Im Onlinehandel mit Modeartikeln sind Importe aus süd- und westeuropäischen Ländern wie Spanien, Portugal, Frankreich und ­Italien beliebt. Der bürokratische Aufwand für die Importabwicklung innerhalb der EU ist gering, daher nutzen vor allem kleinere Firmen diesen Weg zur Erweiterung ihres Angebots. Mit einer passgenauen Finanzierung können kleinere und mittelständische Importeure außerdem Konditionenvorteile bei den Lieferanten nutzen, indem sie ihnen gegenüber als Sofortzahler auftreten.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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Maschinenbau, Fahrzeuge, Hightech: Das sind die Produkte, mit denen die deutsche Wirtschaft in Verbindung gebracht wird, wenn es um Exporte und Importe geht. Doch auch in anderen Branchen spielt Deutschland auf dem internationalen Parkett eine nicht zu unterschätzende Rolle. So etwa in der Textil- und Bekleidungsbranche, in der Deutschland in der weltweiten Exportstatistik nach China und Indien den dritten Rang und in der Importstatistik nach den USA sogar den zweiten Rang belegt.

Beim Import von Textilien, Bekleidung und Lederwaren spielen zwar Herkunftsländer wie China, Indien oder Bangladesch eine führende Rolle, doch auch innerhalb der EU finden rege Geschäftstätigkeiten beim Modeimport statt. Fast ein Drittel aller Bekleidungs- und Textilwaren wird aus den EU-Mitgliedstaaten importiert. Traditionell eine große Bedeutung haben hierbei die Länder im Süden und Westen Europas: Neben dem Modeland Italien zählen Portugal, Frankreich und Spanien zu den wichtigen Importländern, aus denen Kleidung, Schuhe und Accessoires für die Bürger in Deutschland eingeführt werden.

Der Trend zeigte dabei in den vergangenen Jahren nach oben. Bei den Importen aus Italien stieg das Gesamtvolumen in den Segmenten Lederwaren und Textilien von 2012 auf 2013 um 6,2% auf 2,24 Mrd EUR an. Zwar weisen die Importzahlen für Frankreich, Spanien und Portugal ein geringeres Volumen auf, doch auch hier hat sich das Wachstum als stabil erwiesen. Die Textil- und Ledereinfuhren aus Spanien stiegen im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr sogar um 19% auf knapp 270 Mio EUR.

Neben dem stationären Handel spielen Onlinehändler auf dem Modemarkt eine immer wichtigere Rolle. Nach der Statistik des Instituts für Handelsforschung in Köln ist von 2008 bis 2013 der Marktanteil der Onlinehändler in den Bereichen Fashion und Accessoires von 6,2% auf 18,9% gestiegen – Tendenz zunehmend. Getragen wird das Wachstum nicht nur von den Branchengrößen wie Zalando, Amazon oder den Onlinesparten der großen Modehändler, sondern auch von einer Vielzahl an kleinen und mittelständischen Onlinemodehändlern.

Vor allem die kleineren Akteure am Markt des Onlinemodeversands versuchen häufig, mit Direktimporten eine Marktnische zu besetzen und Produkte anzubieten, die in den Sortimenten der Modeketten und Boutiquen nicht zu finden sind. Dass dabei gern auch Produkte von Herstellern aus den südlichen und westlichen EU-Staaten importiert werden, liegt mit daran, dass bei der Einfuhr aus diesen Ländern der bürokratische Aufwand für die Importabwicklung gering ist – ein Pluspunkt, von dem vor allem kleinere Importeure mit wenig Auslandsexpertise profitieren. Während beim Warenimport aus Fernost eine Vielzahl an zollrechtlichen Vorschriften zu beachten ist, können dank der offenen Grenzen innerhalb der EU Waren ohne große Formalitäten importiert werden.

Dazu kommt, dass Besuche und Verhandlungen vor Ort nicht nur mit geringerem finanziellen Aufwand verbunden sind, wenn die Reise nach Spanien oder Portugal anstatt nach China oder Indien geht. Auch die sprachlichen und kulturellen Barrieren sind weitaus niedriger, wenn die Lieferanten innerhalb der EU ansässig sind und beide Parteien mit den geschäftlichen Gepflogenheiten ihres Gegenübers einigermaßen vertraut sind.

Traditionell spielt in der Modebranche die Vorfinanzierung der Einkäufe eine bedeutende Rolle, weil die Ware in der Regel vor Beginn der Saison gekauft wird und der daraus resultierende Umsatz erst einige Wochen oder gar Monate später realisiert werden kann. Damit kann es erforderlich sein, dass ein mehrmonatiger Zeitraum mit einer Zwischenfinanzierung überbrückt werden muss.

Als Alternative zur kurzfristigen Bankfinanzierung über einen Kontokorrentkredit kann in solchen Fällen Finetrading als bankenunabhängige Finanzierungsalternative in Frage kommen. Der Finetrader tritt dann als Zwischenhändler in das Geschäft ein, indem er vom Lieferanten die Ware erwirbt und sie direkt im Anschluss daran an den Abnehmer weiterveräußert. Dabei kommen auf Seiten des Finetraders unterschiedliche Zahlungsziele zur Anwendung: Während er die Rechnung des Lieferanten sofort begleicht, gewährt er dem Abnehmer ein Zahlungsziel, das bei Handelswaren oder Rohstoffen bis zu sechs Monate und bei Investitionsgütern bis zu zwölf Monate betragen kann. Im engeren Sinne handelt es sich damit nicht um eine Bankfinanzierung, sondern um ein Handelsgeschäft mit einem erweiterten Lieferantenkredit.

Für Importeure von Modeartikeln bringt dies den Vorteil, dass sie gegenüber ihren im Ausland ansässigen Lieferanten als Sofortzahler auftreten und damit günstige Einkaufskonditionen erzielen können. Wenn der Lieferant aufgrund der kurzen Zahlungsfrist ein Skonto gewährt, kann damit bereits ein Teil der mit dem Finetrading verbundenen Finanzierungskosten gedeckt werden. Beträgt beispielsweise das Skonto 2%, resultiert daraus bei einer Finanzierungsdauer von vier Monaten ein vergleichbarer Jahreszins-Vorteil von 6%, der die Zinskosten bei der Finanzierung entsprechend mindert.

Dank des einfachen Aufbaus der Finetrading-Finanzierung stößt dieses Modell bei Modeimporteuren auf zunehmendes Interesse. So konnte die DFT Deutsche Finetrading AG in jüngster Vergangenheit eine steigende Nachfrage nach Finanzierungen bei Importen von Textilien und Accessoires aus den Staaten im Westen und Süden der EU verzeichnen. Unter anderem konnten der Einkauf von Handtaschen aus Italien, der Import von handgefertigten Schuhen aus Spanien sowie Lieferungen von Kosmetikartikeln aus Spanien, Italien und weiteren westeuropäischen Ländern mit Finetrading-Geschäften finanziert werden.

Gerade für Betreiber von Onlineshops stellt Finetrading damit eine unkompliziert zu realisierende Finanzierungsmöglichkeit dar, um saisonale Einkäufe auch aus dem Ausland mit einem maßgeschneiderten Modell zu finanzieren und ihre Angebotspalette mit direkt importierten Waren aus den europäischen Nachbarstaaten zu erweitern.

Kontakt: info[at]dft-ag.de

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