Nach einer zweijährigen Rezession befindet sich Portugal seit 2014 wieder auf Wachstumskurs. Gestützt wird der Aufschwung vom privaten Konsum, der das wachsende Verbrauchervertrauen widerspiegelt. Spanien konnte die negativen Wachstumszahlen im vergangenen Jahr ebenfalls hinter sich lassen. Dort hat sich der Aufschwung dank der besseren Konditionen auf den Kapitalmärkten, der guten Entwicklung der Ausfuhren sowie der eingeleiteten politischen Reformen jüngst sogar beschleunigt.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

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Nachdem Coface Spanien in der Länderbewertung bereits auf A4 heraufstufte, dürfte Portugal bald ebenfalls besser eingestuft werden. Die Bewertung B ist mit positivem Ausblick versehen. Beide Länder machen sich allmählich vom Rettungsprogramm frei. Die finanzielle Situation der Unternehmen verbessert sich schrittweise: Die Gewinne erholen sich, und die Insolvenzen gehen zurück. Die Industrieproduktion in Portugal und Spanien stieg im März 2015 überraschend stark um über 3% gegenüber dem Vorjahr. Das Wirtschaftswachstum erreichte in den ersten drei Monaten 2015 in Portugal 1,4% und in Spanien sogar 2,6%. Gestützt wird der Aufschwung vom privaten Konsum, der das wachsende Verbrauchervertrauen widerspiegelt. Der mit der Beschäftigungs- zunahme einhergehende Rückgang der Arbeitslosigkeit hat zu einem besseren Konsumklima beigetragen. Inzwischen gibt auch der Außenbeitrag stärkere Impulse, da die Importe leicht rückläufig sind und die Exporte steigen. Während Spanien im ersten Quartal ein Exportwachstum von lediglich 1% erzielte, betrug es in Portugal bereits 4%.

Nachdem die Arbeitnehmer bei Löhnen und Gehältern Zurückhaltung geübt haben und der Arbeitsmarkt umstrukturiert wurde, steigen die Gewinnspannen der portugiesischen Unternehmen seit 2009 wieder an. Zudem geht die Zahl der Firmenpleiten, die vor allem auf den Binnenmarkt ausgerichtete KMU betrafen, seit 2013 wieder zurück, nachdem sie sich in den Jahren zwischen 2007 und 2012 mehr als verdreifacht hatten. Auch die von Coface registrierten Zahlungsausfälle, die Anfang 2012 einen traurigen Spitzenwert erreicht hatten, sind spürbar gesunken. Dennoch sind die Unternehmen mit 164% des BIP (Ende März 2014) haushoch verschuldet, was die Investitionstätigkeit hemmt und der Produktivität schadet. Die Finanzbranche konnte zwar ihre Liquidität in den Jahren 2012 und 2013 stärken, steht aber weiterhin auf wackligen Beinen. Der Anteil fauler Kredite ist nach wie vor hoch, und die Ertragslage der Banken hat sich enorm verschlechtert. Das zweite Halbjahr 2014 war gekennzeichnet von der Rettung der Banco Espirito Santo und dem Versagen der Banco Comercial Português beim Stresstest der EZB. Diese Ereignisse hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Kreditvergabe, die immer restriktiver gehandhabt wird, so dass vor allem kleine und mittelständische Unternehmen Probleme bekommen.

Portugal hat auch Strukturhemmnissen den Kampf angesagt, die das Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen behindern. Dennoch herrscht weiterhin eine ausgeprägte Unterbeschäftigung, und die Produktionskapazitäten sind wegen des unzureichenden Investitionsvolumens geschrumpft. Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist es zudem erforderlich, Hemmschuhe wie die recht ineffiziente Verwaltung, die langwierigen Gerichtsverfahren, die restriktive Regulierung des Arbeitsmarktes und die geringe Konkurrenz auf den Gütermärkten zu beseitigen. Das Problem der Überschuldung wiederum kann gelöst werden, wenn die bestehenden Anreize zur Kreditaufnahme sowie die Regelungen abgeschafft werden, die die Umstrukturierung der Verbindlichkeiten gesunder Unternehmen verhindern. Wenn Portugal seine nach wie vor enorme Staatsverschuldung – nach Griechenland die höchste im Euro-Raum – in den Griff bekommen und das Vertrauen der Märkte behalten möchte, ist eine Fortsetzung des Sparkurses unerlässlich.

Die spanischen Exportunternehmen, insbesondere die großen Industriekonzerne, haben am meisten von den Produktivitätsfortschritten profitiert und die Krise wohlbehalten überstanden, während die auf den Binnenmarkt ausgerichteten Firmen immer noch kein Licht am Ende des Tunnels sehen. Auch die Bruttomargen der Unternehmen sind seit 2008 gestiegen, und seit Ende 2010 führen die Betriebe ihre Verbindlichkeiten zurück, wobei die derzeit herrschende Deflation die Entschuldung der Firmen bremsen dürfte. Und schließlich geht die Zahl der Unternehmensinsolvenzen seit Ende 2013 zurück. Am stärksten gefährdet sind dabei nach wie vor Firmen aus der Baubranche und dem Handel.

Die Mitte 2012 im Bankensanierungsprogramm vorgesehenen Maßnahmen, für die das Land im Gegenzug europäische Finanzhilfen erhielt, wurden erfolgreich umgesetzt, so dass das Programm wie geplant Ende 2013 abgeschlossen werden konnte. Dadurch ist es dem Land gelungen, seinen Finanzsektor zu sanieren, der durch das Platzen der Immobilienblase im Sommer 2007 und durch die sich daran anschließende Rezession in Schieflage geraten war. Die Banken verfügen inzwischen über eine bessere Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung und haben ausreichend Rückstellungen für Verluste gebildet. Außerdem haben sich die Finanzierungs-konditionen deutlich verbessert. Bei den von der EZB im Herbst 2014 durchgeführten Stresstests ist in puncto Liquidität keines der Institute durchgefallen. Der Anteil der Not leidenden Kredite ist im ersten Halbjahr 2014 erstmals leicht zurückgegangen, und die Kreditverknappung hat nachgelassen.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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