Die indonesische Regierung investiert insbesondere in den Bau von Bahntrassen wie z.B. in das U-Bahn-Netzwerk in Jakarta, in Häfen und Kraftwerke. Bei allen Chancen, die Indonesiens Wirtschaft bietet, sollten Exporteure aber auch auf Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungsbegleichung durch indonesische Firmen vorbereitet sein.

Im größten Inselstaat der Erde wurden Mitte April 2019 Parlamentswahlen durchgeführt. Amtsinhaber Joko Widodo dürfte die zweite Amtszeit voraussichtlich mit einem Vorsprung von 10% vor seinem Herausforderer antreten. Die Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses wird für Mai erwartet. Einige wichtige Aufgaben sind aber seit seiner ersten Wahl 2014 noch zu lösen. Unsere Analyse zeigt, wie es aktuell in Indonesien aussieht und welche Branchen für Exporteure interessant sein könnten.

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Präsident Joko Widodo wurde den Prognosen zufolge mit 55% der Stimmen im Amt bestätigt. Damit setzte er sich noch deutlicher als schon bei der Wahl im Jahr 2014 gegen seinen Herausforderer Prabowo Subianto durch. Das offizielle Wahlergebnis dürfte in Kürze feststehen. Der ehemalige Möbelhändler war bereits fünf Jahre an der Macht.

Der Präsident ist zwar bekennender Muslim, vertritt allerdings die Haltung, dass Glaube Privatsache sei. Dennoch berief er einen konservativen Geistlichen zum Vizepräsidenten, um die muslimische Bevölkerung für sich zu gewinnen.

Joko Widodo verbesserte in seiner bisherigen Amtszeit die ökonomische Stabilität durch die Verringerung von Reglementierungen und die Einführung von Reformen merklich, ebenso steigerte er die Direktinvestitionen. Darüber hinaus verwies er im Wahlkampf auf Fortschritte in der Armutsbekämpfung sowie auf Verbesserungen in der Infrastruktur. Zudem überzeugte er erfolgreich Investoren vom Potential Indonesiens. Er erreichte allerdings nicht alle gesteckten Ziele. Die Bekämpfung von Korruption und Bürokratie steht weiterhin auf der Agenda des wiedergewählten Präsidenten, ebenso die Bekämpfung der Armut in den ländlichen Gebieten. So erreichte das BIP-Wachstum Indonesiens zuletzt 5% statt der anvisierten 7%.

Wirtschaftliche Entwicklung

Indonesiens Hauptstadt Jakarta hat allein 10 Millionen Einwohner. Im Verband der südostasiatischen Staaten, auch ASEAN genannt, nimmt Indonesien als Gründungsmitglied eine führende Position ein. Zudem sitzt der Inselstaat ebenso wie Deutschland als nicht ständiges Mitglied für zwei Jahre im UN-Sicherheitsrat.

Trotz Joko Widodos Bemühungen ist die Produktivität im viertgrößten Staat der Welt, bezogen auf die Einwohnerzahl, international gesehen gering. Das liegt neben der weiterhin ausbaufähigen Infrastruktur an den unzureichend ausgebildeten Arbeitskräften im Inselstaat.

Das Bruttosozialprodukt folgt einer seit Jahren kontinuierlichen Steigerung von etwa 5% pro Jahr. Unsere Atradius-Experten bestätigen in ihrer Prognose diese Entwicklung dank der hohen Inlandsnachfrage für das laufende Jahr ebenso wie für das kommende Jahr. Die indonesische Regierung investiert insbesondere in den Bau von Bahntrassen wie z.B. in das U-Bahn-Netzwerk in Jakarta, in Häfen und Kraftwerke und achtet bei der Vergabe der Projekte darauf, dass die Nachbarländer gleichmäßig davon profitieren.

Wirtschaft mit Potential

Bedingt durch eine rückläufige Nachfrage des wichtigsten Handelspartners China insbesondere nach Rohstoffen, verlangsamt sich das Exportwachstum seit 2018. Die geringeren Wachstumsraten in China wirken sich, verbunden mit einer größeren Konsumneigung in Indonesien, negativ auf die indonesischen Exporte aus.

Allerdings machen die Ausfuhren nur gut ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Dadurch reagiert Indonesien auf eine mögliche Abschwächung im weltweiten Handel nicht so stark wie andere südostasiatische Staaten. Auch die robuste Inlandsfrage würde die Auswirkungen mittelfristig in Grenzen halten.

Das Inlandsdefizit wird in den kommenden Jahren trotz eher niedriger Steuereinnahmen voraussichtlich bei 2% des BIP liegen. Die Staatsschulden machen ein noch tragfähiges Niveau von 35% des BIP aus.

In den ersten neun Monaten 2018 kam es zu einer Währungskrise. Die Indonesische Rupiah verlor deutlich an Wert gegenüber dem US-Dollar. Zur Stützung des Wechselkurses nutzte die Regierung Devisenreserven und führte Importzölle auf eine Reihe von Konsumgütern ein. Für die Zukunft kann eine weitere Krise nicht ausgeschlossen werden, allerdings ist eine starke Abwertung unwahrscheinlich dank der robusten Wirtschaftsentwicklung. Zudem sind die staatlichen Auslandsschulden langfristig ausgelegt.

Gute Aussichten für Exporteure

Insbesondere im Konsumgütersektor boomt die Nachfrage dank des wachsenden Mittelstands. Die Bevölkerung fragt vermehrt Elektrowaren, langlebige Gebrauchsgüter und Textilien nach. Auch die E-Commerce-Branche ist auf dem Vormarsch durch eine kontinuierlich steigende Zahl an Internetnutzern. Ausländische Investoren sind bereits in den Markt eingetreten. Von dieser Entwicklung profitieren die lokale Verpackungs- und die Chemieindustrie. Die Erholung im produzierenden Gewerbe wirkt sich ebenfalls positiv aus. Im Lebensmittelsektor ist die Entwicklung laut der aktuellen Analyse von Atradius ebenfalls positiv.

Bei allen Chancen, die Indonesiens Wirtschaft bietet, sollten Exporteure aber auch auf Unregelmäßigkeiten bei der Rechnungsbegleichung durch indonesische Firmen vorbereitet sein. Das indonesische Recht schreibt keine Standardzahlungsziele vor. Atradius unterstützt Unternehmen bei Geschäften mit indonesischen Abnehmern im Rahmen des Kreditversicherungsschutzes und hilft, sichere und unsichere Geschäftspartner frühzeitig zu identifizieren. Kommt es dennoch zu Zahlungsschwierigkeiten, hilft zudem Atradius Collections beim Forderungseinzug.

Auf www.atradius.de finden Sie im Bereich Publikationen verschiedene Analysen über die Potentiale in Südostasien im Allgemeinen und Indonesien im Besonderen.

andreas.tesch@atradius.com

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