Just zu dem Zeitpunkt, zu dem Ratingagenturen im Zuge des US-Haushaltsstreits vor einer Herabstufung der US-Bonitätsnote ­warnen, versieht Coface die Bewertung A2 der Vereinigten Staaten mit einem positiven Ausblick. Damit reagiert der internationale ­Kreditversicherer auf die Wachstumsaussichten der amerikanischen Privatwirtschaft. Die US-Amerikaner konsumieren wieder. Dank der Nachfrage der privaten Haushalte zeigen sich die Führungsetagen der US-Wirtschaft wieder zuversichtlich.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

Der Rückgang der öffentlichen Ausgaben schmälert das Wachstum 2014 voraussichtlich weniger als 2013. Deshalb rechnen wir mit einer spürbaren Belebung des BIP-Wachstums, das nach einem Plus von 1,5% in diesem Jahr auf 2,2% im Jahr 2014 zulegen dürfte. Coface stellt aufgrund der verbesserten Ausgangslage für Unternehmen die Einstufung der USA in ihren Länderbewertungen unter Beobachtung für eine Hochstufung. Derzeit befinden sich die US-Amerikaner mit A2 auf der zweitbesten Bewertungsstufe. Die beste Bewertung steht damit wieder in Aussicht.

Im Unterschied zur prekären Lage der öffentlichen Hand zeigt sich die Nachfrage der privaten Haushalte in wesentlich besserem Licht als zuletzt. Vor allem wird der private Konsum vom Rückgang der Arbeitslosenquote (August: 7,3%) gestützt. Aber auch das verfügbare Einkommen stieg deutlich an. Und das zurückgekehrte Vertrauen der Verbraucher drückt sich nicht zuletzt in der geringeren Sparquote aus, die mittlerweile nur noch 4,4% beträgt und damit 2 Prozentpunkte niedriger als in den letzten zwei Jahren ausfällt. Zudem profitiert die Kaufkraft der Haushalte vom geringen Schuldendienst. Dieser erreicht mit 10,5% des verfügbaren Einkommens ein historisches Tief, nachdem er noch 2008 mit 14% auf einem absoluten Höhepunkt lag. Überhaupt scheint die Zeit des Schuldenabbaus überstanden. Bereits im letzten Quartal 2012 war die Verschuldung der privaten Haushalte erstmals seit Anfang 2009 nicht mehr gestiegen. Auch kamen die Verbraucher wieder leichter an Kredite. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor verzeichnete ein, wenn auch moderates, so doch positives, Wachstum. Wie die jüngsten vierteljährlichen Umfragen der Federal Reserve unter Banken zeigen, war es auch in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten leichter, an Kredite zu kommen. Dies gilt sowohl für Unternehmen als auch für Haushalte und belegt, dass sich die expansive Geldpolitik der amerikanischen Notenbank über den Weg der Bankkredite positiv auf die Wirtschaft auswirkt. Die Investitionen der US-Unternehmen zeigen sich robust. Auch ihre Gewinne steigen wieder.

Profitieren die Unternehmen generell wieder von der besseren Auftragslage, so sind speziell auch die Aussichten für die Bauwirtschaft durchweg positiv. Wichtige Indikatoren wie Baugenehmigungen und Baubeginne haben seit Anfang 2013 deutlich zugelegt. Die Immobilienpreise steigen wieder kontinuierlich. Im Juli 2013 lagen sie 12,3% über denen des Vorjahresmonats – das ist der höchste Anstieg seit April 2006. Von anhaltenden Investitionen in den Wohnungsbau Ende 2013 und im Jahr 2014 wird man ausgehen dürfen. Obwohl die Bauinvestitionen nur einen Anteil von 2,5% des BIP ausmachen und ihre direkten Effekte auf die wirtschaftliche Aktivität beschränkt bleiben, regen die positiven Vermögenseffekte, die mit den höheren Immobilienpreisen einhergehen, die Verbraucher wieder an, mehr Geld auszugeben und zu investieren.

Das größte Fragezeichen steht weiterhin hinter dem Staatshaushalt. In der politischen Auseinandersetzung um die Erhöhung der Schuldenobergrenze und einen möglichen Plan zur Konsolidierung der Staatsfinanzen lieferten sich Demokraten und Republikaner einen erbitterten Streit. Nach Wochen der Unsicherheit und der Haushaltsblockade konnten sich die Kongressabgeordneten und das Weiße Haus am 16. Oktober zwar in letzter Minute einigen, die Schuldenobergrenze anzuheben. Doch das Ergebnis ist nur vorläufig. Mit dem temporären Budget wurde das ernste Problem nur vertagt. Das Thema liegt auf Wiedervorlage für den kommenden Januar. Der Kongress muss erneut über das Budget für 2014 abstimmen und die Schuldenobergrenze überdenken.

Abhängig vom Ausgang der Neuverhandlungen, könnten wir unsere Wachstumserwartungen von 2,2% für die USA nach unten korrigieren. Die Republikaner werden sich sicherlich für weitere Ausgabenkürzungen stark machen. Darüber hinaus droht die Kurzfristigkeit künftiger Abkommen das Vertrauen des Marktes zu untergraben. Coface vermutet, dass die Schuldenobergrenze im Januar erneut erhöht wird. Doch die US-Staatsanleihen könnten damit auf längere Sicht als risikofreie Anlage an Attraktivität verlieren. Noch halten die internationalen Zentralbanken über 60% ihrer Währungsreserven in US-Dollar. Aufgrund der sich wiederholenden Unsicherheiten, die mit der US-amerikanischen Politik einhergehen, könnten viele allmählich dazu übergehen, ihre Reserven mehr zu diversifizieren. Das verstärkt den Aufwärtsdruck bei den Zinsen auf langfristige US-Staatsanleihen, was mittelfristig auch gravierende Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung haben dürfte. Und schließlich würde Haushalten und Unternehmen damit der Anreiz genommen, mehr auszugeben.

Das Risiko, dass die Erholungsphase wieder umschlägt, kann demnach nicht völlig ausgeschlossen werden. Bei einem solchen Szenario würde der private Konsum stark beeinträchtigt. Derzeit geht Coface aber davon aus, dass die USA einen solchen Stillstand mit allen Kräften verhindern werden und somit die private Nachfrage und Investitionen trotz weiterer möglicher Haushaltseinschnitte robust bleiben.

Textkasten: Die Länderbewertung von Coface

Mit der Länderbewertung dokumentiert Coface das durchschnittliche Risiko eines Zahlungsausfalls bei Unternehmen in einem bestimmten Land. So fließen neben makroökonomischen Daten vor allem die Zahlungserfahrungen mit den Unternehmen ein. Darin unterscheidet es sich von den Länderratings der Agenturen, die in der Regel die Staatsbonität oder Sicherheit von Anleihen zum Gegenstand haben. Zudem findet das in dem Land vorzufindende Geschäftsumfeld mit Kennzahlen zur Finanztransparenz, zum Gläubigerschutz und zu den institutionellen Rahmenbedingungen Berücksichtigung. Regelmäßig werden über 150 Länder analysiert und bewertet. Die Bewertungsskala reicht von A1 bis D, wobei die Stufen A1 bis A4 ein niedriges Länderrisiko kennzeichnen. Die Stufen B bis D stehen dagegen für ein mittleres bis hohes Risiko. Alle Einstufungen können auch unter Beobachtung für eine Auf- oder Abwertung gestellt sein („positive/negative watch“). Die aktuellen Länderbewertungen von Coface sind gebührenfrei abrufbar auf www.coface.de unter der Rubrik „Country Risk and Economic Research“.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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