Als der Zahlungsverkehrsdienstleister SWIFT Ende Januar sein neues Ranking der Welthandelswährungen veröffentlichte, war dies eine Art Ritterschlag für den chinesischen Renminbi (RMB): Er gehört jetzt mit US-Dollar, Euro, Britischem Pfund und Yen zu den „Big Five“. Nachdem große Konzerne den Renminbi schon lange für ihre Handelsgeschäfte mit chinesischen Partnern einsetzen, sehen jetzt auch immer mehr Mittelständler die Notwendigkeit, in Renminbi zu fakturieren.

Von Martin Keller, Leiter Anlage- und Risikomanagement der Mittelstandsbank, Commerzbank AG und Frank-Oliver Wolf, Global Head Cash Management & International Business, Commerzbank AG

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Nicht zuletzt dank des Renminbi Clearings in Frankfurt ist die Fakturierung in Renminbi mit dem Rat und der Unterstützung einer kompetenten Hausbank einfacher denn je. Noch vor zwei Jahren, im Januar 2013, belegte der Renminbi gerade einmal Platz 13 unter den Welthandelswährungen, sein Anteil lag bei mageren 0,63%. Seitdem hat er acht Plätze gutgemacht, seinen Anteil auf 2,17% gesteigert und nun auch schon den Yen (Marktanteil: 2,69%) in Schlagweite. Das Tempo, das er dabei vorlegt, ist atemberaubend: 2014 verdoppelten sich die Transaktionen gegenüber dem Vorjahr. Seit 2012 haben sie sogar um 361% zugenommen. Dabei darf man nicht vergessen, dass die chinesische Regierung erst Mitte 2009 durch die Vereinbarung des RMB Trade Settlement Scheme mit dem Abbau von Restriktionen zur Verwendung des Renminbi im internationalen Handel begonnen hat.

Clearing in Frankfurt brachte zusätzlichen Schub

Auch wenn die Topwährungen im internationalen Zahlungsverkehr nach wie vor US-Dollar und Euro sind, über die drei Viertel aller weltweiten Transaktionen abgewickelt werden: Von einer Neben- oder Schwellenwährung kann beim Renminbi keine Rede mehr sein, er gehört zum selbstverständlichen Währungsportfolio im internationalen Handel.

Wesentlich dazu beigetragen hat ohne Zweifel der kontinuierliche Ausbau der Renminbi-Offshore-Zentren. Seit November vergangenen Jahres läuft das Clearing in Frankfurt, dem ersten Standort im Euro-Raum. Die sog. Cut-off-Zeiten für gleichtägige Zahlungsverkehrstransaktionen haben sich jedoch bisher nicht verändert. Momentan viel bedeutender ist der psychologische Effekt: Die deutschen Unternehmen sehen, dass die Clearingbank in Frankfurt ihnen näher ist und dass sie Absicherungsprodukte zu attraktiven ­Kursen mit ihren langjährig vertrauten Betreuern handeln können. Damit wird es vielen Firmenkunden leichter fallen, sich mit diesem Währungsthema zu befassen und in Deutschland Renminbi-Konten zu eröffnen, Renminbi zu kaufen und zu verkaufen, Wechselkursrisiken abzusichern, Import- und Exportzahlungen in Renminbi zu beauftragen sowie Import- und Exportakkreditive ebenso wie dokumentäre Inkassos zu eröffnen bzw. abzuwickeln und Bankgarantien erstellen zu lassen, mit Genehmigung der zuständigen Behörden in China Kapitaltransfers innerhalb von Unternehmensgruppen abzuwickeln und ihre Renminbi-Liquidität in Form von Termingeldern attraktiv verzinsen zu lassen.

Vorteile auf beiden Seiten

Deutsche Unternehmen können durch den Einsatz der Landeswährung ihre Marktposition stärken und ihre Geschäftsmöglichkeiten in China erweitern. Sie verbessern ihre Verhandlungsposition und erreichen Preisvorteile durch die Übernahme des Währungsrisikos vom chinesischen Vertragspartner. Festpreisvereinbarungen in Renminbi reduzieren zudem Nachverhandlungen für Preisanpassungen aufgrund von Kursveränderungen. Schließlich werden so auch Handelsgeschäfte mit chinesischen Unternehmen möglich, die keine Lizenz für grenzüberschreitende Geschäfte in US-Dollar oder Euro erhalten können.

Das Interesse an einer Renminbi-Fakturierung ist auch auf chinesischer Seite vorhanden, denn die dortigen Unternehmen wollen möglichst kein Währungsrisiko in ihren Büchern haben. Sie gehen wie viele Währungsexperten davon aus, dass die chinesische Währung deutlich volatiler werden wird. Ein Grund für die zuletzt stärkeren Schwankungen gegenüber dem US-Dollar liegt bei der chinesischen Notenbank: Sie hat im März des vergangenen Jahres die Bandbreite der erlaubten Schwankungen von +/–1% auf +/–2% er-höht. Man muss davon ausgehen, dass der Renminbi trotz konjunktureller „Schwächen“ – wenn man jährliche Wachstumsraten zwischen 6% und 7% so bezeichnen will – weiter zulegt. Der Grund: Infolge der reduzierten Nachfrage nach importierten Rohstoffen ist mit einem größeren Handelsbilanzüberschuss zu rechnen.

Absicherung über den Offshore-Renminbi

Die Absicherung der Währungspositionen ist für jeden China-Außenhändler, der in Renminbi fakturiert, wichtiger denn je. Mit dem frei konvertierbaren Offshore-Renminbi (CNH) lassen sich prinzipiell Devisen­geschäfte wie bei jeder anderen frei handelbaren Währung abschließen. Die Commerzbank hat dazu flexible Lösungen ­entwickelt – von der einfachen Terminkursfestschreibung bis zur individuellen Optionsstruktur, mit der Unternehmen die Chancen aus Wechselkursentwicklungen des Renminbi nutzen können.

Bei einem Renminbi-Termingeschäft wird ein verbindlicher Terminkurs für einen zukünftigen Fälligkeitstag vereinbart. Das schafft Kalkulationssicherheit. Die beiderseitige Erfüllungsverpflichtung bietet allerdings weniger Flexibilität als alternative Absicherungen und zudem keine Partizipationsmöglichkeit an günstigen Kursentwicklungen.

Beim Kauf einer Devisenoption hingegen gibt es keine Erfüllungsverpflichtung. Gegen Zahlung der Optionsprämie vermeiden Unternehmen insoweit ein Kursrisiko, sollte beispielsweise eine Währungsposition aus Grundgeschäften unerwartet entfallen. Vor allem können Unternehmen evtl. eintretende günstige Marktkonditionen nutzen, da es ihnen freisteht, den aktuellen Wechselkurs zu realisieren und die Option nicht auszuüben.

Zusätzlich Partizipation an positiven Entwicklungen

Darüber hinaus stehen auch Absicherungsstrategien zur Verfügung, die ohne direkten Prämienaufwand eine Partizi­pation an Wechselkursveränderungen ermöglichen. So lässt sich beispielsweise ein verbindlicher „Worst Case“-Absicherungskurs vereinbaren, der etwas ungünstiger ist als der reguläre Terminkurs, gleichzeitig aber eine Partizipationsmöglichkeit an bestimmten Wechselkursentwicklungen bietet. So kann sich ein Unternehmen etwa mit Zahlungsverpflichtungen gegen eine Renminbi-Aufwertung absichern und gleichzeitig an einer Renminbi-Abwertung zu 50% partizipieren.

In Frage kommen darüber hinaus Devisenswaps (FX Swap), also Vereinbarungen zwischen zwei Parteien über eine Devisenkassatransaktion und ein gegenläufiges Devisentermingeschäft über den üblicherweise selben Betrag in der quotierten Währung (Basiswährung). Solche Swapgeschäfte sind ebenfalls für den Offshore-Renminbi realisierbar. Sie ermöglichen ein effizientes und währungsübergreifendes Liquiditätsmanagement. So kann ein kurzfristig nicht benötigtes Renminbi-Guthaben für einen definierten Zeitraum in Euro oder eine andere Währung getauscht werden. Da es sich hier lediglich um eine synthetische Renminbi-Anlage (und einen Eurokredit) handelt, entsteht keine neue Devisenposition und damit auch kein zusätzliches Wechselkursrisiko.

Kontakt: martin.keller[at]commerzbank.com ; frank-oliver.wolf[at]commerzbank.com

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