebene um einen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen bemüht. Im Fokus stehen dabei die Anstrengungen Pakistans beim Aufbau zuverlässig funktionierender Stromnetze und beim Wiederaufbau der durch die Flutkatastrophe stark beeinträchtigten Trinkwasserversorgung. Auf deutsch-pakistanischen Außenhandelsveranstaltungen warben pakistanische Regierungsvertreter explizit bei deutschen Unternehmen für Lieferungen von Know-how und Anlagentechnik nach Pakistan.

Deutsche Regierung will Handels­beziehungen mit Pakistan stärken

Auch die deutsche Regierung zeigt sich gewillt, den Beziehungen zu Pakistan mehr Aufmerksamkeit als bislang zu widmen. In den Verhandlungen innerhalb der EU zum Abbau von Einfuhrzöllen bei Importen aus Pakistan setzten sich die deutschen Vertreter in den EU-Gremien erfolgreich dafür ein, mit dem Abbau von Importbeschränkungen für Produkte aus Pakistan die dortige Exportwirtschaft zu stärken. Damit ist die Basis gelegt für den Ausbau der Handelsbeziehungen zu einem Land, das seine schlummernden Potentiale noch lange nicht ausgeschöpft hat. Im Jahr 2012 nahm Pakistan in der deutschen Importstatistik Rang 60 und in der Exportstatistik Rang 72 ein – vor allem angesichts des großen Bevölkerungspotentials dort lassen sich diese Positionen auf lange Sicht sicherlich noch verbessern.

Im Blickpunkt für die deutsche Exportwirtschaft könnten beispielsweise Zulieferteile und Know-how-Transfer für den Ausbau der Strom- und Wasserversorgung, Maschinenexporte für die Textil- und Lederproduktion oder Agrartechnik und Betriebsmittel für den durchaus bedeutenden landwirtschaftlichen Sektor in Pakistan stehen. Schon jetzt verzeichnen einige Unternehmen eine deutlich wahrnehmbare Belebung bei den Anfragen von pakistanischen Exportkunden.

Finanzierung „made in Germany“ erleichtert Export

Allerdings gestalten sich Exportgeschäfte mit Pakistan im Vergleich zum Export in EU-Staaten oder in die Industrienationen Asiens deutlich schwieriger. Wie in anderen Schwellenländern wünschen sich auch pakistanische Unternehmen beim Import von Waren aus Europa ein Komplettpaket aus Warenlieferung und Finanzierung. Grund dafür sind die hohen Zinsen, die Unternehmen bei den dortigen Banken für kurz- und mittelfristige Importfinanzierung entrichten müssen. Weil sich europäische Kreditgeber zu weitaus günstigeren Konditionen refinanzieren können, ist es für Unternehmen in Pakistan bei Importen aus Deutschland attraktiv, eine Finanzierung „made in Germany“ mitangeboten zu bekommen.

Für deutsche Exporteure wiederum kann sich die noch immer prekäre Finanzlage des pakistanischen Staates als Hemmnis bei der Suche nach einem Kreditpartner für die Exportfinanzierung erweisen. Im „Doing Business 2013“-Ranking der Weltbank steht das Land derzeit auf Rang 107 von insgesamt 185 Staaten, und noch immer ist die Gefahr einer Staatspleite nicht nachhaltig gebannt. Vor diesem Hintergrund scheut so manche Bank die Finanzierung von Pakistan-Exportgeschäften, selbst wenn der dort ansässige Abnehmer wirtschaftlich gesund ist und eine solide Bonität vorweisen kann.

Für Unternehmen, die mit pakistanischen Kunden ins Geschäft kommen möchten, kann Finetrading als bankenunabhängige und innovative Finanzierungsform für Exportgeschäfte in Frage kommen. Der Finetrading-Anbieter tritt dabei als Zwischenhändler auf, der die Ware direkt an den Abnehmer weiterveräußert. Für die Finanzierung wird das Zahlungsziel eingesetzt: Während die Forderung des Exporteurs sofort beglichen wird, kann sich der Abnehmer je nach Art der gelieferten Ware bis zu zwölf Monate Zeit mit der Zahlung lassen. Die Lieferung der Ware bleibt von der Zwischenschaltung des Finetrading-Anbieters unberührt – der Abnehmer wird wie beim herkömmlichen Exportverkauf direkt beliefert.

Mit Finetrading Länderexpertise ­auslagern

Gerade beim Export in Schwellenländer profitieren deutsche Unternehmen davon, dass sie die Länderexpertise zusammen mit der Finanzierung vom Finetrading-Anbieter zur Verfügung gestellt bekommen. Weil der Finetrader die Prüfung der Bonität des Abnehmers übernimmt, muss sich der Exporteur nicht mit den spezifischen Gegebenheiten des Ziellandes befassen. Darüber hinaus lässt sich der beim Kunden häufig vorhandene Wunsch nach einem integrierten Finanzierungspaket erfüllen: Bei ausreichender Bonität braucht der Kunde nur der Einschaltung des Finetraders zuzustimmen und bekommt dann zusammen mit der Ware die maßgeschneiderte Finanzierung mitgeliefert.

Kontakt: doh[at]dft-ag.de

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