Deutsche Unternehmen scheuen immer noch die politischen, unternehmerischen und finanziellen Risiken in Afrika. Dazu trägt nach Ansicht der Referenten der „2nd Managing Risk in Africa“-Konferenz oft eine falsche Wahrnehmung der wirklichen Risiken bei. Die Veranstaltung des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft fand am 6. Februar 2013 in den Tagungsräumen der KfW in Frankfurt am Main statt und vermittelte grundlegende Instrumente des Risikomanagements in Afrika.

Von Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut

Die Zeit sei reif für deutsche Unternehmen, ihren Blick noch stärker auf den afrikanischen Kontinent zu richten. Viele deutsche Firmen, insbesondere die mittelständischen, zeigten sich immer noch zu risikoscheu und hielten sich mit einem Engagement in Afrika zurück, sagte Dr. Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft vor über 150 Unternehmensvertretern. Ein Grund hierfür sei, dass die negative Berichterstattung der Medien über einzelne Krisenländer für eine insgesamt falsche Wahrnehmung des Kontinents sorge. Die tatsächlichen Risiken seien in vielen stabilen und erfolgreichen Ländern Afrikas erheblich kleiner. So bewerte z.B. Transparency International die Lage hinsichtlich Korruption in 33 von 54 afrikanischen Staaten besser als in Russland.

Auch Gastgeber und KfW-Vorstand Norbert Kloppenburg appellierte an die deutschen Unternehmen, sich stärker in Afrika zu engagieren. Er wies auf die beachtlichen Geschäftschancen hin, die sich in vielen Ländern des Kontinents anböten. Der Nachholprozess in Afrika sei längst in Gang gesetzt. Das Wachstum in Afrika liege seit Jahren über dem Weltdurchschnitt; 2012 habe es nur in Asien stärker zugelegt. Für die KfW-Entwicklungsbank sei die Unterstützung der Entwicklung in Afrika eine Schlüsselaufgabe. Sie sei inzwischen mit 18 Büros auf dem Kontinent präsent. Die Finanzierungszusagen hätten sich in den vergangenen Jahren stark von 200 Mio EUR auf gut 1 Mrd EUR im Jahr 2012 erhöht.

Hans-Jürgen Beerfeltz, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), betonte in seiner Ansprache, dass ein wichtiges Ziel der deutschen Entwicklungshilfe in Afrika die Verbesserung der Rahmenbedingungen und des Geschäftsumfelds für private Investoren sei. Und hier seien bereits Fortschritte sichtbar. Die Medien berichteten viel zu wenig über die vielen Erfolgsgeschichten afrikanischer Staaten. Inzwischen flössen bereits jährlich 50 Mrd USD an ausländischen Direkt­investitionen auf den Kontinent.

Dr. Nkosana Moyo, früherer Vizepräsident der Afrikanischen Entwicklungsbank sowie Gründer und Vorsitzender des Mandela Institute for Development Studies, stellte die Vorteile deutscher Unternehmen bei einem Engagement in Afrika heraus. Im Gegensatz zu vielen anderen Ländern könnten sie auf Partnerschaften ohne Belastungen durch die koloniale Vergangenheit bauen.

Privates Wirtschaften sei in Afrika lange Zeit mit Kolonialismus assoziiert worden. Inzwischen habe sich die Haltung zur Privatwirtschaft verändert, und es bilde sich in Afrika zunehmend ein privates Unternehmertum heraus. Hierdurch seien zunehmend Kooperationen zwischen afrikanischen und ausländischen Unternehmen möglich.

Wer nach Afrika gehe, müsse sich mit den soziokulturellen Unterschieden befassen. Moyo warnte z.B. davor, ein Geschäft einzugehen, das sehr hohe Gewinne verspreche. Reichtum werde in afrikanischen Familien geteilt. Daraus folge eine hohe Erwartungshaltung. Zudem solle man sich bemühen, die afrikanische Realität zu verstehen, das mache ja auch jeder, der nach China ginge. Die technischen Lösungen müssten an die besonderen Bedingungen vor Ort angepasst werden. Wichtig sei zudem, die Prinzipien des gegenseitigen Respekts und der Beziehung auf Augenhöhe zu leben.

Für Karl Weinfurtner, Leiter Geschäftsentwicklung und Portfoliomanagement, DEG, liege das größte Risiko nicht bei politischen und wirtschaftlichen Faktoren, sondern bei der Umsetzung von Projekten. Oft überstiegen die Kosten die ursprüngliche Planung, und es gebe eine unerwartet hohe soziale Verantwortung. Sean Cleary, Geschäftsführer von Strategic Concepts, machte konkrete Vorschläge, was in die Risikoanalyse eines Projektes eingehen sollte und wie man Projektrisiken verringern könne.

Dr. Thomas Duwe, Abteilungsleiter Afrika Überregional, KfW Entwicklungsbank, wies auf die Geschäftschancen in Verbindung mit der Bevölkerungsentwicklung in Afrika hin. Als Beispiel nannte er Uganda, wo die Bevölkerung rasant wachse. Dies führe zu einem riesigen Bedarf an Infrastrukturinvestitionen. Das Land brauche Investitionen in Höhe von 20 Mrd USD allein für den Ausbau der Energieinfrastruktur. Die gute Nachricht sei, dass zunehmend private Investitionen oder öffentlich-private Partnerschaften (PPP) zustande kämen. Die Energieversorgung in Uganda habe sich dadurch bereits stark verbessert. Und sie werde ohne Subventionen, also zu Marktpreisen, gewährleistet.

Kurzfristige Forderungsabsicherungen (L/Cs) sowie langfristige Hermes-gedeckte Finanzierungen würden in vielen Ländern Afrikas von der BHF-BANK angeboten erläuterte Ingo-Dieter Tuchnitz, Vice President, Senior Regional Manager Financial Institutions and Emerging Markets, BHF-BANK. Gift Simwaka, Regionalmanager für Südafrika, African Export-Import Bank, wies auf die Möglichkeiten der Deckung durch panafrikanische Finanzinstitute hin. Die Zusammenarbeit mit deutschen Banken sein noch ausbaufähig. Panafrikanische Institute hätten den Vorteil, die besonderen Risiken in Afrika besser einschätzen zu können. Sie seien somit in der Lage, Finanzierungen und Deckungen günstiger anzubieten.

Kontakt: s.roehrig[at]faz-institut.de

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