Ein ausbalanciertes Wachstum und der dynamische Konsum sorgen bei nordamerikanischen Unternehmen für einen stabilen ­Ausblick. Die Mehrzahl der Branchen bleibt bei Coface in der Risikokategorie „mittel“. Damit stellt sich die Situation zumeist ­günstiger dar als in Westeuropa und Asien. Während die Wirtschaft der USA nach einem externen Schock im ersten Quartal
wieder solides Wachstum aufweist, zeigen sich in den Ländern der Euro-Zone deutliche Unterschiede.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

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Nordamerika:

Automobilindustrie erholt sich, auch Chemie mit günstigem Ausblick
Positiv sind die Erwartungen für die Automobilindustrie, deren Finanzlage weiter stabil ist. Die verfügbaren Mittel lagen Ende Juni um 24% über dem Vorjahreswert, die Nettoverschuldung sank um 9%, und die Gewinne stiegen um 3,7%. Dadurch bleiben die Risiken moderat. Auch die Auslastung der Produktionskapazitäten war mit 90% relativ hoch. Nicht nur die US-Verbraucher kaufen vermehrt Neuwagen, auch die Nachfrage nach Geschäftswagen hat sich dank spezieller Rabatte verstärkt.

Der Fahrzeugabsatz in den USA legte im September 2014 mit plus 9,3% im Jahresvergleich kräftig zu. In den ersten neun Monaten 2014 wurden insgesamt 5,4% mehr Fahrzeuge verkauft. Die Nachfrage profitiert von dem günstigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld, den niedrigen Zinsen und dem Interesse an neuen Fahrzeugmodellen als Ersatz für den gealterten Fahrzeugbestand. Insbesondere die sogenannten Light Trucks erlebten einen deutlichen Anstieg der Verkaufszahlen (+17% im September, +10% in den ersten neun Monaten 2014). Vor allem Special Utility Vehicles (SUVs) wurden stark nachgefragt.

Die Dynamik der Autobranche öffnet auch Absatzkanäle für Unternehmen aus dem Chemiebereich. Die Nachfrage wurde auch durch die günstigeren Preise gestützt, in denen sich geringere Kosten für Energie und Rohstoffe widerspiegeln. Die nordamerikanischen Chemieunternehmen haben dadurch einen Kostenvorteil gegenüber ihren europäischen Wettbewerbern, der sich auch in steigenden Gewinnen niederschlägt. Sie lagen im Juni 2014 um fast 12% über dem Vorjahreswert. Das „mittlere“ Branchenrisiko ist daher mit positivem Ausblick versehen.

Westeuropa:

Metall und Automobil verlassen Kategorie „sehr hohes Risiko“
Das Nullwachstum im zweiten Quartal 2014 in der Euro-Zone belegt das Szenario einer außerordentlich langsamen Erholung. Dennoch hält Coface an der Prognose fest, wonach das BIP 2014 um 0,9% zulegen wird nach einem Rückgang um 0,4% im vergangenen Jahr. Diese Entwicklung wird gestützt durch Verbesserungen bei Branchenrisiken, die lange mit „sehr hoch“ bewertet worden waren: Die Metallindustrie und den Automobilsektor sieht Coface jetzt in „hohes Risiko“.
Zehn Monate in Folge mit steigenden Verkäufen haben den Automobilzulieferern genützt: Der Markt in Deutschland, Großbritannien und Spanien nahm Fahrt auf. Von der Erholung profitierte auch die Metallindustrie, deren Unternehmen mehr absetzten und deutlich profitabler wurden. Ein Handicap bleibt indes, auch wenn die Investitionen wieder ansteigen: Die Branche leidet weiter unter Überkapazitäten.
Für zwölf weitere Branchen behält Coface in Westeuropa die Bewertungen bei. Sie befinden sich alle in den Risikokategorien „hoch“ oder „mittel“. Anders als in Nordamerika und den aufstrebenden Ländern Asiens hat noch keine Branche wieder die Bewertung „moderat“ erreicht.

Aufstrebende Länder Asiens:
Holz/Papier und Bau um eine Stufe abgewertet
In den aufstrebenden Ländern Asiens vergrößern sich die Lagerbestände, und die Unternehmensschulden steigen, während der Abbau der Überkapazitäten in Gang ist. Die Metallindustrie, die fallende Stahlpreise verkraften muss, ist die einzige Branche in Asien, die Coface seit letztem April in „sehr hohes Risiko“ einstuft.
Die Risiken in der Baubranche und im Sektor Holz/Papier steigen weiter. Der Bau, geschwächt durch weniger Aufträge, verschärfte Kreditkonditionen und erste „Geisterstädte“ in China, bewegt sich vom „mittleren“ ins „hohe“ Risiko. Die steigenden Insolvenzzahlen bei KMUs in der Papierindustrie in Verbindung mit Überkapazitäten veranlassen Coface dazu, die Bewertung der Branche Holz/Papier auf „mittel“ herabzustufen.

Länderbewertungen aktualisiert

Zwar erholt sich, weltweit betrachtet, das Wirtschaftswachstum. Coface sieht aber höhere Risiken in wichtigen Schwellenländern und stuft in ihrer Länderbewertung Russland, die Türkei und Venezuela herab. Diese Länder stehen nach Einschätzung des internationalen Kreditversicherers vor finanzwirtschaftlichen und politischen Herausforderungen.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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