Mit der gerade verkündeten Aufnahme in den Währungskorb des IWF im Oktober 2016 erhält die chinesische Währung den inter­nationalen Ritterschlag. Die intensive Zusammenarbeit mit China und vor allem die Liberalisierung des chinesischen Währungs­systems haben die Bedeutung des Renminbi auch für deutsche Unternehmen erhöht. Um ihn im geschäftlichen Alltag effizient zu ­nutzen, bedarf es jedoch geeigneter Instrumente und fachlicher Unterstützung, wie das Beispiel des Unternehmens CobiNet zeigt.

Von Fred Tylle, Firmenkundenbetreuer, Deutsche Bank

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Die CobiNet GmbH zählt zu den führenden Markenherstellern und Komplettanbietern von Fernmelde-, Datennetz- und Lichtwellenleiterkomponenten. Während die Entwicklung der Produkte und Komponenten im Stammwerk in Deutschland erfolgt, importiert CobiNet Teile aus China und lässt diese von eigenständigen Tochtergesellschaften in China produzieren.

In der Vergangenheit wurden die Lieferantenrechnungen ausschließlich in Euro bezahlt. Dennoch hatte CobiNet ein indirektes Währungsrisiko, da die chinesischen Lieferanten ihre Preise in Euro an die Volatilität des Renminbi anpassten. Als Folge konnte auch CobiNet die Verkaufspreise gegenüber seinen Abnehmern nur schwer kalkulieren. Gesucht wurden eine Lösung zur Steuerung des Währungsrisikos, eine verbesserte Kostentransparenz und eine Möglichkeit zur flexibleren Preisgestaltung. Zusätzlich benötigte CobiNet eine attraktive Anlagemöglichkeit.

Durch die Umstellung der Rechnungswährung auf Renminbi verbunden mit der Absicherung des Währungsrisikos konnte die Abwicklung der Geschäfte mit China sowohl für die eigenen Importe von CobiNet als auch für deren chinesische Geschäftspartner deutlich transparenter und planbarer gestaltet werden. Dabei wurden die Mitarbeiter der Buchhaltung aktiv von der Deutschen Bank unterstützt. Aufgrund der Besonderheiten des Renminbi mussten die Mitarbeiter einige Punkte bei der Durchführung des Zahlungsverkehrs und der regelmäßigen Währungskäufe beachten.

Als hilfreich hat sich erwiesen, dass CobiNet für die Abwicklung der Transaktionen unterstützendes Material in Mandarin zur Verfügung gestellt werden konnte, das die Kommunikation mit dem Exporteur erleichterte. Die Überweisung der Lieferantenrechnungen in Renminbi führte zu günstigeren Einkaufspreisen, da der Exporteur keine Kurssicherung mehr benötigte. Zudem kann CobiNet bei der Geldanlage in Renminbi gegenwärtig deutlich höhere Zinserträge als in Euro erzielen. Mit den höheren Zinserträgen sind jedoch höhere Risiken verbunden, die aus dem Wechselkursrisiko resultieren.

Um regulatorische Anforderungen und Marktentwicklungen im Zusammenhang mit der chinesischen Währung Renminbi in betriebswirtschaftliche Vorteile umzusetzen, sollten sich Unternehmen einen Überblick über die anhaltende Internationalisierung der Währung und die dadurch entstehenden Geschäftschancen verschaffen. Als Handelswährung kann der Renminbi bereits in gleicher Weise wie der US-Dollar und der Euro (z. B. als Basiswährung von Akkreditivgeschäften) eingesetzt werden.

Eine Abwicklung in Renminbi kann für Niederlassungen oder Tochtergesellschaften vor Ort oder im Bereich von Finanzierungsgeschäften von Vorteil sein. Zu beachten ist dabei, dass der Renminbi zwar eine einzige Währung ist, aber aufgrund von Devisenkontrollen und -vorschriften in zwei Währungen gehandelt wird: dem CNY (Onshore-Renminbi, für den Handel in China) und dem CNH (Offshore-Renminbi, für den Handel außerhalb Chinas und in Hongkong). Die fachliche Unterstützung durch die Banken ist aufgrund dieser Komplexität genauso wichtig wie eine unternehmensinterne Unterstützung.

Kontakt: fred.tylle@db.com

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