Umfangreiche Infrastrukturprojekte haben in Ostafrika zu einem starken BIP-Wachstum beigetragen. In Dschibuti und Kenia zeigen sie erhebliche Auswirkungen auf die Haushaltslage. Die wachsende Verschuldung stellt die Schuldentragfähigkeit auf die Probe.

Umfangreiche Infrastrukturprojekte haben in Ostafrika zu einem starken BIP-Wachstum beigetragen. In Dschibuti und Kenia zeigen sie erhebliche Auswirkungen auf die Haushaltslage. Hohe Importe von Investitionsgütern und Baumaterial treffen in den meisten Staaten auf schwächelnde Exporte. Die Summe der Auslandskredite übersteigt zunehmend die Exporteinnahmen und stellt die Schuldentragfähigkeit auf die Probe.

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Umfangreiche Investitionen

In der gesamten Region südlich der Sahara ist zu beobachten, dass Staaten große Beträge in Infrastrukturprojekte investieren. In Dschibuti, Äthiopien, Kenia, Ruanda und Tansania bilden Infrastruktur-investitionen ein zentrales Element der Entwicklungsstrategie und wirken sich in hohem Maße auf die Wirtschaft aus. In vielen Fällen werden Infrastrukturprogramme als Kernbestandteil langfristiger Entwicklungspläne durchgeführt. In allen fünf ostafrikanischen Staaten tragen diese Infrastrukturprojekte zum robusten Wachstum bei. Das BIP der fünf Länder ist seit 2010 um durchschnittlich mehr als 4% gestiegen und setzt diesen stabilen Kurs bisher auch im Jahr 2018 fort.

In Dschibuti etwa erfolgen die Investitionen im Rahmen des 2014 von der Regierung eingeleiteten Plans „Vision Djibouti 2035”, der darauf abzielt, das Land zu einem Logistik- und Handelszentrum für die gesamte Region Ostafrika zu machen. Vor diesem Hintergrund wurden Investi-tionen in die Entwicklung neuer Tiefwasserhäfen und die Erweiterung bestehender Häfen getätigt. Des Weiteren wurden in Kooperation mit Äthiopien eine Eisenbahnstrecke und eine Wasserpipeline gebaut, die beide Länder miteinander verbinden. In Äthiopien waren die Infrastrukturinvestitionen bereits Kernbestandteil des ersten, bis 2015 laufenden Wachstums- und Transformationsplans und wurden im Rahmen des zweiten Wachstums- und Transformationsplans fortgeführt. Zusätzlich zu den Investitionen in die grenzüberschreitende Eisenbahnstrecke und Pipeline hat die Regierung auch die nationalen Schienennetze erweitert. Darüber hinaus wird hier der größte Damm Afrikas, der „Große Renaissance-Damm“, gebaut, und es entstehen verschiedene große Industriezonen.

In Tansania erfolgen Investitionen im Rahmen des ersten und zweiten Fünfjahresentwicklungsplans (der zweite begann 2016). Die Pläne zielen auf die Nutzung der komparativen Vorteile Tansanias ab, insbesondere des Potentials in Landwirtschaft und Bergbau, aber auch der geographischen Lage, die dem Land zu einer Stellung als Logistikdrehkreuz für Ostafrika verhelfen soll. Die getätigten Investitionen umfassen zum Beispiel den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Daressalam und Mwanza, das Wasserkraftprojekt an Stiegler’s Gorge, die Entwicklung und Erweiterung verschiedener Bergwerke, die Erweiterung der Häfen sowie den geplanten Bau einer Ölpipeline, die die ugandischen Ölfelder mit dem tansanischen Hafen Tanga verbinden soll.

Auswirkungen auf den Haushalt

In einigen Ländern haben die Infrastrukturinvestitionen erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt. Dies gilt besonders für Dschibuti, wo die nach 2014 getätigten Investitionen zu einem Haushaltsdefizit von 22% des BIP im Jahr 2015 geführt haben. 2016 lag das Defizit weiterhin bei 16,3%, verglichen mit einem Durchschnitt von lediglich 2,1% in den fünf Jahren vor Beginn des Investitionsprogramms. Der Anstieg des Defizits hat nahezu eine Verdopplung der dschibutischen Staatsverschuldung verursacht. Während das Verhältnis der Staatsverschuldung zum BIP Ende 2013 noch bei 51% lag, wird es aktuell auf rund 90% geschätzt.

In Kenia sorgen Infrastrukturprojekte in Verbindung mit finanzpolitischen Fehlentwicklungen bereits seit 2005 für einen kontinuierlichen Anstieg des Haushaltsdefizits. In den vergangenen drei Jahren lag das Defizit bei über 8% des BIP. In der Folge ist die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP Ende 2017 auf 60% gestiegen, was für Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen ein hohes Niveau darstellt. In den drei übrigen Staaten waren die Auswirkungen auf den Haushalt geringer, da die Regierungen ihr Defizit eindämmen konnten. So wurde das Haushaltsdefizit Äthiopiens und Tansanias auf rund 2,5% des BIP begrenzt, was lediglich zu einem geringen Anstieg der Staatsschulden im Verhältnis zum BIP geführt hat.

Steigende Leistungsbilanzdefizite

Steigende Importe und ein schwaches Exportwachstum haben in den ostafrikanischen Ländern zu einem Anstieg des Leistungsbilanzdefizits geführt. In Dschibuti hat das Leistungsbilanzdefizit einen besonders hohen Stand erreicht und lag 2015 bei einem Höchstwert von 31% des BIP. Doch auch Ruanda und Äthiopien macht das hohe Leistungsbilanzdefizit zu schaffen. In Ruanda lag es 2016 bei nahezu 17%. Der Import von Investitionsgütern und Baumaterial für den Bau des Konferenzzentrums Kigali Convention Centre und des neuen Flughafens sowie für die Erweiterung der nationalen ruandischen Fluggesellschaft hat zu dieser Entwicklung beigetragen.

Tansania hingegen ist es gelungen, sein Leistungsbilanzdefizit strukturell abzubauen. Während das Defizit 2012 seinen Höchstwert mit 11% des BIP erreichte, konnte es bis Ende 2017 auf weniger als 4% des BIP gesenkt werden, was insbesondere auf einen Anstieg der Einnahmen aus Dienstleistungen sowie die Reduzierung von Importen zurückzuführen ist. Gleichwohl wird vor dem Hintergrund der Umsetzung des Infrastrukturinvestitionsprogramms mittelfristig mit einem neuerlichen Anstieg des Leistungsbilanzdefizits auf 6% des BIP gerechnet.

Finanzierung durch Auslandskredite

Während Tansania und Äthiopien erhebliche und stetig wachsende ausländische Direktinvestitionen anziehen können, sind die anderen Länder in dieser Hinsicht weniger erfolgreich. So deckt Kenia lediglich 10% seines Leistungsbilanzdefizits mit ausländischen Direktinvestitionen ab, was bedeutet, dass das Land für die Finanzierung des Defizits in hohem Maße auf Auslandskredite angewiesen ist.

Dennoch ist die Auslandsverschuldung in allen fünf Ländern gestiegen, und während die Kreditvergabe vorwiegend zu Vorzugsbedingungen und über offizielle Gläubiger und multilaterale Organisationen erfolgt, hat der Anteil von kommerziellen Krediten in nahezu allen Ländern zugenommen.

Der Anstieg der Auslandsverschuldung ist besonders vor dem Hintergrund des schwachen Wachstums besorgniserregend. Nur durch höhere Exporte können ausreichend Deviseneinnahmen generiert werden, um die Schulden mit der Zeit zurückzahlen zu können. Momentan ist allerdings in allen fünf ostafrikanischen Staaten ein starker Anstieg der Auslandsverschuldung gegenüber den Exporteinnahmen festzustellen. In Kenia hat dieser Anstieg zu einer deutlichen Zunahme der Schuldendienstverpflichtungen geführt. Während Kenia 2012 rund 6% der gesamten Leistungsbilanzeinnahmen für die Bedienung seiner Schulden aufbringen musste, ist dieser Anteil zum Ende 2017 auf 26% gestiegen und dürfte bis Ende 2020 sogar auf 40% anschwellen. In den übrigen vier Ländern ist die Schuldendienstquote ebenfalls gestiegen, liegt aber weiterhin unter 11%.

Vorausblick: Achtung Schuldenfalle!

Einige Regierungen haben angekündigt, die Aufnahme von Auslandskrediten künftig einzuschränken. So hat Äthiopien bereits 2016 die Kontrolle von externen Kreditaufnahmen durch öffentliche Unternehmen verschärft, und seit der IWF das Land im Januar 2018 als hoch überschuldungsgefährdet eingestuft hat, hat die Regierung eine weitere Reduzierung der Auslandskredite angekündigt. Gleichwohl wird das mittel- bis langfristige politische Risiko weiterhin von der hohen Auslandsverschuldung beeinträchtigt und daher in Kategorie 6 eingestuft. In Tansania bildet die Einschränkung von Kreditaufnahmen für Infrastrukturprojekte einen entscheidenden Bestandteil des Fünfjahresentwicklungsplans. Stattdessen möchte die Regierung bei großen Infrastrukturprojekten künftig verstärkt auf öffentlich-private Partnerschaften zurückgreifen. Da Tansania bereits in der Vergangenheit größere Ausgeglichenheit bei der Kreditaufnahme gezeigt hat, wird das mittel- bis langfristige Risiko weiterhin in Kategorie 5 eingestuft. Im Falle von Dschibuti haben das hohe Leistungsbilanzdefizit, die schlechte Haushaltslage sowie die beträchtliche Auslandsverschuldung Credendo dazu bewogen, das mittel- bis langfristige politische Risiko dieses Landes in Kategorie 7 einzustufen. Das mittel- bis langfristige politische Risiko Kenias wurde im Oktober 2017 auf Kategorie 6 herabgestuft, da die Staatsverschuldung und die Schuldendienstquote gestiegen sind und sich die Haushaltslage verschlechtert hat.

Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Internetseite www.credendo.com.

c.witte@credendo.com

 

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