Der russische Maschinenbaumarkt ist zwar groß, lässt sich aber aufgrund der zahlreichen verschiedenartigen Teilsektoren nur schwer analysieren. In der ehemaligen Sowjetunion war der Maschinenbau die fortschrittlichste Branche der russischen Wirtschaft. Doch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mussten die meisten Hersteller entweder schließen oder ihre Produktions­mengen erheblich zurückfahren, so dass der russische Maschinenbaumarkt heute von Importprodukten beherrscht wird.

Von Dr. Thomas Langen, Hauptbevollmächtigter, Atradius Deutschland

In der ersten Hälfte des Jahres 2012 stiegen in den wichtigsten Bereichen die Einfuhren aus Westeuropa und China. Allein aus Deutschland erhöhte Russland seine Bezüge in den ersten fünf Monaten 2012 um 15,7%. Die größten Importzuwächse wurden in den Segmenten elektrische Anlagen, Bahntechnik sowie Instrumente und Kleingeräte verzeichnet. Darüber hinaus besteht eine große Nachfrage nach Bohrtechnik für die Öl- und Gasförderindustrie und nach Kraftwerkstechnik.

Abgesehen von den Teilsektoren Automobilbau, Bahntechnik sowie Luft- und Raumfahrttechnik sind die Produktionszuwächse im russischen Maschinenbau gering, während die Importe kräftig steigen. Damit ist Russland ein wichtiger Absatzmarkt für ausländische Lieferanten.

Besonders hoch ist der Bedarf an Maschinen in der russischen Öl- und Gasindus-trie, im Kraftwerksbau, im Automobilbau und in der Konsumgüterindustrie einschließlich Lebensmittel- und Verpackungsproduktion. Der sehr kapitalintensive Maschinenbausektor ist stark von der allgemeinen Wirtschaftslage, von der Verfügbarkeit von Bankkrediten sowie von staatlichen und privatwirtschaftlichen Investitionen abhängig.

Die Rahmenbedingungen für den Absatz von Maschinen sind zurzeit gut. Die Nachfrage nach Konsumgütern steigt ebenso wie die staatlichen Investitionen in Infrastrukturprojekte. Nur der weltweite Rezessionsdruck könnte sich negativ auf die russische Wirtschaft auswirken und damit die Nachfrage nach neuen Maschinen sinken lassen. So gingen die russischen Importe im zweiten Quartal 2012 insgesamt um 2,2% zurück.

Das Zahlungsverhalten in der Branche hat sich in den vergangenen sechs Monaten nicht verändert. Weder bei den Zahlungsverzögerungen noch bei den gemeldeten Zahlungsausfällen noch bei den Insol-venzzahlen wurden Zuwächse verzeichnet. Dies wird sich in naher Zukunft auch nicht ändern. Die Zahlungsausfälle und Insolvenzen in der russischen Maschinenbaubranche sind nicht niedriger oder höher als in anderen russischen Industriezweigen.

Grundlage für unsere Kreditlimitentscheidungen sind gerade bei hohen Versicherungssummen unsere persönlichen Gespräche mit den Abnehmern unserer Kunden. Besonders aufmerksam sind wir bei Abnehmern und Projekten, die mit dem Staat in Verbindung stehen.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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