Die russische Wirtschaft erholt sich von der Rezession. Insbesondere die Industrieproduktion legt kräftig zu. Mit einem neuen Anlauf zur Modernisierung und Privatisierung der verarbeitenden Industrie will die Regierung die Abhängigkeit von der Rohstoff­förderung verringern. Deutsche Unternehmen sind als Technologiepartner willkommen und sollten die Chance zur Präsentation ihrer Leistungsfähigkeit nutzen.

Von Wolfgang Lenarz, Geschäftsbereichsleiter Auslandsmessen, Deutsche Messe AG

Russland ist das Land der Gegensätze. Es erstreckt sich über zwei Kontinente, und obwohl drei Viertel der Fläche Russlands in Asien liegen, wohnen 75% der russischen Bevölkerung in Europa. Die Temperaturen können zwischen minus 50° und plus 40° Celsius liegen. So hat das Land mit strengen Wintern und heißen Sommern zu kämpfen. Welche katastrophalen Auswirkungen die langen Hitzeperioden haben können, wurde im August deutlich, als große Wald- und Torfflächen in Russland lichterloh brannten.

Der größte Schatz Russlands sind die Rohstoffe. Dieser Reichtum entpuppte sich während der Wirtschaftskrise als Fluch und Segen zugleich: Aufgrund der hohen Öl- und Gasreserven verfügt die russische Regierung zwar über ein ordentliches finanzielles Polster, sie hat es aber auch lange versäumt, dringend er-forderliche Modernisierungsmaßnahmen in der Industrie voranzutreiben. Mit dem Einsetzen der Krise und dem Verfall der Rohstoffpreise wurde die Abhängigkeit Russlands von Öl und Gas offensichtlich. Die russische Regierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um dringend erforderliche Investitionen in die Modernisierung der eigenen Wirtschaft voranzutreiben.

Die ersten Erfolge dieser vielfältigen Maßnahmen zeigen sich bereits: Die russische Wirtschaft wächst wieder. Russlands Bruttoinlandsprodukt ist nach Angaben des russischen Wirtschaftsministeriums im zweiten Quartal 2010 um 5,6% gewachsen, wobei zunehmende Exporte sowie die steigende Binnennachfrage die wichtigsten Wachstumsfaktoren sind. Die russische Industrieproduktion ist in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sogar um 9,6% gewachsen.

Insbesondere der russische Automarkt ist wieder im Aufwind. Dank der russischen Variante der Abwrackprämie konnte der Neuwagenabsatz im ersten Halbjahr des laufenden Jahres um 3% gegenüber der Vorjahresperiode gesteigert werden. Die Auslastung der vielerorts neuen Produktionsanlagen ist allerdings noch sehr niedrig. Die Association of European Business (AEB) erwartet für 2010 einen Neuwagenabsatz von 1,67 Mio Fahrzeugen. Das wären immer noch 1 Mio Autos weniger als im Rekordjahr 2008.

Mittel- und langfristig sehen wir für die russische Wirtschaft erhebliches Wachstumspotential. Zurzeit können russische Maschinen noch kaum mit Importprodukten konkurrieren. Sie sind selten weltmarktfähig, haben häufig Produktivitätsnachteile gegenüber westlichen Modellen, verbrauchen in der Regel mehr Ressourcen und sind reparaturanfälliger. Geht es nach dem Willen der russischen Regierung, wird sich das jedoch bald ändern. Insbesondere für deutsche Unternehmen bietet die russische Modernisierungsoffensive vielfältige Möglichkeiten.

Mit unseren erstmals parallel organisierten Industriemessen bieten wir sowohl internationalen als auch russischen Unternehmen eine ideale Plattform, um sich auf dem russischen Markt zu präsentieren. Unser Konzept, mehrere Messen zeitgleich unter einem Dach zu veranstalten, hat sich bereits in vielen Märkten bewährt. Zur Premierenveranstaltung der Industrial Trade Fair Moscow vom 28. September bis zum 1. Oktober im All-Russian Exhibition Center erwarten wir mehr als 270 Aussteller aus aller Welt. Mit den Leitmessen CeMAT RUSSIA, MDA RUSSIA, INDUSTRIAL AUTOMATION RUSSIA und SURFACE RUSSIA bilden wir eine große Bandbreite der industriellen Wertschöpfungskette ab.

Die CeMAT RUSSIA deckt alle Bereiche der Intralogistik ab: von der Förder- und Lagertechnik über Verpackungs- und Kommissionstechnik, Materialfluss, Lagertechnologie und Werkstattausrüstung, Verpackungssysteme und Verkehrstechnik bis zu Systemen und Software für Intralogistik sowie Logistikservice und Outsourcing.

Der Markt für Intralogistikprodukte ist in den vergangenen Jahren in Russland stark gewachsen. Allein im Jahr 2008 wurden in ganz Russland 2 Mio qm neue Lagerhallen und Logistikzentren gebaut. Für neue Straßen, Eisenbahnschienen und Häfen stellt der Staat Milliardeninvestitionen zur Verfügung.

Auf der MDA RUSSIA zeigen mehr als 100 Aussteller moderne Antriebs- und Fluidtechnik. Dieser klassische Zulieferbereich hat in der Automobilindustrie eine wichtige Abnehmerbranche. Laut russischem Industrie- und Handelsministerium sollen in zwei Jahren 80% der in Russland zugelassenen Autos auch dort produziert worden sein. Dieses ambitionierte Ziel wird die in Russland ansässige Automobilindustrie nur erreichen, wenn sie konsequent auf neue Technologien und effiziente Prozesse setzt.

Die Aussteller der INDUSTRIAL AUTOMATION RUSSIA, der internationalen Fachmesse für Produktions- und Prozessautomatisierung, sowie der SURFACE RUSSIA, der Fachmesse für Oberflächentechnik, zeigen innovative Lösungen aus den Bereichen Robotik, Industrieautomation und Mikrosystemtechnik.

Wir erschließen gemeinsam mit unseren Ausstellern den russischen Markt. Bei aller Routine, die wir bei der Implementierung neuer Messen im Ausland haben, bleibt eine Messepremiere auch für uns etwas ganz Besonderes. Wir sind gespannt auf die Eröffnung der Industrial Trade Fair in Moskau.

Kontakt: Wolfgang.Lenarz[at]messe.de

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