In den USA hat sich ein gewaltiges Marktpotential für Offshorewindkraftanlagen entwickelt. In den vergangenen beiden Jahren wurden Fortschritte erzielt, die einen echten Durchbruch für US-Offshore bedeuten.

Bis dato wird der weltweite Markt für Offshorewindkraftanlagen (OSW) von europäischen sowie chinesischen Projekten dominiert. 99% der Ende 2018 weltweit installierten OSW-Kapazität von 23 GW stehen vor Europas bzw. Chinas Küsten.

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Der Markt ist im Wandel: In Asien haben Taiwan, Südkorea und Japan auf zentralstaatlicher Ebene ehrgeizige OSW-Ausbauziele festgelegt. In Taiwan befinden sich erste Großprojekte im Bau. In diesen beweist sich, dass deutsche und europäische Exporteure und Investoren mit ihrer Sektorexpertise sehr gefragte Partner sind.

Nachholende Belebung

Im Zuge des Wandels hat sich auch in den USA ein gewaltiges Marktpotential entwickelt. Aufgrund des ausgeprägten Föderalismus der USA sowie des Fehlens nationaler Ausbauziele für OSW war die Entwicklung hier langsamer als in Europa. Jedoch wurden – insbesondere in den vergangenen beiden Jahren – Fortschritte erzielt, die einen echten Durchbruch für den OSW-Sektor in den USA bedeuten. Die für die Bewirtschaftung der nationalen Meeresflächen zuständige Bundesbehörde BOEM hat bis heute 15 Pachtverträge zum Zwecke der Entwicklung und des Betriebs von OSW-Parks vor der US-Ostküste abgeschlossen. Die Einbeziehung führender europäischer OSW-Entwickler wie Orsted, Equinor oder Iberdrola zeigt das hohe internationale Interesse an der Entwicklung des Sektors.

Die Attraktivität der Pachtverträge hat zugenommen, da sich heute ein Weg zur Vermarktung des vor der Küste generierten Stroms abzeichnet. Denn immer mehr Bundesstaaten entlang der Ostküste setzen den in ihrer Jurisdiktion tätigen Elektrizitätsversorgern Volumenziele zur Kontrahierung von OSW-Erzeugungskapazität. Diese Volumenziele summieren sich von Maine bis South Carolina auf 20 GW, die bis 2030 zu erfüllen sind. In Europa waren zum Vergleich Ende 2018 weniger als 19 GW installiert. Mittelfristig sehen wir zusätzlich an der Westküste hohes Potential, insbesondere im erneuerbaren ­Energien traditionell wohlgesonnenen Kalifornien. Aufgrund geologischer Gegebenheiten gehen wir hier aber erst dann von einem signifikanten Marktpotential aus, wenn in wenigen Jahren schwimmende Fundamente auf industrieller Basis zum Einsatz kommen können.

Wettbewerbsfähigkeit erforderlich

Offshorewindprojekte können (und müssen) an der US-Ostküste preislich wett­bewerbsfähig gegenüber alternativen Formen der Stromerzeugung sein. Diese Wettbewerbsfähigkeit beruht auf einer Kombination aus hoher und wachsender Stromnachfrage in den großen Verbrauchszentren wie Boston, New York oder Washington D.C., mangelnder Netzinfrastruktur, um weiter entfernt pro­duzierten Strom zum Verbraucher zu transportieren, sowie der Schwierigkeit, entlang der dichtbesiedelten Ostküste Erzeugungsprojekte an Land in großem Stile umzusetzen. Grundvoraussetzung ist aber natürlich die Kostensenkung in der OSW-Industrie durch größere Anlagen.

Interessengegensätze überwinden

OSW-Projekte werden sich teilweise ideologischem und politischem Gegenwind ausgesetzt sehen. Wettbewerbsfähige Projekte werden sich aber zunehmend gegen diesen Gegenwind durchsetzen, auch wenn es im Einzelfall zu Verzögerungen kommen kann. Das Projekt Vineyard des dänischen Investors CIP ist ein Beispiel. Der Widerstand einzelner Interessengruppen führt zu einer Verzögerung von voraussichtlich zwölf Monaten. Interessierte deutsche Exporteure und Investoren werden ihre Expertise sicherlich gewinnbringend in den USA einbringen können. Dabei sind aber einige landesspezifische Besonderheiten zu berücksichtigen. Unter anderem sind in diesem Kontext zu sehen:

  • Politische Begleitung und Genehmigungsprozesse laufen auf mehreren Ebenen: Während Pachtverträge mit der Bundesebene geschlossen werden, sind lokale und gliedstaatliche Genehmigungen separat einzuholen.
  • Keine Verzahnung bei Vergabe von Pacht- und Stromabnahmeverträgen, d.h., der Pachtvertrag sichert nicht die Stromabnahme.
  • Hoher politischer Druck für Investitionen und Arbeitsplätze in jedem einzelnen Gliedstaat sorgt für komplexe politische Koordination.
  • „Jones Act“ schafft Komplexität, da nur in den USA gebaute Schiffe für Installationsarbeiten US-Häfen anlaufen dürfen.
  • Steuerliche Förderung von OSW-Projekten („Tax Credits“) sorgt für aus europäischer Sicht ungewöhnliche Investoren- und Finanzierungsstrukturen.

Die KfW IPEX-Bank hat den europäischen OSW-Sektor von Anfang an unterstützt und mit über 2 Mrd EUR Projektfinanzierungen OSW- Projekte in Deutschland, Belgien, Großbritannien und Frankreich federführend strukturiert. In diesem Jahr hat die Bank u.a. mit Siemens, Dillinger Hütte und wpd erstmals deutsche Kunden in einem asiatischen OSW-Projekt begleitet.

Die KfW-IPEX Bank ist mit einer Repräsentanz in New York vertreten und unterstützt die Sektorexperten in der Frankfurter Zentrale im Rahmen der Kundenpflege, Marktbeobachtung und Geschäftsanbahnung in der Region Nordamerika.

Andrew.Eckhardt@kfw.de

www.kfw.de

 

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