Die Konjunktur leidet aber immer noch unter dem schwachen Wachstum in Südafrika und Angola, begrenzten finanzpolitischen Spielräumen, gedrosselten Investitionsprojekten im Bergbau sowie niedrigen Exportgüterpreisen, insbesondere den Uranpreisen.

Die Delegation des Internationalen Währungsfonds stellte Namibia im Juni 2019 ein gemischtes Zeugnis aus: Die Gratwanderung zwischen Sparen und Konjunkturstützung geht die Regierung zwar richtig an, doch auch Reformen zur Steigerung der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit sind notwendig.

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Infolge der weltweiten Finanzkrise in den Jahren 2007–2008 leitete Namibia eine expansive Finanzpolitik ein und setzte auf einen lockeren geldpolitischen Kurs. Das führte bei Haushalten und Unternehmen zu hoher Kreditnachfrage sowie vorübergehend zu hohen Investitionen in Bergbauprojekte. Zwischen 2010 und 2015 wuchs die Wirtschaft kräftig um durchschnittlich 5,7%. Aufgrund der übermäßigen Abhängigkeit vom Mineralienexport wurde Namibia jedoch vom 2014 einsetzenden Abschwung der internationalen Rohstoffpreise getroffen.

Der daraus folgende starke Anstieg des Leistungsbilanzdefizits erhöhte den Bedarf an ausländischen Finanzierungsmitteln. Namibia erhält umfangreiche Transferzuflüsse aus den Mitgliedstaaten der Zollunion des südlichen Afrikas (Southern African Customs Union – SACU), die 2015 beträchtliche 12% des BIP abdeckten. Doch der Kapitalbedarf überstieg die Zuflüsse und musste durch Anpassungsmaßnahmen verringert werden. 2016 wurde ein Sparprogramm auf den Weg gebracht, um das umfangreiche Außenhandels- und Haushaltsdefizit abzubauen und die öffentlichen Finanzen wieder auf einen nachhaltigen Weg zu bringen.

Doch die wirtschaftliche Stagnation in Südafrika in Verbindung mit dem Rückgang der Staatsausgaben und dem Auslaufen einer erheblichen Investitionsoffensive wirkte sich negativ auf die Wirtschaftstätigkeit aus. Daher geriet Namibia 2017 und 2018 mit Veränderungsraten des realen BIP von –0,9% bzw. –0,1% in eine Rezession. In den kommenden Jahren dürfte sich das BIP mit einem erwarteten Anstieg auf 1,4% im Jahr 2019 und bis zu 3,1% im Jahr 2021 leicht erholen. Die Konjunktur leidet aber immer noch unter dem schwachen Wachstum in Südafrika und Angola, begrenzten finanzpolitischen Spielräumen, gedrosselten Investitionsprojekten im Bergbau sowie niedrigen Exportgüterpreisen, insbesondere den Uranpreisen.

Zur Finanzierung der steigenden Leistungsbilanzdefizite hat Namibia umfangreiche ausländische Direktinvestitionen angezogen und 2011 sowie 2015 Euro-Bonds emittiert, wobei es von den derzeit herrschenden günstigen globalen Finanzbedingungen profitieren konnte. Seit 2009 hat der Namibische Dollar aufgrund der Abwärtsspirale des Südafrikanischen Rand (SAR), an den er gebunden ist, die Hälfte seines Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Infolgedessen hat sich die Auslandsverschuldung zwischen 2010 und 2018 auf rund 60% des BIP verdoppelt. Gleichzeitig liegen etwa zwei Drittel dieser Auslandsschulden beim Privatsektor. Die Schuldendienstbelastung ist besonders volatil und dürfte ab 2019 auf über 30% der Leistungsbilanzeinnahmen (einschl. offizieller Transfers) anschwellen, was einen erheblichen jährlichen Finanzaufwand bedeutet. Neben dem Auslandsschuldenprofil hat sich auch die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung seit 2015 deutlich verschlechtert. 2014 stieg die gesamtstaatliche Verschuldung auf 25% des BIP, wovon ein großer Anteil im Inland gehalten wird. Bis 2018 stieg die Gesamtverschuldung des öffentlichen Sektors auf geschätzte 47% des BIP. In einem pessimistischen Szenario des IWF wird von begrenzten Haushaltskonsolidierungsanstrengungen ausgegangen, was bis 2024 zu jährlichen Haushaltsdefiziten von bis zu 8% des BIP und einer kontinuierlichen Akkumulation von Staatsschulden auf über 70% des BIP führen würde.

Erhöhte Risiken

Namibia gilt als eines der politisch stabilsten Länder in der Region, und das politische Umfeld dürfte kurzfristig in den Grundzügen unverändert bleiben. Es ist zu erwarten, dass die derzeitige Regierungspartei SWAPO die Politik auch nach den Parlamentswahlen im November 2019 dominieren wird. Die Arbeitslosigkeit ist jedoch auf 23,3% der gesamten Erwerbsbevölkerung angestiegen, und Namibia zählt weltweit zu den Ländern mit der höchsten Ungleichheit. Infolgedessen ist wie in anderen Ländern des südlichen Afrikas unter linksradikalen Fraktionen der Ruf nach Landreformen und einer grundlegenden Umverteilung des Wohlstands laut geworden.

Die strukturelle Verschlechterung der makroökonomischen Fundamentalfaktoren Namibias seit 2015 hat im Dezember desselben Jahres zu einer ersten Herabstufung des mittel- bis langfristigen politischen Risikos durch Credendo von Kategorie 3/7 auf 4/7 geführt. Im Februar 2019 wurde die Bewertung des mittel- bis langfristigen politischen Risikos erneut herabgestuft, nachdem die Prognosen sich aufgrund der oben genannten finanziellen und fiskalischen Anfälligkeiten weiter ­verschlechtert hatten. Darüber hinaus könnte der Anstieg der globalen Zinssätze dazu führen, dass die (Re-)Finanzierungskosten sowohl für den privaten als auch für den öffentlichen Sektor zunehmen und Kapitalzuflüsse aufgrund rückläufiger Risikobereitschaft unter Investoren zurückgehen.

Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Seite www.credendo.com.

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