Rumänien bietet als aufstrebender EU-Staat im Südosten Europas attraktive Chancen für exportorientierte mittelständische ­Unternehmen. Allerdings können Hürden bei der Finanzierung und eine laxe Zahlungsmoral das Exportgeschäft erschweren. Als Ausweg bietet sich die Auslagerung der Exportfinanzierung auf einen externen Partner an. Dann können Finanzierungslücken überbrückt werden.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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Die Wirtschaft wächst, bei der Bekämpfung der Korruption sind Fortschritte zu verzeichnen, und die Zahl der Auswanderungswilligen ist rückläufig: Aus Rumänien, das in wirtschaftlicher Hinsicht lange Zeit zu den Sorgenkindern der Europäischen Union zählte, sind zuletzt immer wieder gute Nachrichten zu vernehmen.

Gut ein Vierteljahrhundert nach der Revolution gegen den Diktator Nicolae Ceausescu hat sich nicht nur die Demokratie stabilisiert. Auch die Modernisierung der rückständigen industriellen und wirtschaftlichen Strukturen wurde angepackt – ein langfristiger und zum Teil langwieriger Prozess, der heute noch längst nicht beendet ist.

Doch gerade die immer noch laufende Modernisierung der Wirtschaft und Infrastruktur bietet für deutsche Unternehmen attraktive Exportchancen, nicht zuletzt auch unter dem Gesichtspunkt, dass sich die Formalitäten bei Lieferungen in das EU-Land Rumänien auch für kleinere und mittelständische Betriebe in erträglichen Grenzen halten.

Große Fortschritte bei der Onlineinfrastruktur

Das aufstrebende Land im Südosten Europas unternimmt große Anstrengungen, um die Vergangenheit der maroden und korrupten Planwirtschaft hinter sich zu lassen. So sorgte die deutliche Verbesserung des Bildungswesens dafür, dass sich in der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen der Anteil an Hochschulabsolventen von 9,1% im Jahr 2002 auf 20,8% im Jahr 2013 mehr als verdoppelt hat. Auch die Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen genießt in der rumänischen Wirtschaftsförderung einen hohen Stellenwert. So belegt Rumänien beim Anteil schneller Internetanschlüsse mit mehr als 10 MBit pro Sekunde Downloadgeschwindigkeit in Europa mittlerweile den sechsten Platz und liegt damit einige Plätze vor Deutschland, Großbritannien und Frankreich.

Der flächendeckende Ausbau der Breitbandinternetversorgung hat zusammen mit dem guten Bildungsangebot dazu geführt, dass sich Rumänien mehr und mehr zu einem international bedeutenden IT-Standort entwickelt hat. Nicht nur global agierende IT-Konzerne haben dort Niederlassungen aufgebaut. Auch die landesweite Gründerszene ist vor allem im IT-Segment von einer positiven Aufbruchsstimmung geprägt.

Industrie soll modernisiert werden

Nicht nur in den Dienstleistungsbranchen versucht Rumänien, den Anschluss an die Industrieländer Europas zu finden. Mit der Weiterentwicklung des industriellen Sektors soll für den derzeit noch dominierenden Dienstleistungssektor, der gut 60% des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet, ein Gegengewicht geschaffen werden. Zu den Vorzeigeprojekten in diesem Bereich zählt sicherlich der zum französischen Renault-Konzern gehörende Autobauer Dacia, dessen preisgünstige Fahrzeuge sich in vielen Ländern Europas gut verkaufen und in dessen Umfeld sich eine perspektivenreiche Ansammlung an inländischen Zulieferbetrieben entwickelt hat.

Neben dem Maschinen- und Anlagenbau spielt die Produktion von Metallwaren, chemischen Produkten und Textilien eine wichtige Rolle in der rumänischen Wirtschaft. Potential für deutsche Exporteure bietet auch der landwirtschaftliche Sektor, wo die Mechanisierung derzeit erst im Gange ist und der Nachholbedarf eine entsprechende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Maschinen und Ersatzteilen mit sich bringt. Darüber hinaus sehen Experten vor Ort gute Marktchancen für Hersteller im Bereich der Umwelttechnik und der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern.

Produkte „made in Germany“ genießen in Rumänien einen exzellenten Ruf, und so ist Deutschland mit einem Anteil an den rumänischen Importen von rund 25% mit großem Abstand der führende Handelspartner des südosteuropäischen Landes.

Finanzierungshürden für rumänische Unternehmen

Allerdings hat die wirtschaftliche Entwicklung in Rumänien trotz vieler positiver Aspekte auch ihre Schattenseiten. So bleibt ein Teil des Wachstumspotentials ungenutzt, weil Fördermittel der Europäischen Union nicht immer zielgerichtet zum Einsatz kommen und die Privatisierung der zahlreichen, teils maroden Staatsunternehmen nicht in dem Tempo vorankommt, wie es von Wirtschaftsexperten gefordert wird.

Das rumänische Bankensystem hatte sowohl unter der globalen Finanzkrise als auch aufgrund vielfältiger Verflechtungen unter der Schuldenkrise Griechenlands zu leiden. Als neues Damoklesschwert über dem dortigen Bankensektor könnte sich ein neues Hypothekargesetz entpuppen, das überschuldeten Baufinanzierungskunden erlauben soll, ihr Haus an die Bank zu überschreiben und im Gegenzug einen Schuldenerlass zu verlangen. Solche Unsicherheiten und Ertragsrisiken auf Seiten der Banken können dazu führen, dass der ohnehin nicht immer einfache Zugang zu Krediten für Unternehmen weiter erschwert wird.

Dann können deutsche Exporteure vor dem Problem stehen, dass ihre Abnehmer in Rumänien zwar ein hohes Interesse am Kauf der Ware haben, den Erwerb jedoch mangels adäquat verzinster Kreditangebote nur in geringerem Umfang oder überhaupt nicht realisieren können. Vor allem kleinere und mittelständische rumänische Betriebe, die keine Verbindung zu international aufgestellten Banken haben, sehen sich bei der Finanzierung häufig mit solchen Hindernissen konfrontiert.

Lieferantenkredit als Notlösung

Vor diesem Hintergrund scheint es wenig erstaunlich, dass viele rumänische Unternehmen versuchen, Finanzierungslücken über das möglichst großzügige Ausschöpfen von Lieferantenkrediten zu schließen. So haben sich nach einer Studie der EOS-Gruppe die durchschnittlichen Zahlungsziele in Rumänien innerhalb eines Jahres von 37 auf 39 Tage verlängert. Darüber hinaus ist der Anteil der Debitoren, die ihre Rechnung innerhalb der vereinbarten Frist begleichen, im selben Zeitraum um 2 Prozentpunkte auf nur noch 73% zurückgegangen.

Damit müssen deutsche Exporteure, die auf offene Rechnung nach Rumänien liefern, oftmals lange Zahlungsziele sowie ein hohes Verzugsrisiko einkalkulieren. Für solche Unwägbarkeiten muss das exportierende Unternehmen entsprechende Liquidität vorhalten, sei es in Form von Eigenkapital oder durch die Aufnahme eines Überbrückungskredits.

Aus der Not eine Tugend machen

Eine Alternative zu diesem Vorgehen besteht darin, die langen Zahlungsfristen in Rumänien offensiv aufzugreifen und gemeinsam mit einem Finanzierungspartner dem rumänischen Abnehmer eine mehrmonatige Finanzierung seines Importgeschäfts mit anzubieten. Als bankenunabhängige Finanzierungsmöglichkeit eignet sich für solche Zwecke Finetrading, das auf einem Handelsgeschäft basiert und ohne Hinzuziehen eines Kreditinstituts realisiert werden kann.

Der Finetrader agiert dabei als Zwischenhändler: Er erwirbt sozusagen für einen virtuellen Augenblick die Ware vom Lieferanten und veräußert sie umgehend an den Abnehmer weiter, wobei er über die unterschiedlichen Zahlungsfristen die Finanzierung arrangiert. Der Lieferant erhält sein Geld sofort, während der Abnehmer vom Finetrader ein mehrmonatiges Zahlungsziel eingeräumt bekommt. Handelswaren können auf diese Weise über einen Zeitraum von sechs Monaten finanziert werden, bei Investitionsgütern beträgt der maximale Finanzierungszeitraum sogar zwölf Monate. Die physische Lieferung erfolgt wie gewohnt direkt vom Lieferanten an den Abnehmer.

Mit einem solchen Gesamtpaket aus Warenlieferung und Finanzierung können exportierende Unternehmen ihr Angebot für Kunden in Rumänien attraktiver machen. Der Abnehmer kann die Ware über mehrere Monate hinweg auf einfache Weise finanzieren und hat damit die Möglichkeit, größere Chargen zu entsprechend günstigeren Konditionen zu bestellen. Auf der anderen Seite braucht sich der Exporteur weder mit langen Zahlungszielen noch mit Ausfallrisiken zu befassen – denn mit dem Erteilen der Finanzierungszusage übernimmt der Finetrader auch das Ausfallrisiko.

Kontakt: info@dft-ag.de

 

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