Dank seiner stabilen politischen und wirtschaftlichen Lage bietet sich Marokko als Brückenkopf an, wenn es um die Gründung von Unternehmensniederlassungen für die Erschließung der afrikanischen Märkte geht. Wenn dafür die kurzfristige Aufnahme von Fremdkapital erforderlich ist, kann Finetrading als Alternative zu klassischen Bankkrediten in Frage kommen, da aufgrund der ­einfachen Handhabung grenzüberschreitende Finanzierungen problemlos konzipiert werden können.

Von Dirk Oliver Haller, CEO, Deutsche Finetrading AG

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Wenn Produkte im nordafrikanischen Raum vermarktet werden sollen, stehen europäische Unternehmen vor der Entscheidung, ob die Ware direkt an einen Importeur geliefert, über eine eigene Niederlassung im Exportland vermarktet oder eventuell sogar vor Ort hergestellt werden soll. Jede Variante hat dabei ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Während die Lieferung an einen Importeur mit dem geringsten Investitions- und Organisationsaufwand verbunden ist, bestehen bei diesem Vertriebsweg Defizite, wenn es um die Präsenz vor Ort und die Nähe zum Kunden geht. Umgekehrt bietet die eigene Niederlassung oder gar Produktionsstätte im Exportland die maximale Nähe zum Markt, ist jedoch aufgrund des Investitionsvolumens und der landesspezifischen gesetzlichen Regularien mit einigen Herausforderungen verbunden.

Gerade der Aufbau einer eigenen Niederlassung ist auf lange Sicht nur dann von Erfolg gekrönt, wenn im jeweiligen Land Rechtssicherheit zu erwarten ist. Als Brückenkopf für die Erschließung der afrikanischen Märkte bietet sich beispielsweise Marokko an, das sich mit seiner strategischen Lage im Nordwesten Afrikas als Bindeglied sowohl nach Europa wie auch in Richtung Nordamerika positioniert. Neben der Lage spricht auch die politische und wirtschaftliche Stabilität in Marokko für ein unternehmerisches Engagement vor Ort.

Maßvolle Reformpolitik hat Marokko stabilisiert

Schon seit langem belegt Marokko innerhalb der afrikanischen Staaten einen Spitzenplatz, wenn es um die politische Sicherheit und Kalkulierbarkeit geht. Die maßvolle und nachhaltige Reformpolitik der vergangenen Jahrzehnte wirkte auf die politische Lage des Landes stabilisierend, als Ende 2010 in anderen Staaten Nordafrikas Unruhen ausbrachen. Von den daraus resultierenden Verwerfungen blieb Marokko bis heute weitgehend unberührt. Bewährt hat sich dabei die umsichtige Lenkung durch das Königshaus in Verbindung mit einer Verfassung, die vom französischen Recht geprägt ist und ein hohes Maß an Rechtsstaatlichkeit garantiert.

In wirtschaftlicher Hinsicht zeigt sich Marokko ebenfalls als aufstrebendes Land mit nachhaltigen Wachstumsperspektiven. Obwohl die EU als wichtigster Handelspartner im vergangenen Jahr nur schwache Konjunkturimpulse aussenden konnte, wuchs die marokkanische Wirtschaft im Jahr 2014 um immerhin 2,4%. Für dieses Jahr prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) einen erneuten Anstieg der Wachstumsrate auf 4,9%. Der Wandel vom Agrar- zum Indus­trie- und Dienstleistungsstaat vollzieht sich auf stetige Weise. Im Bereich des Maschinen- und Fahrzeugbaus hat sich Marokko inzwischen als wichtiger Standort für Zulieferteile etabliert, und Investitionen in die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern haben sich mittlerweile als Wachstumstreiber heraus-
kristallisiert. Sowohl die Windenergie wie auch die Nutzung von Sonnenenergie und Wasserkraft spielen für die stark wachsende Stromproduktion eine bedeutende Rolle.

Marokko als Standort für die ­Niederlassung eines Lebensmittelkonzerns

Traditionell gut aufgestellt ist in Marokko die Nahrungsmittelindustrie, die zum einen von den günstigen klimatischen Bedingungen bei der Produktion von Agrargrundstoffen und zum anderen von der zunehmenden inländischen Kaufkraft und dem regen Außenhandel profitiert. Dazu kommt, dass die marokkanische Regierung die Ansiedlung von Produktionsunternehmen fördert, um die heimische Wirtschaft zu stärken und die Abhängigkeit von Importen zu verringern. Gute Voraussetzungen also für einen international agierenden europäischen Lebensmittelkonzern, um mit der DFT Deutsche Finetrading AG als Finanzierungspartner eine Niederlassung in Marokko zu gründen.

Konkret sollte ein Produktionsstandort zur Abfüllung von Orangensaft aufgebaut werden, so dass die dortigen Konsumenten auf kurzem und logistisch günstigem Weg beliefert werden können. Nun galt es, zu dem geplanten Vorhaben ein Finanzierungskonzept zu entwickeln, das sowohl die Finanzierung der Abfüllanlage wie auch die ersten Rohstofflieferungen bis zur Erzielung von Verkaufserlösen abdeckte. Da zu erwarten war, dass die Niederlassung innerhalb kurzer Zeit den wirtschaftlichen Breakeven erreichen würde, sollte die Finanzierung der Abfüllanlage auf ein Jahr ausgelegt sein, während das Fremdkapital für den Rohstoff­einkauf maximal sechs Monate benötigt wurde.

Finanzierung von Auslands­niederlassungen bringt besondere Anforderungen mit sich

Ein klassischer Bankkredit erwies sich für dieses Vorhaben als nur eingeschränkt geeignet, da sich die als Kreditsicherheiten in Frage kommenden Investitionsgüter im Ausland befanden. Aufgrund der prognostizierten schnellen Refinanzierung der Anlage wäre darüber hinaus ein Investitionskredit mit einer zu langen Laufzeit verbunden gewesen.

Als Alternative zu den herkömmlichen Finanzierungsmodellen bot sich in dieser Situation Finetrading als bankenunabhängige Finanzierungsalternative an. Bei Finetrading handelt es sich um ein flexibles Finanzierungsinstrument, das auf unterschiedlichen Zahlungszielen basiert. Der Finetrading-Anbieter tritt dabei nicht als Kreditgeber, sondern als Zwischenhändler auf, indem er die Ware vom Lieferanten erwirbt und praktisch im gleichen Augenblick an den Abnehmer weiterveräußert. Als Finanzierungskomponente fungieren dabei die unterschiedlichen Zahlungsziele: Während der Lieferant vom Finetrader den Rechnungsbetrag sofort erhält, erhält der Abnehmer ein verlängertes Zahlungsziel, das bis zu sechs Monate bei der Finanzierung von Umlaufvermögen und bis zu zwölf Monate beim Erwerb von Investitionsgütern betragen kann. Die Stellung von dinglichen Sicherheiten ist dabei nicht erforderlich, so dass die Vermögenswerte des Unternehmens für andere Finanzierungszwecke eingesetzt werden können. Finetrading-Finanzierungen können entweder projektweise abgeschlossen werden oder in Form eines Investitionsrahmens, innerhalb dessen der Finanzierungsnehmer bedarfsweise eine vereinbarte Kreditlinie in Anspruch nehmen kann.

Finetrading kann einfache Alter­native für kurzfristige Auslands­finanzierungen sein

Das hohe Maß an Flexibilität und die einfache Handhabung gaben für den Finanzierungskunden den Ausschlag, sich für Finetrading zu entscheiden. Für die Finanzierung des Einkaufs von Kunststoffgranulat zur Herstellung von PET-Flaschen wurde eine Finanzierung mit sechs Monaten Laufzeit abgeschlossen, die Abfüllanlage wurde mit einer Laufzeit von zwölf Monaten finanziert. Im Fall von schneller als erwartet ansteigenden Umsätzen hatte der Finanzierungsnehmer die Möglichkeit, die Rechnung des Finetraders vorzeitig zu begleichen und damit Finanzierungskosten einzusparen.

Damit zeigt sich, dass sich Finetrading nicht nur für die Finanzierung von Export- und Importgeschäften eignet, sondern auch zum Einsatz kommen kann, wenn Fremdkapital für den Aufbau einer eigenen Niederlassung im Ausland benötigt wird. Gleiches gilt, wenn die Niederlassung im Rahmen eines Joint Ventures gemeinsam mit einem Partner im jeweiligen Land gegründet werden soll. Im Rahmen der kurzfristigen Finanzierung können Rohstoffeinkäufe für die Produktionsstätte oder der Warenbestand des Auslieferungslagers finanziert werden, während der mittelfristige Kapitalbedarf für Investitionen in Anlagen oder in die Einrichtung dank der bis zu zwölfmonatigen Finanzierung ebenfalls auf einfache Weise über Finetrading abgedeckt werden kann.

Kontakt: info[at]deutsche-finetrading-ag.de

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