Die noch junge, erst im Jahr 2012 ins Leben gerufene Pazifik-Allianz (Alianza del Pacífico) – eine Freihandelszone, die von Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile gegründet wurde – hat 2014 weitere wichtige Schritte für die Ausweitung und Vertiefung der Zusammenarbeit erreicht. Das liberale Bündnis vereint die zurzeit dynamischsten Volkswirtschaften Lateinamerikas und stellt sich zunehmend als ein erfolgreiches Alternativmodell zu dem vor sich hindümpelnden Wirtschaftsblock Mercosur dar.

Von Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut

Gemessen an den ursprünglichen Zielen (Zollunion, Visa- und Reisefreiheit, gemeinsame Wertpapierbörse und gemeinsame Vertiefung der Handelsbeziehungen mit Asien), kann die Pazifik-Allianz nach zwei Jahren Bestehen schon einige Ergebnisse vorweisen. „90% der Zölle zwischen Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile wurden bereits abgeschafft, die restlichen 10% werden in den nächsten Jahren aufgehoben“ berichtet Magdalena Forster, Deutsche Bank Research, in ihrem Kommentar zur Pazifik-Allianz. Dabei sei dies hauptsächlich das Ergebnis bereits bestehender bilateraler Freihandelsabkommen zwischen den Mitgliedern, die eine Voraussetzung für den Beitritt zur Pazifik-Allianz seien.
Costa Rica erfüllte diese Bedingung nach Abschluss des letzten noch offenstehenden Freihandelsabkommens mit Kolumbien und wurde im Mai 2014 als neues Vollmitglied aufgenommen. Panama hat bereits Bewerberstatus und dürfte als nächstes der Pazifik-Allianz beitreten. Etwas unklar aus heutiger Sicht ist noch die Rolle der inzwischen über 25 assoziierten Mitglieder mit Beobachterstatus, zu denen unter anderem auch große Industrieländer Europas (z.B. Frankreich und Deutschland) und Asiens zählen.

Fokus auf Asien-Pazifik

Über die Ziele einer Freihandelszone hinaus streben die Pazifik-Allianz-Länder vor allem an, ihre Handelsbeziehungen im asiatisch-pazifischen Raum mit Hilfe gemeinsamer Interessenvertretungen weiter auszubauen. In einzelnen Ländern Asiens wurden bereits gemeinsame Vertretungen eröffnet. China, Japan, Südkorea und Taiwan sind derzeit aufgrund ihrer bedeutenden Nachfrage nach Rohstoffen die wichtigsten Handelspartner der Region.

Die regionale Integration und Zusammenarbeit konzentriert sich zurzeit vor allem auf die Bereiche Finanzmarkt, Tourismus, Bergbau und Bildung (höhere Mobilität der Studenten). Die Wertpapierbörsen werden in einem Integrierten Lateinamerikanischen Markt (MILA) mit Handelsplätzen in den einzelnen Ländern zusammengeschlossen. Der Prozess soll mit der Integration Mexikos noch Ende 2014 abgeschlossen sein. Dann dürfte MILA hinsichtlich der Anzahl der börsennotierten Unternehmen und der Marktkapitalisierung die brasilianische BOVESPA überholt haben und zum größten Aktienmarkt Lateinamerikas aufsteigen.

Pazifik-Allianz-Raum, interessanter Markt für die deutsche Wirtschaft?

Deutsche Exporteure profitieren bereits davon, dass Deutschland bzw. die EU mit allen Ländern der Pazifik-Allianz Freihandelsabkommen abgeschlossen haben.
Die Pazifikanrainer Chile, Peru und Kolumbien sind aktuell zusammen mit dem NAFTA-Mitglied Mexiko die dynamischsten Märkte in Lateinamerika. Die drei Andenländer werden voraussichtlich 2014 und 2015 Wachstumsraten zwischen 3,5% und 6% verzeichnen, auch wenn die Wachstumsdynamik durch die sinkende Nachfrage ihres größten Exportmarktes China und den Rückgang der Rohstoffpreise vorübergehend geschwächt werden dürfte.

Nach Angaben der Pazifik-Allianz erwirtschaften die fünf Mitgliedsländer etwa 37% der Wertschöpfung Lateinamerikas. Der gemeinsame Markt umfasst eine Bevölkerung von 214 Millionen Menschen, das entspricht ca. 35% der Bevölkerung des Kontinents. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei knapp 10.000 USD. Die Region sorgt für 47% des Außenhandels Lateinamerikas und empfängt rund 33 Millionen Touristen im Jahr.

Über die Marktoffenheit hinaus bestimmen in den Pazifik-Allianz-Ländern makroökonomische Stabilität und investorenfreundliche Regelungen die Leitlinien der Wirtschaftspolitik. So vereint die Region inzwischen auch 42% der ausländischen Direktinvestitionen Lateinamerikas auf sich.

Grenzen der regionalen Integration

Der Löwenanteil der ausländischen Direktinvestitionen fließt in den Rohstoffsektor. Insbesondere die drei Andenländer Chile, Peru und Kolumbien sind stark abhängig von Rohstoffexporten. Ihre Wirtschaftsstrukturen (mit den Exportschwerpunkten Erdöl, Erdgas, Kohle, Erze und Agrargüter) sind sehr ähnlich und ergänzen sich vor allem gut mit denen der Handelspartner in Asien.

Aus diesem Grund herrscht Skepsis, ob es den Pazifik-Allianz-Ländern gelingen wird, durch ihre Handelsliberalisierungen auch dem intraregionalen Austausch von Waren und Dienstleistungen, also dem Handel zwischen den Mitgliedsländern, wichtige Impulse zu geben. Derzeit ist der intraregionale Handel (mit einem Anteil von 4% am gesamten Handel dieser Länder) noch sehr gering. Für einen stärkeren Handelsaustausch sind hohe Investitionen in handelsbezogene Infrastrukturen vonnöten, was angesichts der geographischen Herausforderungen mit hohen Kosten verbunden sein dürfte.

Ausblick

Die Pazifik-Allianz bietet als ein Zusammenschluss teilweise kleiner, aber offener und dynamischer Handelsnationen gute Chancen für eine schnellere Entwicklung und wachsende Attraktivität der Region. Auf jeden Fall haben sich die Mitgliedsländer gut aufgestellt, um in der aktuellen Neuordnung der transatlantischen Handelsbeziehungen (TTIP) bzw. der Trans-Pazifischen Handelsbeziehungen (TTP) eine gewichtige Rolle einzunehmen.
So gibt es inzwischen im Rahmen der TTIP-Verhandlungen Überlegungen und Empfehlungen, nach deren Abschluss weitere nord- und südamerikanische Länder in das Abkommen als Partner miteinzubeziehen, mit denen bereits Freihandelsabkommen bestehen (dies sind neben Kanada die Länder der Pazifik-Allianz) und somit die Idee einer effizienten globalen Wertschöpfungskette voranzubringen.

Kontakt: s.roehrig[at]faz-institut.de

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